Freispruch für einen Mörder: Roman - Softcover

Scott, Lisa

 
9783442361649: Freispruch für einen Mörder: Roman

Inhaltsangabe

Die Strafverteidigerin Marta Richter hat mit großem Einsatz für ihren Mandanten Elliot Steere gekämpft, der in Notwehr einen Menschen erschossen haben soll – die Geschworenen scheinen überzeugt, und ein Freispruch ist so gut wie sicher. Doch dann verrät Elliot ihr, dass er den Mord in voller Absicht begangen habe, nur um sich zu beweisen, dass er ungeschoren davonkommen kann. Marta ist entsetzt und setzt sofort alle Hebel in Bewegung, um doch noch eine Verurteilung zu erreichen. Aber alles scheint gegen sie zu arbeiten: die Zeit, ein Schneesturm, der ganz Philadelphia lahm legt, und natürlich der Mörder selbst …

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Über die Autorin bzw. den Autor

Lisa Scott hat als Anwältin für das US-Berufungsgericht und in einer großen Kanzlei in Philadelphia gearbeitet. Bereits ihr erster Roman »Die Katze war noch da« wurde von Publikum und Kritikern gleichermaßen gefeiert. Für ihr zweites Buch »Rosen sind rot« erhielt sie den Edgar-Allan-Poe-Preis, den begehrtesten Preis für Kriminalliteratur in Amerika. Ihre Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Lisa Scott lebt als freie Schriftstellerin in der Nähe von Philadelphia.

Aus dem Klappentext

"Lisa Scott ist besser als Grisham!"
Kirkus Review

"Rasant und atemberaubend spannend!"
Los Angeles Times

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Alles begann mit einem Versprecher. Zuerst glaubte Marta Richter, sie habe sich verhört. Nach dem zwei Monate dauernden Mordprozeß fühlte sie sich ausgebrannt, außerdem konnte sie ihren Mandanten hinter dem dicken Panzerglasfenster nicht immer gut verstehen. »Sie meinen, Sie wanden sich in seinem Griff«, bemerkte Marta deshalb.
Auf der Seite des Panzerglases, die dem Angeklagten vorbehalten war, wischte Elliot Steere, anstatt zu antworten, Asche von seinem Stuhl. In seinem tiefschwarzen Brioni-Anzug und dem weißen Hemd mit hohem Kragen wirkte Steere in der Gefängnisatmosphäre zwar fehl am Platz, aber keineswegs so, als mache er sich Sorgen. Die Coolness, die der Geschäftsmann an den Tag legte, war der Stoff, aus dem die Legenden der Sensationspresse gemacht waren. Die Boulevardblätter berichteten, am Abend seiner Verhaftung wegen Mordes habe Steere lediglich ein einziges Telefonat führen wollen. Mit seinem Börsenmakler. »Das habe ich gesagt«, antwortete Steere nach einer kurzen Pause. »Daß ich mich in seinem Griff wand.«
»Nein, Sie sagten, er wand sich in Ihrem Griff. Es war Notwehr, kein Mord. Sie haben sich gewehrt, nicht er.«
Steeres energischer Mund verzog sich zu einem flüchtigen Lächeln. Er hatte eine feinknochige Nase, ausdruckslose braune Augen und verdächtig wenig Krähenfüße für einen Immobilienhai. Auf Zeitschriftenfotos wirkte Steere attraktiv, aber die Leuchtstoffröhren im Besucherraum ließen seine Wangen hohl und sein sandfarbenes Haar stumpf aussehen. »Was soll's? Der Prozeß ist vorbei, die Geschworenen haben sich zur Beratung zurückgezogen. Es spielt keine Rolle mehr, wer sich zur Wehr gesetzt hat. Wer gegen wen.«
»Was soll denn das heißen?« fragte Marta. Es paßte ihr nicht, daß er sich mit Wortspielereien befaßte, er sollte sie für ihre brillante Verteidigung loben. Es war der größte Fall ihrer Karriere, und sie hatte Steeres Freispruch praktisch in der Tasche. »Natürlich spielt das eine Rolle.«
»Warum? Was, wenn es keine Notwehr war? Was, wenn ich ihn umgebracht hätte, wie der Staatsanwalt behauptet hat? Na, was dann?«
Marta sah ihn verständnislos an. »Aber so war es nicht. Er hat Sie überfallen, weil er Ihren Wagen wollte. Er hat Sie mit einem Messer angegriffen. Er hat gedroht, Sie umzubringen. Sie haben ihn in Notwehr erschossen.«
»In den Hinterkopf?«
»Es kam zu einem Kampf. Sie hatten eine Waffe, und Sie haben geschossen.« Ohne sich dessen bewußt zu sein, wiederholte Marta den Wortlaut ihres Schlußplädoyers. Wenige Minuten danach hatten sich die Geschworenen zur Beratung zurückgezogen. »Sie gerieten in Panik, hatten Todesangst.«
»Haben Sie das wirklich geschluckt?« Steere schlug ein langes Bein über das andere, und die elegante scharfe Bügelfalte klappte um, so daß ein Dreieck der maßgeschneiderten Hose über das andere Bein fiel. »>TodesangstHer mit dem Wagen.Ostküste von gewaltigem Schneesturm heimgesuchte Ich stehe heute nicht einmal über dem Falz in der Mitte.«
»Ich kann es nicht, ich schwöre es. Ich kriege es nicht durch den Metalldetektor.«
»Sie haben es doch früher auch geschafft, Frank.«
»Heute liegt die Sache anders. Heute beraten die Geschworenen. Gott und die Welt läuft draußen herum. Alle beobachten. Warten. Es geht zu wie in einem Taubenschlag.« Nervös trat der Wachmann von einem neuen Schuh auf den anderen. Orthopädische, dreihundert Dollar das Paar. Orthos, hatte der Arzt sie genannt. Frank hatte sie sich früher nie leisten können, seine lausige Krankenversicherung übernahm die Kosten nicht. »Glauben Sie mir, es ist Wahnsinn.« Steere blätterte die Seite um.
»Bitte.« Schweiß glänzte auf der gefurchten Stirn des Wachmanns. »Ich habe Ihnen doch schon die Zeitung gebracht.«
»Ich glaube, ich habe Anspruch auf eine Zeitung.«
»Natürlich haben Sie das. Verstehen Sie mich nicht falsch.« Der Wachmann trat unentwegt von einem Fuß auf den anderen. Nicht, daß ihm die Füße weh getan hätten, in diesen herrlichen Dingern könnte er ewig stehen. Und den ganzen Tag laufen, sogar mit Madeline durch das Einkaufszentrum. Er mußte nicht mehr im Auto warten wie ein verdammter Hund. »Die Zeitung war kein Problem, überhaupt kein Problem, Mr. Steere. Aber das ist eine ganz andere Sache. Ich könnte Ihnen eine Cola aus dem Automaten holen.«
Steere blätterte zu den Aktienkursen und überflog die Spalten. »Gute Neuigkeiten. Hampden Technologies ist zwei Punkte gestiegen.«
»Ich könnte auch Eis besorgen. Aus der Halle. Kostet mich fünf Minuten, höchstens.«
»Ah-oh. Kali ist wieder einen Punkt runter.« Steere knisterte laut mit der sperrigen Zeitung, um eine Falte im Papier zu glätten. »Haben Sie immer noch Kali, Frank?«
»Ja.«
»Halten Sie das für klug?«
Frank Devine schluckte schwer. Als der Prozeß begann, hatte er auf Steeres Bemerkungen hin kleine Beträge angelegt. Steere hatte jedesmal recht behalten, und Frank hatte richtig Geld verdient. Letzten Monat hatte Steere einen Tip für Kali bekommen, und Frank hatte alles, was er besaß, und dazu noch das, was er von seinem Schwager lockermachen konnte - siebzehn Riesen -, in diese Aktien investiert. Meine Anteile konsolidieren, hatte er zu seiner Madeline gesagt. Bin beeindruckt, hatte sie mit finsterem Gesicht geantwortet. Jetzt waren seine siebzehn Riesen dreißig wert, und wenn er die Aktien verkaufte, konnte er sich alles leisten, was er brauchte. Zweihundert verdammte Paar Schuhe. Orthos, oder wie auch immer.
»Frank? Ich habe Sie gefragt, ob Sie es klug finden, Kali zu halten.«
»Ich denke, es ist ... klug.« Der Wachmann beobachtete Steere, der die Kurse überflog, dessen Blick die Spalten auf und ab wanderte, aber er konnte Steeres Miene nicht das geringste entnehmen. Das konnte er nie. In dieser Hinsicht war ihm Steere unheimlich. »Halten Sie es für klug, Mr. Steere?«
»Ganz wie Sie meinen.«
»Ich bin immer noch bei den Gewinnern«, sagte der Wachmann. Er war nicht blöd, verdammt noch mal. Seit der Steere-Prozeß lief, hatte er viel über Aktien gelernt. »Gestern haben sie bei dreißig abgeschlossen.«
»Wie war der Stand heute morgen? Sind sie gefallen?«
»Nein, Sir.« Der Wachmann hatte das mit Hilfe seines Schwagers überprüft, der die aktuellen Zahlen aus dem Computer entnommen hatte. Frank hatte keine große Ahnung von Computern und fand, er sei zu alt, um es noch zu lernen.
Steere las weiter.
»Also, äh, soll ich verkaufen, Mr. Steere?«
»Ich weiß nicht. Ich glaube, Sie sollten.« Steeres Blick verharrte auf der mittleren Spalte. »Dann wieder glaube ich, Sie sollten nicht. Was glauben Sie denn, Frank?«
»Normalerweise glaube ich das, was Sie glauben«, sagte der Wachmann in dem Versuch, einen Scherz zu machen, obwohl ihm reichlich elend zumute war. Es war so still, daß er seinen Magen grummeln hörte.
Steere blätterte die Seite um.
Frank trat von einem Fuß auf den anderen.
Steere überflog die Notierungen.
»Mr. Steere«, fragte Frank, »soll ich Kali halten oder verkaufen?«
Steere widmete seine Aufmerksamkeit ausschließlich der Zeitung. »Ich weiß nicht, ob ich sie halten würde. Sie haben keinen neuen Höchststand erreicht. Zwar Anstalten in diese Richtung gemacht, aber nicht erreicht.«
»Wie schlimm ist das?« Franks Prothese grub sich in seine Lippen. »Ich meine, ist das schlimm? Es hört sich schlimm an.«
»Kommt darauf an.«
»Worauf?«
»Darauf, wie Sie zu Versuch Nummer zwei stehen.« Frank lachte, aber es klang, als sei er kurz vorm Ersticken. Hinter der Zeitung ertönte Steeres Stimme: »Das Telefon, du Pflaume. Bring mir das verdammte Telefon.«

»Was hast du an?« fragte Steere in das Handy. Er meinte es nur im Scherz, trotzdem spürte er eine Regung zwischen den Beinen. Er saß seit fast einem Jahr im Gefängnis.
»Ich bin in einer Besprechung«, antwortete sie mit ihrer geschäftsmäßigen Stimme, laut genug, damit die Anwesenden sie verstehen konnten. Sie war ein Star, und sie wußte es. Steere konnte sie sich lebhaft vorstellen bei dieser Besprechung, jeder Zoll die perfekte Karrierefrau,...

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ISBN 10:  3442439191 ISBN 13:  9783442439195
Verlag: Goldmann, 2000
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