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Gustave Flaubert: Madame Bovary

Gustave Flaubert: Ein Ringen um jedes Wort

Gustave Flaubert zählt neben Balzac, Stendhal und Zola zu den bedeutendsten französischen Autoren des 19. Jahrhunderts. Geboren im Dezember 1821 in Rouen, studierte Flaubert auf Geheiß seines Vaters Jura in Paris, brach sein Studium aber nach mehreren Jahren ab, weil er an einer Nervenkrankheit litt. Nachdem er bereits in seiner Kindheit schriftstellerische Versuche unternommen hatte, arbeitete Flaubert zwischen 1851 und 1857 an dem Roman Madame Bovary, der ihm den literarischen Durchbruch bescherte.

Nachdem Freunde ihn für die erste Fassung von Die Versuchung des heiligen Antonius kritisiert hatten, wählte Flaubert mit Madame Bovary, ein alltägliches Thema. Der Landarzt Charles Bovary heiratet nach einer tristen Zweckehe mit Héloise, die unerwartet stirbt, die junge und attraktive Bauerntochter Emma Rouault. Diese hat sich während ihrer Jugend im Kloster die Wunschvorstellung eines Lebens voller "Glück, Leidenschaft und Trunkenheit" angelesen. In ihrer eintönigen und spannungslosen Ehe jedoch findet sie ihren romantischen Traum nicht bestätigt und langweilt sich bald. Ihr Mann hingegen fühlt sich das erste Mal in seinem Leben glücklich. Ein Ball auf einem Schloss versetzt Emma kurzfristig in die ersehnte glanzvolle Welt, doch zurückgekehrt in ihren Alltag beginnt sie zu kränkeln. Bald darauf geht sie mit Rodolphe und daraufhin mit Léon ein Verhältnis ein.

Flaubert handelte sich durch die minutiöse Schilderung des Ehebruches ein Strafverfahren ein, wurde aber aufgrund eines ausgezeichneten Plädoyers seines Anwaltes freigesprochen. Zur Weltliteratur wird Madame Bovary aber nicht wegen seiner Thematik gezählt, sondern wegen seiner radikalen Abwendung von der vorherrschenden Erzählweise. Der Erzähler soll wie "Gott im Universum überall gegenwärtig, nirgends sichtbar" sein. Um die Gedanken seiner Figuren ironisch bloßzulegen, benutzt Flaubert die "erlebte Rede", eine Zwischenform aus von direkter und indirekter Rede. Im Gegensatz zu anderen Romanen mit ähnlicher Thematik wie Fontanes Effi Briest, stellt Flaubert nicht den Konflikt der Hauptperson mit der gesellschaftlichen Norm dar. Vielmehr gilt sein Interesse dem Unvermögen Emmas, zwischen ihrem Leben und ihren durch die Literatur angeregten Wunschvorstellungen zu differenzieren. Flaubert gelang mit dieser neuen Erzählweise ein entscheidender Schritt in der Abwendung von der Romantik hin zur Entwicklung des modernen Romans.

1862 konnte Flaubert mit dem historischen Roman Salammbo an den Erfolg von Madame Bovary anknüpfen. Beschrieben wird eine Episode aus den Kämpfen zwischen Rom und Karthago, wozu der Autor Erfahrungen seiner 1850 unternommenen Reise in den Vorderen Orient nutzte. Flaubert nutzte historische Quellen und reiste 1858 nach Tunesien. In Salammbo werden grausame Schlachten, Riten alter Religionen und faszinierende Landschaften geschildert. Einzelheiten des Geschehens werden aus der Perspektive des unbeteiligten Betrachters dargestellt. Mit Salammbo ist eine Hinwendung Flauberts zu historischen Stoffen zu bemerken, die vor allem um eine objektive Darstellung und wissenschaftliche Genauigkeit bemüht ist. Als Ideale für seine Erzählhaltung gelten Flaubert "Unpersönlichkeit" und "leidenschaftslose Darstellung", wobei dem Stil eine große Bedeutung beigemessen wird. Flauberts Briefe dokumentieren, dass der Autor tagelang in selbstquälerischer Arbeit um einzelne Formulierungen rang.

Evelyn Chamrad
 
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