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Amos Oz, einer der bedeutendsten Schriftsteller Israels, tritt für eine Versöhnung mit den Palästinensern
ein. Sein Rezept gegen den Fanatismus: Humor.
Amos Oz' Essay mit dem Titel Wie man einen Fanatiker kuriert ist dieser Tage in Israel und Palästina
aktueller denn je. In dem Vortrag, den er im Januar an der Evangelischen Akademie Tutzing hielt, setzte Oz sich
mit dem Wesen des Fanatismus auseinander. Die gegenwärtige Krise nach dem 11. September sei eine Schlacht zwischen
Fanatikern einerseits und dem Rest der Menschheit, der nicht glaube, dass der Zweck alle Mittel heilige.
"Die Kur wäre der Humor. Ich habe nämlich noch nie einen Fanatiker mit einem Sinn für Humor gesehen ", sagte Oz.
Auch wenn man den Fanatismus nicht besiegen könne, könne man ihn doch zurückdrängen. "Die Fähigkeit,
über sich selbst zu lachen, führt teilweise zur Heilung."
Wie Oz selbst, der sich als "Fachmann für vergleichenden Fanatismus" bezeichnet, setzt sich auch seine Romanfigur
Professor Alexander Gideon in Black Box in seinen wissenschaftlichen Arbeiten mit diesem Thema auseinander.
Der Roman rekonstruiert in Briefen und Telegrammen das Scheitern der Ehe von Alexander und seiner Frau Ilona, die
jetzt mit einem rechtsgerichteten Nationalisten verheiratet ist.
Amos Oz ist aktiv in der linken Friedensbewegung, die unter dem Motto 'Land gegen Frieden' für einen Rückzug aus
den besetzten Gebieten plädiert. Er ist überzeugt, dass die einzige realistische Möglichkeit für die Zukunft der Menschen
in Israel und Palästina die Zwei-Staaten-Lösung ist. Für diesen Kompromiss setzt er sich in seinen Zeitungsartikeln,
Vorträgen und Essays ein.
"Wir wollen immer das, was wir nicht haben."
Geboren wurde der Schriftsteller 1939 als Amos Klausner in Jerusalem. Seine Familie war einige Jahre zuvor aus
Russland und Polen eingewandert. Aus Protest gegen seinen Vater und andere Mitglieder seiner Familie, die militante
Zionisten waren, verließ er im Alter von 15 Jahren sein Elterhaus, um in einem Kibbuz zu leben.
Fast 30 Jahre blieb er dort, gründete eine Familie und beschloss erst 1986, den Kibbuz zu verlassen. Oz bezeichnet
diese Zeit als die wichtigste in seinem Leben, dort habe er mehr über Menschen erfahren, als irgendwo sonst. Die
Widersprüche zwischen der Ideologie und dem gelebtem Alltag traten im Kibbuz offen zutage. Sie sind wohl Teil der
menschlichen Natur, glaubt Oz. "Wir wollen immer das, was wir nicht haben."
Seine Kibbuz-Erfahrungen hat er in seinem Roman Ein anderer Ort verarbeitet. Darin erzählt er von den Bewohnern
eines Kibbuz zu Beginn der sechziger Jahre an der nördlichen Grenze Israels. Auf den ersten Blick erscheint er als ein
kleines Paradies auf Erden. Doch die Idylle wird bedroht: von den feindlichen Stellungen, die in den Bergen lauern,
und aus sich selbst heraus. Hinter der oberflächlichen Harmonie tun sich Spannungen auf, verstricken sich die Menschen
in verquere Liebesverhältnisse, werden ideologische Differenzen ausgetragen.
In seinen Romanen schreibt Amos Oz über Familienverhältnisse und Beziehungen, die er immer wieder mit den politischen
Verhältnissen im Land verflicht. Seine literarische Arbeit könne man in einem Satz zusammenfassen, sagte Oz in einem
Interview: "Ich schreibe über Familien. Die Familie ist die mysteriöseste, die surrealistischste, die politisch
komplizierteste Institution der Welt."
Christine Illy
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