Bis in seine Träume hinein wird Joseph vom "Running Man" verfolgt, der durch die Stadt rennt wie ein Getriebener. Als sich Joseph durch Zufall mit dem schweigsamen und zunächst ziemlich unheimlichen Nachbarn Tom Leyton anfreundet, vertraut er ihm irgendwann seine Angst an. Tom hat vor langer Zeit irgendetwas Schreckliches erlebt, und nun hilft er Joseph, seine Angst zu überwinden - und mit dem "Running Man" auf ungewohnte Art umzugehen.
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Michael Gerard Bauer, 1955 geboren in Brisbane (Australien), studierte an der Universität Queensland Geisteswissenschaften und Pädagogik. Er lebt als Englischlehrer und Schriftsteller am Stadtrand von Brisbane, in Ashgrove, dem Schauplatz von "Running Man". Es ist sein erster Roman und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem als "Book of the year" des Children's Book Council of Australia. Michael Gerard Bauer ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Joseph richtete seinen Blick fest auf den Sarg und musste an Seidenraupen denken. Stumm und starr wie ein Kokon stand die honigfarbene Holzkiste vor ihm, und einen Moment lang befand sich Joseph in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort. Er kämpfte darum, das Bild in seinem Kopf festzuhalten, aber jeder Laut, der an sein Ohr drang - ein Murmeln, ein Räuspern oder das scharfe Echo eines Schuhs, der ungeschickt gegen eine der harten Kniebänke stieß -, erinnerte ihn daran, wo er war, und gleich regten sich wieder schmerzliche Gefühle von Reue und Verlust in ihm. Es ist meine Schuld, dachte Joseph, und die Worte trafen ihn mitten ins Herz.
Hinter ihm kroch das Pfeifen der Orgel in sämtliche Winkel der Judaskirche und hing in der Luft wie Kummer. Joseph war nicht zum ersten Mal auf einer Beerdigung, aber wenn man in der vordersten Kirchenbank saß, war es etwas anderes. Bisher war er einfach einer von vielen unruhigen Schuljungen gewesen, die sich an der Straße aufgereiht hatten für jemanden, an dessen Gesicht er sich später nur mit Mühe erinnerte. Doch jetzt stand er im Mittelpunkt eines Geschehens, das ihn umfasste und festhielt wie eine unerwünschte, unerbittliche Umarmung.Er ließ den Kopf sinken, und seine Mutter berührte sanft sein Knie. Joseph legte seine Hand auf ihre und zwang sich zu einem matten Lächeln. Dann richtete er seinen Blick wieder auf den Sarg, schloss die Augen und ließ sich in die Dunkelheit fallen.
Warum war alles so gekommen? Wenn er es schaffte, an einen bestimmten Ausgangspunkt zurückzukehren und jeden darauf folgenden Moment nachzuzeichnen, bis er schließlich wieder an diesem Tag, an diesem Ort, an diesem Platz in der Kirchenbank anlangte - würde er dann irgendeine Bedeutung, irgendeinen Sinn in alldem finden können? Womit hatte alles angefangen? Es schien unmöglich, den exakten Moment zu erkennen, in dem etwas begann. Ein Ende ließ sich viel leichter bestimmen. Ein Ende war fest umrissen. Wenn etwas endete, gab es eindeutige Anzeichen dafür. Dinge hörten auf. Menschen gingen fort. Jemand starb. Anfänge hingegen waren wie Schatten und Nebel, sie schmolzen und lösten sich auf in allem, was sie umgab.
Während er angestrengt nach einem Ausgangspunkt suchte, landeten seine Gedanken gleich wieder bei den Seidenraupen. Das passierte häufig in letzter Zeit, Joseph konnte nichts dagegen tun. Manchmal wusste er nicht einmal, wieso sich die Seidenraupen plötzlich in seine Gedanken drängten, er sah die Verbindung nicht zwischen diesen einfachen Wesen und dem, was um ihn herum geschah. Dieses Mal jedoch sah er sie. Sein Versuch, die Fäden der Vergangenheit zu entwirren, glich dem Ablösen der Seide von den Kokons der Seidenraupen.
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