Christoph Ransmayr begann seine literarische Arbeit als Kulturredakteur und Reporter. Er schrieb seine ersten Artikel für die österreichische Monatszeitschrift Extrablatt, später für Merian oder Geo, und vor allem für TransAtlantik. Aus der großen Zahl dieser Arbeiten hat Ransmayr jetzt die wichtigsten Stücke ausgewählt und mit sechs Beispielen kleiner Prosa zur vorliegenden Sammlung zusammengefaßt. Der Weg nach Surabaya zeichnet damit auch eine schriftstellerische Entwicklungsgeschichte nach, den Aufbruch eines großen Autors. Ob Ransmayr in seinen Reportagen vom Bau der Staumauern von Kaprun erzählt, von Häftlingskolonnen und Zwangsarbeit inmitten österreichischer Idyllen, von einer Wallfahrt zur letzten Kaiserin Europas und dem mühsamen Leben auf den Halligen des Nordfriesischen Wattenmeeres - oder ob er den Leser seiner kleinen Prosa in das Labyrinth von Knossos versetzt, auf die Ladefläche eines Lastwagen in Ostjava oder in die erloschene Pracht der indischen Ruinenstadt Fatehpur: stets verbindet er die scheinbare Leichtigkeit seines Erzählens mit einem wachen Blick für die Gegenwart und einer seltenen sprachlichen Perfektion.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wels/Oberösterreich geboren und lebt nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder in Wien. Neben seinen Romanen »Die Schrecken des Eises und der Finsternis«, »Die letzte Welt«, »Morbus Kitahara«, »Der fliegende Berg«, »Cox oder Der Lauf der Zeit«, »Der Fallmeister. Eine kurze Geschichte vom Töten« und dem »Atlas eines ängstlichen Mannes« erscheinen Spielformen des Erzählens, darunter »Damen & Herren unter Wasser«, »Geständnisse eines Touristen«, »Der Wolfsjäger« (gemeinsam mit Martin Pollack) und »Arznei gegen die Sterblichkeit«. 2022 erschien die Sammlung von Gedichten und Balladen »Unter einem Zuckerhimmel« (illustriert von Anselm Kiefer), 2024 der Erzählband »Als ich noch unsterblich war« sowie der Band »Egal wohin, Baby« mit Fotografien des Autors. Zum Werk Christoph Ransmayrs erschien der Band »Bericht am Feuer«. Für seine Bücher, die in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, unter anderem die nach Friedrich Hölderlin, Franz Kafka, Bertolt Brecht und Heinrich von Kleist benannten Literaturpreise, den Premio Mondello und, gemeinsam mit Salman Rushdie, den Prix Aristeion der Europäischen Union, den Prix du meilleur livre étranger und den Prix Jean Monnet de Littérature Européenne, zuletzt im Jahr 2023 den südkoreanischen Park-Kyung-ni-Preis.
Literaturpreise:
Anton-Wildgans Preis der österreichischen Industrie (1989), Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992), Franz-Kafka-Preis (1995), Franz-Nabl-Preis der Stadt Graz (1996), Aristeion-Preis der Europäischen Union (1996, gemeinsam mit Salman Rushdie), Solothurner Literaturpreis (1997), Premio Letterario Internazionale Mondello (1997), Landeskulturpreis für Literatur des Bundeslandes Oberösterreich (1997), Friedrich Hölderlin Preis der Stadt Bad Homburg (1998), Nestroy-Preis (Bestes Stück - Autorenpreis) für »Die Unsichtbare« (2001), Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg (2004), Heinrich-Böll-Preis (2007), Premio Itas (2009), Premio La voce dei lettori (2009), Premio Gambrinus (2010), Ernst-Toller-Preis (2013), Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau (2013), Franz-Josef-Altenburg-Preis (2014), Donauland Sachbuchpreis (2014), Fontane-Preis für Literatur (2014), Prix Jean Monnet de Littératures Européennes (2015), Prix du Meilleur livre étranger (2015), Marieluise-Fleißer-Preis (2017), Würth-Preis für Europäische Literatur (2018), Kleist-Preis (2018), Nominierung für den Man Booker International Prize (2018), Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten (2018), Ludwig-Börne-Preis (2020), Premio Navicella d'Oro der Società Geografica Italiana (2023), Park-Kyung-ni-Literaturpreis (2023)
Es war ein dünner, panischer Gesang. Wenn das Gebirge leiser wurde, schwächer die Windstöße über den Geröllhalden und Felsabstürzen und eine emporrauchende Nebelwand auch das Getöse der Großbaustelle Limberg zu einem fernen Dröhnen dämpfte, dann hörte man diesen Gesang. Es war das Todesgeschrei der Ratten. Naß, zerzaust, in schwarzen Scharen waren die Ratten aus den Ruinen des Arbeiterlagers am Wasserfallboden gekrochen, aus den ins Gestein gesprengten Latrinen, Abfallgruben und Stollen, und hatten sich vor der Flut zu retten versucht. Wochenlang, heißt es, hielten sie einen Felskegel besetzt, eine täglich kleiner werdende Insel, und pfiffen und schrien ihr Entsetzen gegen das schon unerreichbare Ufer, kletterten immer höher, kämpften um jeden Halt ihrer verschwindenden Zuflucht, fielen schließlich übereinander her. Langsam und trübe stieg die Flut ihnen nach. Das Gletscherwasser füllte alle Gruben und Hohlräume aus, drängte in jede Falte des Hochtales, hob liegengebliebenes Bauholz, Balken, Gerüstteile auf und schloß sich über allem, was sich nicht heben ließ. Der Spiegel des Limbergstausees, hoch über Kaprun und sechzehnhundert Meter über dem Meer, stieg ruhig, träge, stieg, überspülte schließlich die Zuflucht der Ratten und wusch den Stein leer.
Gewiß, dieser Untergang ist nur ein marginales Bild aus der Baugeschichte der drei großen Staumauern von Kaprun, eine Beiläufigkeit aus der Zeit des ersten Anstaus zu Limberg 1949 und 1950, und ist nichts gegen die Tragödien und Triumphe, die man in den Jahren der Errichtung der weit in die Hohen Tauern verstreuten Anlagen des Speicherkraftwerkes Glockner-Kaprun beklagt und gefeiert hat. Dennoch fehlt die Erinnerung an den Untergang der Ratten in kaum einem Bericht und keiner Zeugenaussage derer, die damals an den Mauern geplant und gelitten haben. Einmal hämisch ausgeschmückt und dann wieder als karge, apokalyptische Parabel erschien dieser Untergang immer wieder in der Überlieferung. Als bloße Karikatur einer Katastrophe eignete er sich vielleicht auch wie kaum ein anderes Bild zur Illustration jener verborgenen Angst, die dem Anblick von Staudämmen als Makel anhaftet --der Angst vor der Flutwelle, die nach dem Bersten der Limbergsperre hoch wie ein Dom die langen Stufen des Kapruner Tales hinabspringen würde. Innerhalb von zwanzig Minuten - man hat auch das »Undenkbare« längst an Modellen im Maßstab eins zu hundert geprobt - würde die ungeheure Welle das am Talausgang liegende Dorf erreichen, darüber hinwegrasen, dann in das Salzachtal hinausfluten und nichts hinter sich lassen als Schutt und einen großen Morast.
Aber in Kaprun, heißt es, fürchte sich schon lange keiner mehr. In den drei Jahrzehnten, die seit der Krönung der Kapruner Talsperren vergangen sind - der 120 Meter hohen und 357 Meter langen Limbergsperre, die den Stausee am Wasserfallboden hält, und der ähnlich mächtigen Drossen- und Moosersperre, zwei durch einen Felskegel voneinander getrennte Mauern, die den im höchsten und letzten Ausläufer des Tales auf zweitausend Meter gelegenen Stausee Mooserboden dicht unter die Gletscher zwingen -, in diesen drei Jahrzehnten also haben die Inklinatoren, die Teleformeter, Sammelglocken, Klinometer, Pegel und Pendel, haben Hunderte in die Dämme eingemauerte Kontrollvorrichtungen keinen Wert angezeigt, der Furcht bestätigt oder gar einen Alarm ausgelöst hätte. Daß für die Stunde des Undenkbaren nach wie vor acht Sirenenwagen bereitstehen, daß auf einer Almwiese im Ortsteil Lehen, unerreichbar für die Flutwelle, nach wie vor ein weißgekalktes Häuschen instand gehalten wird, das dem Bürgermeister und der Exekutive in dieser Stunde als Kommandostand dienen soll, und daß schließlich auch der Flutwellenalarm nach wie vor und regelmäßig geübt wird, ist bloß Vorschrift und Routine. Im Kapruner Tal ist das Vertrauen in die Technik groß wie die Staumauern selbst: Die Alarmübungen bleiben stets auf wenige Eingeweihte beschränkt, von den Sirenen wird auch probeweise kein Gebrauch gemacht, kein Laut soll die Touristen beunruhigen, und die Hinweistafeln für das Verhalten im Ernstfall sind längst aus dem Ortsbild verschwunden. Alle nötigen Anweisungen wurden auf diskrete Flugblätter gedruckt und an die Kapruner Haushalte verschickt. Dort vergilben sie jetzt. Das ist alles. Es herrscht Ruhe im Tal.
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Anbieter: AwesomeBooks, Wallingford, Vereinigtes Königreich
hardcover. Zustand: Very Good. Der Weg nach Surabaya: Reportagen und kleine Prosa This book is in very good condition and will be shipped within 24 hours of ordering. The cover may have some limited signs of wear but the pages are clean, intact and the spine remains undamaged. This book has clearly been well maintained and looked after thus far. Money back guarantee if you are not satisfied. See all our books here, order more than 1 book and get discounted shipping. . Bestandsnummer des Verkäufers 7719-3100629167
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Ammareal, Morangis, Frankreich
Hardcover. Zustand: Très bon. Ancien livre de bibliothèque avec équipements. Ammareal reverse jusqu'à 15% du prix net de cet article à des organisations caritatives. ENGLISH DESCRIPTION Book Condition: Used, Very good. Former library book. Ammareal gives back up to 15% of this item's net price to charity organizations. Bestandsnummer des Verkäufers H-410-089
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Bahamut Media, Reading, Vereinigtes Königreich
hardcover. Zustand: Very Good. Shipped within 24 hours from our UK warehouse. Clean, undamaged book with no damage to pages and minimal wear to the cover. Spine still tight, in very good condition. Remember if you are not happy, you are covered by our 100% money back guarantee. Bestandsnummer des Verkäufers 6545-3100629167
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: acceptable. Ausreichend/Acceptable: Exemplar mit vollständigem Text und sämtlichen Abbildungen oder Karten. Schmutztitel oder Vorsatz können fehlen. Einband bzw. Schutzumschlag weisen unter Umständen starke Gebrauchsspuren auf. / Describes a book or dust jacket that has the complete text pages (including those with maps or plates) but may lack endpapers, half-title, etc. (which must be noted). Binding, dust jacket (if any), etc may also be worn. Bestandsnummer des Verkäufers M03100629167-B
Anzahl: 2 verfügbar
Anbieter: Bookbot, Prague, Tschechien
Hardcover. Zustand: As New. Christoph Ransmayr begann seine literarische Arbeit als Kulturredakteur und Reporter. Er schrieb seine ersten Artikel für die österreichische Monatszeitschrift Extrablatt, später für Merian oder Geo, und vor allem für TransAtlantik. Aus der großen Zahl dieser Arbeiten hat Ransmayr jetzt die wichtigsten Stücke ausgewählt und mit sechs Beispielen kleiner Prosa zur vorliegenden Sammlung zusammengefaßt. Der Weg nach Surabaya zeichnet damit auch eine schriftstellerische Entwicklungsgeschichte nach, den Aufbruch eines großen Autors. Ob Ransmayr in seinen Reportagen vom Bau der Staumauern von Kaprun erzählt, von Häftlingskolonnen und Zwangsarbeit inmitten österreichischer Idyllen, von einer Wallfahrt zur letzten Kaiserin Europas und dem mühsamen Leben auf den Halligen des Nordfriesischen Wattenmeeres - oder ob er den Leser seiner kleinen Prosa in das Labyrinth von Knossos versetzt, auf die Ladefläche eines Lastwagen in Ostjava oder in die erloschene Pracht der indischen Ruinenstadt Fatehpur: stets verbindet er die scheinbare Leichtigkeit seines Erzählens mit einem wachen Blick für die Gegenwart und einer seltenen sprachlichen Perfektion. Bestandsnummer des Verkäufers a0c7611a-7d0e-4e55-8a81-88b39edeba0b
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten. / Describes the average WORN book or dust jacket that has all the pages present. Bestandsnummer des Verkäufers M03100629167-G
Anzahl: 9 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: very good. Gut/Very good: Buch bzw. Schutzumschlag mit wenigen Gebrauchsspuren an Einband, Schutzumschlag oder Seiten. / Describes a book or dust jacket that does show some signs of wear on either the binding, dust jacket or pages. Bestandsnummer des Verkäufers M03100629167-V
Anzahl: 10 verfügbar
Anbieter: GreatBookPrices, Columbia, MD, USA
Zustand: As New. Unread book in perfect condition. Bestandsnummer des Verkäufers 7340234
Anzahl: 6 verfügbar
Anbieter: Antiquariat Armebooks, Frankfurt am Main, Deutschland
Gebundene Ausgabe. Zustand: Wie neu. 240 Seiten S. Fischer - 2. Auf. 1997 . Christoph Ransmayr - gb 234s. EH-R3WJ-JLLZ Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 390. Bestandsnummer des Verkäufers 55901
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Barksdale Books, Almere, Niederlande
Zustand: Good. Bestandsnummer des Verkäufers 258452
Anzahl: 1 verfügbar