Szyks Haggada, das Kind Moses
Szyks Haggada, das Kind Moses

Arthur Szyk erschuf das wohl schönste Buch aller Zeiten. Während des Zweiten Weltkriegs benutzte der in Polen geborene Illustrator seine Kunst mit solchem Erfolg als Waffe gegen den Faschismus, dass ihn Eleanor Roosevelt als „Ein-Mann-Armee“ (wörtl.: a one-man army) beschrieb.

Auch wenn seine stilisierten Kunstwerke einigen noch immer bekannt waren - sein Name war bis zum Ende des 20. Jahrhunderts weitgehend in Vergessenheit geraten. Mehrere bedeutende Ausstellungen halfen ein erneutes Interesse zu wecken, so dass sich heute immer mehr Menschen mit seinen Arbeiten beschäftigen. Sein Meisterwerk ist Szyks Haggada – vollständig im Stil einer illuminierten Handschrift, bei der der Text durch verzierte Anfangsbuchstaben, Rahmen und Illustrationen ergänzt wird. Sie wurde zur Zeit des Nationalsozialismus erschaffen und kombiniert politischen Symbolismus mit reiner Schönheit.

Die Haggada ist ein wichtiges Element im jüdischen Pessachfest. Das Buch zu lesen ist ein Ritus, um zu lernen, wie die Juden aus der Sklaverei durch die Ägypter flohen. Jeder jüdische Haushalt besitzt ein Exemplar der Haggada. Szyks Ausgabe zieht eine Parallele zwischen dem unterdrückenden Regime der Nazis in Deutschland und den antiken Ägyptern. In der ursprünglichen Fassung der Illustrationen platzierte Szyk Hakenkreuze auf den ägyptischen Figuren. Man überzeugte ihn allerdings davon diese zu entfernen, aufgrund von Bedenken, dass ein religiöser Text durch rassistische Bilder verdorben werden könnte. Die Haggada erzählt eine Geschichte über vier Söhne – einer ist weise, einer ist böse, einer ist einfältig und der letzte weiß nicht zu fragen. Szyks böser Sohn ist eindeutig germanisch und trägt einen Hitler-Bart.

Szyks Haggada wurde 1940 von der britischen Beaconsfield Press veröffentlicht. Lediglich 250 Exemplare wurden gedruckt. Jedes kostete $500 und war damit das teuerste neue Buch der Welt zu dieser Zeit. Ein Exemplar ist bei AbeBooks für umgerechnet ca. 46.400 Euro erhältlich. Die Bücher wurden auf Pergament gedruckt und in goldgeprägtem Leder gebunden. Eine englische Übersetzung begleitet den hebräischen Text.

Das erste Exemplar erhielt König George VI und es befindet sich in Windsor Castle. Ein Kritiker der Londoner Times schrieb, diese Ausgabe sei „würdig, zwischen den schönsten Büchern, die je von Menschenhand produziert wurden, platziert zu werden“. Die Druckplatten fanden ihren Weg nach Israel und der erste Nachdruck auf gewöhnlichem Papier entstand 1956. Sporadisch folgten Nachdrucke in verschiedenen Einbänden.

Bilder aus Szyks Haggada

Szyk wurde 1894 als Sohn einer jüdischen Familie im polnischen Lódz geboren, das zu der Zeit unter russischer Herrschaft stand. Er studierte Kunst in Paris, aber er interessierte sich mehr für die Schönheit der mittelalterlichen illuminierten Handschriften. Er ging zurück nach Polen und kämpfte für die Russen im Ersten Weltkrieg.

1921 zog er zurück nach Paris und damit begann auch seine Karriere. Er illustrierte eine Anzahl von Büchern und vermischte die Traditionen von mittelalterlichen Illuminationen mit zeitgenössischen Elementen – sein Stil war geboren. Eines von Szyks berühmtesten Werken der 1920er-Jahre ist eine illustrierte Version des Statuts von Kalisz, einem 700 Jahre alten Dokument, das den Juden weitgehende Privilegien im Herzogtum Großpolen-Kalisz einräumte. In den frühen 1930ern produzierte er Washington and his Times, eine Reihe von 38 Aquarellen, die Schlüsselereignisse des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs abbilden.

Szyks Werke wurden politischer, als Hitler an die Macht kam. Er zeichnete bereits 1933 Karikaturen des Naziführers. Schließlich zog er nach London, um die Produktion seiner Haggada zu überwachen - ein Prozess, der sich über drei Jahre hinzog.

Von Szyk illustrierte Bücher

1940 zog er in die Vereinigten Staaten und wurde von den Amerikanern für seine Karikaturen der Deutschen und ihrer Verbündeten begeistert aufgenommen. Seine Popularität wuchs während dieser Jahre enorm an und seine Arbeit lieferte den Alliierten wertvolle Propaganda. Szyks Gehässigkeit war glaubwürdig und überzeugend – er hatte sein polnisches Heimatland verloren und seine Mutter starb in einem Vernichtungslager der Nazis.

Seine Arbeit wurde in Zeitungen, Magazinen und Kunstgalerien gezeigt – er betrachtete sich selbst als einen „Soldaten der Kunst“. Hitler setzte sogar ein Kopfgeld auf ihn aus. 1941 wurden seine Kriegszeit-Zeichnungen in einem Buch namens Die neue Ordnung (New Order) veröffentlicht. Eine andere Kollektion von Zeichnungen Ink & Blood wurde 1946 in einer limitierten Auflage herausgegeben.

Neben seinen Karikaturen illustrierte Szyk ebenfalls das Werk Rubaiyat of Omar Khayyam, das The Book of Job und eine Sammlung von Hans Christian Andersens Märchen. Ein Jahr vor seinem Tod im Jahre 1951 vervollständigte er einen illuminierten Text der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten.


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