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Die Darstellung imaginärer Welten: Literaturlandkarten

Morus_Utopia

Thomas Morus: Utopia (1516)

Jeder Leser kennt das. Liest man ein Buch, so taucht man jedes Mal aufs Neue in eine unbekannte Welt ein, wird an ungeahnte und unglaubliche Orte getragen. Man befindet sich geradezu an einem anderen Ort. Oft bleibt es der Vorstellungskraft des Lesers überlassen, sich diese Welten zu vergegenwärtigen. Es gibt jedoch auch Bücher, die bereits eine topografische Darstellung des imaginierten Raums liefern und dem Leser so einen konkreten Bezugspunkt geben. Die Möglichkeiten der Literatur sind diesbezüglich grenzenlos: Karten können entweder echte Orte, Kombinationen aus fiktiven und realen Orten oder vollständig imaginierte Orte zeigen.

Besonders interessant wird es jedoch dann, wenn sich der fiktive Ort im Nirgendwo befindet und die Beschreibungen des Autors einen idealen, utopischen oder fantastischen Raum beschreiben.

Natürlich ist es auch in diesem Fall dem Leser überlassen, die beschriebene Welt mittels seiner Vorstellungskraft zum Leben zu erwecken. In einigen Fällen helfen dem Leser Literaturkarten. Dabei kann sich der Raum solcher Karten unterschiedlich weit erstrecken: von einer Region oder Stadt bis hin zur Erschaffung einer komplett neuen Welt und ihrer Einteilung.

Moers_Zamonien

Walter Moers: Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär (1999)

Unter Literaturkarten versteht man die kartografischen Darstellungen literarischer Räume. Die Idee, literarische Räume in Karten darzustellen, basiert auf einer langen Tradition. Die ersten Karten imaginärer Schauplätze stammen von den Autoren selbst. Bekannte Beispiele sind Utopia (1516) von Thomas Morus, Die Schatzinsel (1883) von Robert Louis Stevenson oder Der Herr der Ringe (1954/55) von J. R. R. Tolkien. So begleiten die kartografischen Darstellungen die Romane und geben eine Beschreibung der Geografie des literarischen Raums, die sich mit den Vorstellungen des Autors decken.

Aber auch in der neueren Literatur ist der Gebrauch von Karten immer noch üblich. Hier eine bunte Auswahl an literarischen Werken, die mit Karten versehen sind:




Start in das bibliophile Jahr 2014 – 53. Stuttgarter Antiquariatsmesse

Von 24. bis 26. Januar öffnet die Stuttgarter Antiquariatsmesse erneut ihre Tore. Auch dieses Jahr gibt es viele Highlights zu entdecken, von der Luther-Bibel bis zum Struwwelpeter.

Die Messe bietet jedes Jahr Antiquaren, Fachbesuchern und Bibliophilen die Möglichkeit des Austauschs und der Ausstellung – einmalige, seltene und wertvolle Bücher, Graphiken und weitere Druckerzeugnisse werden gezeigt und vorgestellt. Zu den Highlights in diesem Jahr gehören eine illustrierte Luther-Bibel von 1561, “Reisebilder aus dem Orient” und das erste digital hergestellte Buch, das bereits 1886-1887 entstanden ist.

Neben diesen bemerkenswerten Raritäten gibt es aber auch spannende Vorträge, Ausstellungen und Serviceangebote zu erleben. Das ausführliche Programm sowie der Katalog der Messe sind auf der Webseite der Antiquariatsmesse zugänglich.

Hier ein kleiner Vorgeschmack, was Sie erwartet, wenn Sie sich auf dieses bibliophile Erlebnis einlassen:

Eine illustrierte Luther-Bibel aus dem Jahr 1561, "das grandioseste illustrierte Druckwerk in deutscher Sprache"

Eine illustrierte Luther-Bibel aus dem Jahr 1561, “das grandioseste illustrierte Druckwerk in deutscher Sprache”

 

Das "Livre de Prières" wurde vollständig aus silberner und schwarzer Seide gewoben, und zwar mittels des von Jacquard für Webstühle entwickelten Lochkarten-Systems.

Das “Livre de Prières” wurde vollständig aus silberner und schwarzer Seide gewoben, und zwar mittels eines speziell dafür entwickelten Lochkarten-Systems.

 

Hartmann Schedels "Buch der Chroniken und Geschichten", 1493 in Nürnberg gedruckt, illustriert mit über 1800 Holzschnitten.

Hartmann Schedels “Buch der Chroniken und Geschichten”, 1493 in Nürnberg gedruckt, illustriert mit über 1800 Holzschnitten.

 

"Der Struwwelpeter" ist in der zweiten Auflage aus dem Jahr 1846 eine der großen Seltenheiten der Kinderbuch-Literatur.

“Der Struwwelpeter” ist in der zweiten Auflage aus dem Jahr 1846 eine der großen Seltenheiten der Kinderbuch-Literatur.

 

Die Antiquariatsmesse in Kürze:

Wann?

Freitag, 24. Januar: 11 Uhr bis 19.30 Uhr
und
Samstag und Sonntag, 25. und 26. Januar: 11 Uhr bis 18 Uhr

Wo?

Württembergischer Kunstverein (Schlossplatz 2), Stuttgart




Eine besondere Form der Erinnerung: Tree of Codes

schulz-foer-coverGeplant war es mit einem Wörterbuch: einen bestehenden Text so zu verändern, dass eine völlig neue Geschichte entsteht.

Letztendlich hat sich Jonathan Safran Foer aber dann doch an sein Lieblingsbuch herangetraut: Street of Crocodiles von Bruno Schulz, Schriftsteller, Zeichner und AbeBooks Autor des Monats im Januar. Die deutsche Übersetzung heißt Die Zimtläden und ist zuletzt in einer Neuausgabe bei dtv erschienen. Bereits am Titel ist Foers Prinzip zu erkennen, aus Street of Crocodiles wird STREEt OF CrocODilES.

Fein säuberlich hat Foer einzelne Wörter oder ganze Absätze aus dieser englischen Übersetzung im wahrsten Sinne des Wortes herausgeschnitten, sodass ein neuer Text entsteht, der überraschenderweise Sinn ergibt. schulz-foer-innenNatürlich verkürzt dieser künstlerische Akt die Lektüre ungemein – in 30 Minuten hat man das Buch beendet.

Aber diese Leseerfahrung ist unglaublich besonders – die Seiten wirken sehr zerbrechlich, als ob sie jeder Zeit reißen könnten. Wer Bruno Schulz’ Schreibstil kennt, wird diesen im neuen Text sofort wiederfinden, so bewusst hat Foer die übriggebliebenen Wörter zusammengefügt. Deshalb ist dieses Literaturprojekt nicht nur schön anzusehen, sondern auch eine besondere Form der Erinnerung an Bruno Schulz und viele andere jüdische Schriftsteller seiner Zeit.

 




10 Anzeichen dafür, dass du ein echter Buchliebhaber bist

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Falls du 8 der folgenden Aussagen bejahen kannst, bist du ein hoffnungsloser Fall von Buchliebhaberei:

1. Du kannst an keinem Buchladen vorbeigehen, ohne nicht zumindest den Kopf hineinzustecken.

2. Das zu weite Öffnen von Büchern, bis hin zum Brechen des Buchrückens, bereitet dir physische Schmerzen.

3. Auf deinem Nachttisch liegt grundsätzlich IMMER ein Buch.

4. Du könntest Tage damit verbringen, deine Bücher im Regal nach Autor, Farbe, Verlag, etc. zu sortieren.

5. Die Benutzung des Mängelexemplar-Stempels ist für dich ein ungeheuerliches Verbrechen.

6. Umziehen? Kommt nicht in Frage, mit all den Büchern…

7. Eselsecken? Geht gar nicht!

8. Wenn du eine fremde Wohnung betrittst, ist dein erstes Ziel das Bücherregal.

9. Du liebst den Geruch von bedrucktem Papier.

10. Dir gefällt dieser Blogpost.

 

 




Literarisch Reisen Teil 3 – Canterbury

Ich glaube, ich war selten so schlecht vorbereitet wie vor meiner Reise nach Canterbury. Das war aber ganz bewusst so, denn es ist viel schöner, eine Stadt mit jemandem zu erkunden, der bereits dort wohnt.

Blick über Canterbury, links die älteste Kirche Englands.

Blick über Canterbury, links die älteste Kirche Englands.

Was fällt Euch zu Canterbury spontan ein? Gehört hat den Namen bestimmt jeder schon mal. Der Erzbischof von Canterbury ist das Oberhaupt der Kirche von England, die gotische Kathedrale ist seit 1988 Weltkulturerbe und die Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer geben dem Ganzen die nötige literarische Würze.

Chaucers "Canterbury Tales", hier eine Detailansicht aus einer Ausgabe von 1946.

Chaucers “Canterbury Tales”, hier eine Detailansicht aus einer Ausgabe von 1946.

Diese kann man in einer Art Märchenwald in der Innenstadt von Canterbury nachempfinden, und auch sonst sind die berühmten Tales und ihr Autor hier allgegenwärtig. Trotzdem war das für mich mal eine eher faule literarische Reise; kein strenger “Ich-muss-alles-sehen-und-fotografieren” Tourismus, sondern ein ruhiges (und verregnetes), vorweihnachtliches Erlebnis, das hauptsächlich mit Buchläden aller Art zu tun hatte.

Chaucer ist überall!

Chaucer ist überall!

Obwohl Deutschland viele schöne Buchläden hat, ist das in England für mich noch immer was anderes. Ein Besuch bei Waterstone’s muss zum Beispiel immer sein – denn hier dreht sich alles wirklich nur ums Buch und um nichts anderes. Außerdem liebe ich es, in Oxfam Buchläden zu gehen. Hier findet man nicht nur zum Teil wunderschöne Ausgaben für einen tollen Preis, sondern gibt sein Geld beim Kauf automatisch für einen guten Zweck aus. Zur Zeit werden beispielsweise Spenden für die Taifunopfer auf den Philippinen gesammelt. Da ist es gut zu wissen, dass Oxfam sich auch hier in Deutschland langsam verbreitet. Einige Oxfam Bookshops sind auch AbeBooks-Partner, wie zum Beispiel Oxfam Broomhill in Sheffield.

Antiquarische Schätze im Waterstone's

Antiquarische Schätze im Waterstone’s

Um  nochmal zurück zur Stadt zu kommen, hier mein Fazit: Canterbury kann ich allen ans Herz legen, die es nicht allzu groß mögen, aber trotzdem geschichtsbewusste Orte zu schätzen wissen. In vielen Tea Rooms kann man die Geschichte der Häuser nachlesen, die zum Teil bis ins 17. Jahrhundert zurückgehen und meist Geister und andere Spukgeschichten beinhalten. So erlebt jeder seine ganz eigene Canterbury Tale!

Julia




Was ist eigentlich…

… Backfischliteratur?
Für alle, die es nicht wissen, werden die folgenden Cover zur Klärung des Rätsels beitragen.

Titti-der-Backfisch

Ruscha-die-kleine-Polin

“Ruscha, die kleine Polin” von Marga Rayle

An-des-Lebens-Pforte

“An des Lebens Pforte” von Elisabeth Halden

Nesthaeckchens-Backfischzeit

“Nesthäckchens Backfischzeit” von Else Ury

Korsetts

Verkaufskatalog der Firma für Büstenhalter, Frauen und Backfisch

Trotzkopfs-Brautzeit

“Trotzkopfs Brautzeit” von Else Wildhagen

Gerti-als-Backfisch

“Gerti als Backfisch” von Clara Schleper




Das seltsamste Buch der Welt in neuer Ausgabe

Codex Innen

Bereits seit der Erstausgabe des Codex Seraphinianus aus dem Jahre 1981 fragen wir Leser uns, was der italienische Künstler Luigi Serafini uns mit diesem wunderbar verrückten Buch sagen will. Kryptische Schriftzeichen, die bis heute noch niemand entziffern konnte, und ungewöhnliche Bilder wechseln sich in diesem seltsamsten Buch der Welt ab. Das Buch ist in neuen Versionen und verschiedenen Sprachen immer wieder neu aufgelegt worden – so auch dieses Jahr: Diese Ausgabe wurde vom Autor neu gestaltet und mit komplett neuen Illustrationen versehen.

Mehr Informationen und Bilder findet Ihr im AbeBooks-Special zum Thema.




Buchpilgrimage – Teil 10

Gratulation, Herr Heeke! Pünktlich zur gestrigen Lesung auf der Frankfurter Buchmesse hat sich der Buchpilger nach wochenlangem Wandern an seinem Stand eingefunden, wie auch seiner Facebook-Seite zu entnehmen war.

Wir freuen uns, dass er unbeschadet angekommen ist und erwarten bereits die nächste interessante Aktion zur Buchmesse 2014!

Buchmesse

 




Buchpilgrimage – Teil 9

Wer mag das schon – überfüllte Züge und Autobahnen auf dem Weg zur Frankfurter Buchmesse – jedes Jahr ist es das Gleiche. Nicht für Rainer Heeke, AbeBooks Partnerantiquar und Buchliebhaber: Er wandert in fünf Wochen von der Bücherstadt Bredevoort (NL) zur Frankfurter Buchmesse, um das von ihm herausgegebene Buch die praktikantin, le bookinist & de boekenstad in die Welt zu tragen. Im AbeBooks Blog berichtet er regelmäßig von seinen Stationen, denn wie heißt es noch so schön: Der Weg ist das Ziel!

Wie schnell doch die Zeit vergeht; eine weitere Pilgerwoche ist bereits vergangen. Die Spanunng steigt: Hat Rainer Heeke es pünktlich zur heutigen Eröffnung der Buchmesse geschafft?

Nun aber zunächst ein Blick zurück:

1.10.:27

lustlos liegt der stock in der hand.
welche rheinseite?
einfach nur uferpromenade.
keine steigung, kein fels.
tock tock.
lustlos stochert er auf  gehwegplatten + teer,
tock tock tock

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Buchpilgrimage – Teil 8

Wer mag das schon – überfüllte Züge und Autobahnen auf dem Weg zur Frankfurter Buchmesse – jedes Jahr ist es das Gleiche. Nicht für Rainer Heeke, AbeBooks Partnerantiquar und Buchliebhaber: Er wandert in fünf Wochen von der Bücherstadt Bredevoort (NL) zur Frankfurter Buchmesse, um das von ihm herausgegebene Buch die praktikantin, le bookinist & de boekenstad in die Welt zu tragen. Im AbeBooks Blog berichtet er regelmäßig von seinen Stationen, denn wie heißt es noch so schön: Der Weg ist das Ziel!

 

Die letzte Woche beim Wanderbookinisten sah so aus:

unter des rucksacklast steil bergauf keuchen.
völlig ausser puste oben am drachenfels.
aussicht auf sieben berge + rhein
verschwitzt im pulk von sonntagsausflüglern.

schweigen im walde.
durch das siebengebirge irren, bergauf + bergab
es dämmert.
wo finde ich ein nachtquartier?
eine lichtung. mucher wiesenhof.
für den pilger ist noch 1 Zimmer frei.
mangoldsuppe aus dem eigenen garten.
brot selbst gebacken, käse, wein.
ein kätzchen auf der bank.
schafe blöken, käuzchen, schreien, kassiopeia im nachtgewölk.
was für ein wunderlicher ort!

waldeslust. mit den Vögeln zwitschern,
wanderstab voran.
rheinsteig hinauf, Puls schnellt in die höhe.
blätterrauschen. eifelblick.

alpha an tower.
verirrt im westerwald.
pilger stolpert + stürzt.
der monz.
rieslingspause am römerturm – ohne römerturm.
dann weiter via limes nach mon report. prost.

heilpflanzen am wegesrand.
beinwell.
die grossen blätter mit den kleinen glöckchen.
gut für die durchblutung der beine.
wir sehen schon, wie schön sich die blätter verfärben.
zum hirschcarpaccio bitte ein bischen beinwell mit sauerampfer.