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So seh ich das: Autobiografie eines Einjährigen - Softcover

Candappa, Rohan

 
9783442153268: So seh ich das: Autobiografie eines Einjährigen

Inhaltsangabe

Die Menschen, die ihre Autobiografie zu Papier bringen, werden auch immer jünger. Furchtbar, oder? Mit einer Ausnahme. Candappas einjähriger Held betrachtet die Welt um sich herum und muss sich wundern. Nicht zuletzt über seine Eltern, die so schrecklich abhängig von ihm sind und den ganzen Tag beschäftigt werden müssen. Vor allem aber schildert er einfühlsam und humorvoll, was in den Köpfen der kleinen Leute wirklich vor sich geht.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Rohan Candappa, 38 Jahre alt, arbeitete 10 Jahre in der Werbebranche. Heute ist er Schriftsteller und Filmemacher. Er lebt mit Frau und Tochter in London und arbeitet momentan an einem neuen Film, einer Fernsehserie, einem Roman und an neuen Regalen fürs Badezimmer.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Hände braucht man

Eine großartige Erfindung. Hände sind das Nützlichste, was ich bisher an mir entdecken konnte. Man kann damit Gegenstände aufheben. Man kann damit Gegenstände fallen lassen. Man kann damit Gegenstände rumwerfen. Man kann damit auf Gegenstände schlagen. Man kann damit Eltern kratzen und schlagen. Man kann seine Hände in Türen klemmen. In Schubladen. In kleine Zwischenräume. Weil Hände am Ende von Armen angebracht sind (eine äußerst geschickte Konstruktion), kann man mit ihnen nach oben langen und Dinge zu sich herunterziehen. Zusätzlich kann man, und das mag ich am liebsten, damit einfach so in der Luft rumwedeln.

Mit Hilfe von Händen kommt man auch viel herum. Krabbeln wäre weit schwieriger, wenn man keine Hände hätte. Oder wenn sie woanders als am Ende der Arme angebracht wären. Offensichtlich wurde eine Menge Hirnschmalz auf die Frage verwendet, wie Hände funktionieren sollen. Wer auch immer dafür verantwortlich ist: meinen aufrichtigsten Dank!

Ich muß allerdings gestehen, daß ich für einen Moment ziemlich perplex war, als ich (vor langer Zeit im ersten Jahr meines Daseins) feststellte, daß die Hände, die ständig um mich waren, an mir befestigt sind. Die Erkenntnis, daß ich diese netten kleinen Dinger unter Kontrolle habe, war ein echtes Aha-Erlebnis. Für die erste Zeit muß man allerdings eher davon sprechen, daß meine Hände irgendwie unter meinem Einfluß standen. Ich wollte zum Beispiel damit einen Ball nehmen. Die Hände streckten sich danach aus, aber dann, im letzten Moment, stießen sie ihn weg. Ich wollte damit einen Zweig von der Erde aufheben und ihn in den Mund stecken. Meine Hände aber hielten es für richtig, mir damit ins Auge zu stechen. Ich wollte, daß sie Glattgesicht auf eine Art und Weise übers Gesicht streichen, die Liebe, Respekt und Bewunderung vermittelt, sie aber gingen mit wildem Gekralle auf sie los, so daß sie um ein Haar für immer entstellt gewesen wäre.
Zu Anfang hatte ich also kein besonderes Händchen für meine Hände (kleines Wortspiel, Pardon).

Ich konnte ihnen lediglich Dinge vorschlagen, an denen sie vielleicht mitwirken wollten. Ungefähr so, wie man einem aufsässigen Welpen vorschlägt, daß er einem doch bitte vom Kopf herunterklettern möge, schlug ich meinen Händen etwa vor, sie könnten mir den Löffel mit Nutella in den Mund stecken. Danach konnte ich mich nur noch zurücklehnen und abwarten, ob die Hände meinem Vorschlag folgten. Äußerst frustrierend! Und natürlich hatte ich zum Schluß einen Haufen Nutella im Haar, im Gesicht und bei einer denkwürdigen Gelegenheit sogar zwischen den Zehen. (Okay, ich gebe zu, daß ich damals ausprobieren wollte, ob mein Fuß ganz in meinen Mund paßt.)

Ich entdeckte, daß meine Hände mit der Zeit meinen Vorschlägen gegenüber immer zugänglicher wurden. Offensichtlich bekam ich langsam den Dreh heraus. Vielleicht aber haben sie sich auch einfach mit der Tatsache abgefunden, daß sie mich nun mal am Hals haben und wir die Dinge genausogut gemeinsam regeln können.

Sollten also irgendwelche Youngsters unter meinen Lesern sein, die gerade eine schreckliche Zeit mit ihren Händen durchmachen und am liebsten alles hinschmeißen würden, um es in Zukunft mit den Füßen zu versuchen, so kann ich nur sagen: "Stopp! Lieber nicht! Bleibt bei den Händen! Haltet durch! Die Trefferquote steigt. Und es macht immer mehr Spaß. Ihr schafft das, ich weiß es."

Eine offene und ehrliche Erklärung,

warum ich manchmal mit der Nase

Rotzblasen mache

Weil ich es kann.

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