Uncollected Poems: Bilingual Edition - Softcover

Rilke, Rainer Maria; Snow, Edward A.

 
9780865475137: Uncollected Poems: Bilingual Edition

Inhaltsangabe

Between the New Poems of 1907 and 1908 and his death in 1926, Rainer Maria Rilke published only two major volumes of poetry--the Duino Elegies and the Sonnets to Orpheus, both in 1923. But during this period he was writing verse continually, often prolifically--in letters, in guest books, in presentation copies, and chiefly in the pocket-books he always carried with him. This body of uncollected work exceeds five hundred pieces: finished poems of great poise and brilliance, headlong statements that hurtle through their subjects, haunting "fragments," and short bursts that arc into the unpursuable. A remarkable number of them are among Rilke's finest poems.

Snow's selection of more than a hundred of these little-known works distills the best of the uncollected poetry while offering a wide enough choice to convey Rilke's variety and industry during the years he wrote them. Uncollected Poems will lead students, scholars, and other readers to a fresh--and more accurate--understanding of this great poet's life and work.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Edward Snow has received the Harold Morton Landon Translation Award and the PEN Award for Poetry in Translation for his many renderings of Rilke. The author of A Study of Vermeer and Inside Breughel, he teaches at Rice University.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Uncollected Poems

Bilingual Edition

By Rainer Maria Rilke, Edward Snow

Farrar, Straus and Giroux

Copyright © 2015 Rainer Maria Rilke
All rights reserved.
ISBN: 978-0-86547-513-7

CHAPTER 1

    Vergiß, vergiß und laß uns jetzt nur dies
    erleben, wie die Sterne durch geklärten
    Nachthimmel dringen; wie der Mond die Gärten
    voll übersteigt. Wir fühlten längst schon, wies
    spiegelnder wird im Dunkel; wie ein Schein
    entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz
    der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz
    hinübertreten in die Welt hinein
    die monden ist —


    Sag weißt du Liebesnächte? Treiben nicht
    auf deinem Blut Kelchblätter weicher Worte?
    Sind nicht an deinem lieben Leibe Orte,
    die sich entsinnen wie ein Angesicht?


    Scharfer Burgbruch, alter Unterkiefer
    ausgehenkt aus dem Gebiß der Zeit
    ...............
    Wann ist die Zeit, die diese Dinge mindert?
    Ich wartete: doch nie zerbrach ein Stein.


    MONDNACHT

    Weg in den Garten, tief wie ein langes Getränke,
    leise im weichen Gezweig ein entgehender Schwung.
    Oh und der Mond, der Mond, fast blühen die Bänke
    von seiner zögernden Näherung.

    Stille, wie drängt sie. Bist du jetzt oben erwacht?
    Sternig und fühlend steht dir das Fenster entgegen.
    Hände der Winde verlegen
    an dein nahes Gesicht die entlegenste Nacht.


JUDITH'S RÜCKKEHR

Schläfer, schwarz ist das Naß noch an meinen Füßen, ungenau. Tau sagen sie. / Ach, daß ich Judith bin, herkomme von ihm, aus dem Zelt aus dem Bett, austriefend sein Haupt, dreifach trunkenes Blut. Weintrunken, trunken vom Räucherwerk, trunken von mir — und jetzt nüchtern wie Tau. / Niedrig gehaltenes Haupt über dem Morgengras; ich aber oben auf meinem Gang, ich Erhobene. / Plötzlich leeres Gehirn, abfließende Bilder ins Erdreich; mir aber quillend ins Herz alle Breite der Nach-Tat. / Liebende, die ich bin. / Schrecken trieben in mir alle Wonnen zusamm, an mir sind alle Stellen. / Herz, mein berühmtes Herz, schlag an den Gegenwind: wie ich geh, wie ich geh / und schneller die Stimme in mir, meine, die rufen wird, Vogelruf, vor der Not-Stadt.


    AN LOU ANDREAS-SALOMÉ

    [I]

    Ich hielt mich überoffen, ich vergaß,
    daß draußen nicht nur Dinge sind und voll
    in sich gewohnte Tiere, deren Aug
    aus ihres Lebens Rundung anders nicht
    hinausreicht als ein eingerahmtes Bild;
    daß ich in mich mit allem immerfort
    Blicke hineinriß: Blicke, Meinung, Neugier.

      Wer weiß, es bilden Augen sich im Raum
    und wohnen bei. Ach nur zu dir gestürzt,
    ist mein Gesicht nicht ausgestellt, verwächst
    in dich und setzt sich dunkel
    unendlich fort in dein geschütztes Herz.

    [II]

    Wie man ein Tuch vor angehäuften Atem,
    nein: wie man es an eine Wunde preßt,
    aus der das Leben ganz, in einem Zug,
    hinauswill, hielt ich dich an mich: ich sah,
    du wurdest rot von mir. Wer spricht es aus,
    was uns geschah? Wir holten jedes nach,
    wozu die Zeit nie war. Ich reifte seltsam
    in jedem Antrieb übersprungner Jugend,
    und du, Geliebte, hattest irgendeine
    wildeste Kindheit über meinem Herzen.

    [III]

    Entsinnen ist da nicht genug, es muß
    von jenen Augenblicken pures Dasein
    auf meinem Grunde sein, ein Niederschlag
    der unermeßlich überfüllten Lösung.

    Denn ich gedenke nicht, das, was ich bin
    rührt mich um deinetwillen. Ich erfinde
    dich nicht an traurig ausgekühlten Stellen,
    von wo du wegkamst; selbst, daß du nicht da bist,
    ist warm von dir und wirklicher und mehr
    als ein Entbehren. Sehnsucht geht zu oft
    ins Ungenaue. Warum soll ich mich
    auswerfen, während mir vielleicht dein Einfluß
    leicht ist, wie Mondschein einem Platz am Fenster.


    Perlen entrollen. Weh, riß eine der Schnüre?
    Aber was hülf es, reih ich sie wieder: du fehlst mir,
    starke Schließe, die sie verhielte, Geliebte.

    War es nicht Zeit? Wie der Vormorgen den Aufgang,
    wart ich dich an, blaß von geleisteter Nacht;
    wie ein volles Theater, bild ich ein großes Gesicht,
    daß deines hohen mittleren Auftritts
    nichts mir entginge. O wie ein Golf hofft ins Offne
    und vom gestreckten Leuchtturm
    scheinende Räume wirft; wie ein Flußbett der Wüste,
    daß es vom reinen Gebirg bestürze, noch himmlisch, der Regen, —
    wie der Gefangne, aufrecht, die Antwort des einen
    Sternes ersehnt, herein in sein schuldloses Fenster;
    wie einer die warmen
    Krücken sich wegreißt, daß man sie hin an den Altar
    hänge, und daliegt und ohne Wunder nicht aufkann:
    siehe, so wälz ich, wenn du nicht kommst, mich zu Ende.

    Dich nur begehr ich. Muß nicht die Spalte im Pflaster,
    wenn sie, armsälig, Grasdrang verspürt: muß sie den ganzen
    Frühling nicht wollen? Siehe, den Frühling der Erde.
    Braucht nicht der Mond, damit sich sein Abbild im Dorfteich
    fände, des fremden Gestirns große Erscheinung? Wie kann
    das Geringste geschehn, wenn nicht die Fülle der Zukunft,
    alle vollzählige Zeit, sich uns...

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