Die Entwicklung einer richtigen Beschreibung der lebendigen Welt ist heute eine der größten Herausforderungen für die Physik. Eine Vielzahl neuer experimenteller Techniken in der Molekularbiologie, Mikrobiologie, Physiologie und anderen Bereichen der biologischen Forschung erweitern ständig unser Wissen und ermöglichen es uns, immer detailliertere funktionelle und strukturelle Beschreibungen zu erstellen. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Menge und Komplexität der verfügbaren Informationen dramatisch vervielfacht, während gleichzeitig unser grundlegendes Verständnis der Natur von Regulation, Verhalten, Morphogenese und Evolution in der lebenden Welt nur bescheidene Fortschritte gemacht hat. Ein wesentliches Hindernis ist eindeutig der richtige Umgang mit den verfügbaren Daten. Dies erfordert eine stärkere Betonung der mathematischen Modellierung, durch die die Konsistenz der angenommenen Erklärungen überprüft und allgemeine Prinzipien extrahiert werden können. Als noch ernsthafteres Problem scheint jedoch, dass die richtigen physikalischen Konzepte für die Entwicklung einer theoretisch orientierten Biologie bisher nicht verfügbar waren. Klassische Mechanik und Gleichgewichts-Thermodie-Namik zum Beispiel sind in einigen der essen tialen biologischen Kontexte unangemessen und nutzlos. Glücklicherweise gibt es jetzt überzeugende Beweise dafür, dass die Konzepte und Methoden der neu entwickelten Felder der nichtlinearen Dynamik und der Theorie komplexer Systeme, kombiniert mit irreversibler Thermodynamik und statistischer Mechanik, die weit vom Gleichgewicht entfernt sind, es uns ermöglichen werden, viele dieser Probleme zu lösen.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.