Angela Merkel: Biographie (dtv premium) - Softcover

Langguth, Gerd

 
9783423244855: Angela Merkel: Biographie (dtv premium)

Inhaltsangabe

Die erste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Pfarrerstochter, Physikerin, früher als »Kohls Mädchen« und jetzt als »mächtiger Politboss« bezeichnet. In diesem Porträt wird eine in vielen Zügen unbekannte Persönlichkeit in den verschiedensten Facetten ausgeleuchtet.

Wie lebte sie als Bürgerin der DDR? Wie sehr wurde sie durch das Klima eines Pfarrhauses geprägt? War sie eine Angepasste des Systems oder hatte sie innerlich eine große Distanz zum realen Sozialismus der DDR? Warum konnte sie nach der Wende so schnell Karriere machen? Welche Niederlagen im Kampf um die Macht musste sie einstecken - und welche Siege hat sie gewonnen? Und schließlich: Welche Rolle spielt sie als Frau in einer von Männern dominierten Politik? Welchen geistig-politischen Standort hat sie, wer sind ihre Unterstützer, wer ihre Gegner?

Das Buch zeigt Hintergründe auf. In diesem Porträt einer ungewöhnlichen Frau wird eine in vielen Zügen unbekannte Persönlichkeit in den verschiedensten Facetten ausgeleuchtet. Der Verfasser ist ein Insider der CDU, der Angela Merkel seit ihrer Tätigkeit als Stellvertretende Regierungssprecherin der DDR-Regierung unter Lothar de Maizière kennt. Gerd Langguth hat sich als Analytiker von Fragen der politischen Macht (›Das Innenleben der Macht‹) einen Namen gemacht.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Gerd Langguth, Dr. phil., war Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Zuvor war er u.a. Mitglied des Bundestags, Staatssekretär, Direktor der Zentrale für politische Bildung, Leiter der Vertretung der EG-Kommission in Bonn und Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, zuletzt Biografien über ›Angela Merkel‹ (2005; aktualisierte Neuausgabe 2007) und ›Horst Köhler‹ (2007) sowie ›Kohl, Schröder, Merkel. Machtmenschen‹ (2009).

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

I. Einleitung:
Die bekannte Unbekannte Angela Merkel ist eine ungewöhnliche Frau.
Niemand ist in der bundesdeutschen Politik aus dem "politischen Nichts"
so schnell und so hoch aufgestiegen wie sie: Nur ein Jahr nach ihrem
ersten echten politischen Engagement, wahrend der Wendezeit, war sie
bereits Bundestagsabgeordnete und Bundesministerin, später wurde sie
Generalsekretärin der CDU und als erste Frau in der Geschichte einer
deutschen Volkspartei gar Bundesvorsitzende der CDU. Sie steht als
Parteivorsitzende in der Nachfolge von historischen Persönlichkeiten
und politischen Schwergewichten, von Konrad Adenauer zu Ludwig Erhard,
Kurt Georg Kiesinger, Rainer Barzel und Helmut Kohl. "Wie viel DDR
steckt in Angela Merkel?" Trotz aller Publizität und medialer Argusaugen
sind sich viele, im Osten wie im Westen Deutschlands, in der Beantwortung
dieser Frage nicht sicher. Sie selbst weiß um dieses Defizit: "Man weiß in
den alten Bundesländern über 35 Jahre meines Lebens kaum etwas. Dieses
Leben war ein Leben außerhalb des Berufspolitischen, so dass ich eigentlich
eine verschärfte Seiteneinsteigerin bin. Das macht neugierig. Und das verstehe
ich." Die in Hamburg geborene, aber in der DDR aufgewachsene Angela
Merkel hat auch für die Bürgerinnen und Bürger in den neuen Bundesländern
etwas Sphinxhaftes an sich. Zu ihrer Biographie gibt sie zwar Wortreiches zu
Protokoll, aber stets hat sie, bisher mit großem Erfolg, versucht, die
Deutungsmacht über ihr Leben zu behalten. Keiner soll hinter den
selbstgewählten Schutzschirm schauen können. Nur so viel soll von ihr bekannt
werden, wie in einer Zeit der Transparenz, in der bisweilen Privates Politik
ersetzt, unvermeidlich ist. Manche Lebensphase Angela Merkels aus der
einstigen DDR blieb indes bislang weitgehend unbekannt.
Mit dieser Biographie einer sehr bekannten und zugleich weitgehend
unbekannten Frau soll ein Beitrag zum "Kennenlernen" ihrer
ungewöhnlichen Persönlichkeit geleistet werden. "Warum kennen
wir Angela Merkel nicht?"3, fragte schon 1991 die .Suddeutsche
Zeitung.. So fanden manche publizistischen Analytiker erhellende
Wortschöpfungen zur Deutung der Politikerin: Als "Wert-Konservative"
(Die Welt) wurde sie in dem ersten Portrait einer überregionalen Zeitung
bezeichnet, oder als "Die junge Frau von Helmut Kohl"
(Die Zeit) gesehen. Als sie Kohl als Ehrenvorsitzenden und Schäuble
als Parteivorsitzenden stürzte, galt Angela Merkel als "Lady Eisenherz"
(Rheinische Post) oder als "Die Ikone der Aufklarung" (Welt
am Sonntag); sie wurde als "Die nicht dressierte Frau" (Frankfurter
Allgemeine Zeitung), als "Die Langstreckenläuferin" (Die Woche)
und schließlich als "Eine heißkalte Frau" (Capital) bezeichnet. Erst
galt sie als "Die Frau mit der Maske" (Suddeutsche Zeitung), später
als "Die Unterschatzte" (Rheinischer Merkur), als "Das einsame
Madchen" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) oder als "Dr. Angela
Seltsam" (Die Woche).
Auch 2002 wurden die Etiketten keinesfalls schmeichelhafter, etwa:
"Die Misstrauische" (Der Stern), "Die Mathematikerin der Macht"
(Die Bunte). 2003 charakterisierte man sie als "Managerin der
Macht" (Focus), "Die neue Maggie" (Stern) oder als "Das eiserne
Madchen" (Der Spiegel). 2004 wird sie im Focus auf der Titelseite
als "Die Raffinierte" und im Innenteil als "Königin der Macht", im
Stern als "Die Physikerin der Macht" gedeutet. So unterschiedlich
die Überschriften und der Inhalt der Artikel sein mögen, sie haben
doch häufig eines gemeinsam: Viele der publizistischen Analytiker
werden aus der einflussreichsten Frau der deutschen Politik nicht
wirklich schlau.
Biographien über Persönlichkeiten, bei denen noch nicht das milde
Abendlicht historisierender Verklarung wirkt, sondern die bedingt
auch durch den politischen Tageskampf umstritten sind, sind
für jeden Autor wie für den Leser eine besondere Herausforderung.
Es ist eine in der Geschichts- und Politikwissenschaft altbekannte
Tatsache, dass die eigenen Erinnerungen vieles schonfarben, ganz
zwangsläufig subjektiv, auch unscharf sind. Dies trifft nicht nur für
die Hauptakteure zu, sondern zugleich für die Statisten und für den
normalen Burger. Da bei den Recherchen für dieses Buch kaum der
Sperrfrist unterliegendes Archivmaterial ausgewertet werden konnte,
standen Interviews mit zahlreichen Persönlichkeiten bei dem Bemuhen
im Vordergrund, die "ganze Merkel" zu erfassen: Kreisschulrate,
Lehrer, Burgermeister, Klassenkameraden, Schulfreundinnen, Kommilitonen,
akademische Lehrer, Persönlichkeiten aus der Wendezeit,
zahlreiche Mitarbeiter aus Bundesministerien, viele Politikerinnen
und Politiker, Parteifreunde und "Parteifreunde" waren zu teilweise
stundenlangen Erörterungen bereit. Manche Auskünfte wurden unter
der Vereinbarung des Quellenschutzes gegeben. Fast 140 Personen,
die das Leben unserer "Heldin" begleiteten, waren zu intensiven
Interviews bereit. Apropos Heldin: Wie schrieb Brecht im .Leben des
Galilei.? "Unglücklich das Land, das keine Helden hat ... Nein. Unglücklich
das Land, das Helden nötig hat."
Wir wollen die Motivlage einer Frau erkunden: warum und mit
welcher Methode will sie das einflussreichste politische Amt in der
Bundesrepublik Deutschland, das des Bundeskanzlers, erkämpfen.
Auf ihre Selbstaussagen allein darf man sich dabei nicht beziehen. Aus
allgemein menschlichen, aber auch aus rational-politischen Gründen
ist es verständlich, wenn sich Politiker ihre Vergangenheit so zurechtlegen,
wie es dem eigenem Ansehen und damit dem Fortkommen
dient. Angela Merkel, die der Verfasser seit ihrer Tätigkeit als
Stellvertretende Regierungssprecherin der DDR kennt, war zur begrenzten
Mitwirkung an diesem Buch bereit, stellte einige Informationen
zur Verfugung, gab dem Autor ein umfängliches Interview.
Die mächtigste Frau in der deutschen Politik versteht es sehr gut, ihr
Privatleben und das Leben ihrer Familie vor der Öffentlichkeit abzuschirmen.
Doch die Leser werden sehen, was trotzdem herausgefunden
werden konnte: Wie in einem Puzzle kommt in diesem Buch eine
Angela Merkel, geborene Kasner zum Vorschein, die viele vielleicht
die meisten so noch nicht kennen.

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