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Zeit der Rache: Ein Jack-Reacher-Roman (Tb-Aktionstitel) - Softcover

Buch 4 von 29: Die-Jack-Reacher-Romane

Child, Lee

 
9783442365487: Zeit der Rache: Ein Jack-Reacher-Roman (Tb-Aktionstitel)

Inhaltsangabe

Sergeant Amy Callan und Lieutenant Caroline Cook haben einiges gemeinsam. Beide wollten Karriere bei der Armee machen, beide waren Opfer sexueller Belästigung durch Kollegen, beide ließen sich anschließend vom Dienst suspendieren – und beide sind jetzt tot. Wiederum in Übereinstimmung wurden sie beide in ihrer eigenen Badewanne aufgefunden, in Armee-Tarnfarbe schwimmend, die Leichen scheinbar völlig unberührt und ohne ein einziges Anzeichen für die Todesursache. Hochrangige Profiler des FBI beginnen fieberhaft die Jagd nach einem Serienmörder: einem Angehörigen der Armee, einem hochintelligenten, einsamen, unbarmherzigen Mann, der beide Frauen kannte – und wahrscheinlich noch ein paar weitere, auf die Amys und Carolines Opferprofil ebenfalls zutrifft. Auf Jack Reacher, einen ehemaligen Spitzen-Ermittler der Militärpolizei, passen diese Merkmale auffallend perfekt. Das FBI kreist ihn ein, muss aber rasch erkennen, dass er nicht der Täter ist - sondern vielmehr der einzige, der bei der Lösung dieses scheinbar unlösbaren Falles helfen kann. Doch Reacher hat nicht die Absicht, sich vor den Karren des FBI spannen zu lassen...

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorinnen und Autoren

Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen, wo er u. a. so hochklassige Thrillerserien wie "Prime Suspect" ("Heißer Verdacht") oder "Cracker" ("Ein Fall für Fitz") betreute. 1995 kehrte er der Fernsehwelt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Seither fesselt er seine Fans mit immer neuen atemberaubenden Reacher-Romanen. Er wurde mit mehreren hoch dotierten Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem "Anthony Award", dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.

Georg Schmidt, geb. 1952 in Oberfranken, ist Journalist und Lektor sowie der Übersetzer von u.a. James Lee Burke, James Crumley, James Ellroy, Richard Lourie, Paco Ignacio Taibo, Michael Cunningham und Andrew Vachss.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

1
Wissen ist Macht, heißt es im Volksmund. Je mehr Wissen, desto mehr Macht. Angenommen, man wüsste die Gewinnzahlen im Lotto. Alle. Man hätte sie nicht etwa geraten, auch nicht geträumt, sondern wüsste sie wirklich. Was würde man machen? Zur nächsten Annahmestelle laufen, ganz recht. Man würde die Zahlen auf dem Lottoschein ankreuzen. Und man würde gewinnen.
Das Gleiche gilt für die Börse. Angenommen, man wüsste genau, welche Kurse kräftig anziehen. Man vertraut dabei nicht etwa auf eine Ahnung oder ein Gefühl. Man orientiert sich weder an einem Trend noch an Prognosen, noch an Einflüsterungen, noch an einem Tipp. Man verlässt sich auf sein Wissen. Echtes, handfestes Wissen. Angenommen, man verfügte darüber. Was würde man dann tun? Man würde seine Bank anrufen, ganz recht. Man würde kaufen, später dann verkaufen, und man wäre reich.
Desgleichen beim Basketball, bei Pferderennen, bei allem. Bei jeder Sportart, egal, ob es um Football, Eishockey oder um den Sieger der nächsten Weltmeisterschaft im Baseball geht - wenn man die Zukunft voraussagen könnte, hätte man sein Schäfchen im Trockenen. Ohne Frage. Das gilt auch für die Oscar-Verleihung, die Vergabe der Nobelpreise, den ersten Schnee des kommenden Winters. Es gilt für alles
Es gilt auch, wenn man jemanden umbringen will.
Angenommen, man möchte jemanden umbringen. Dazu müsste man im Voraus wissen, wie man es anstellen soll. Das ist nicht allzu schwierig. Möglichkeiten gibt es genug. Manche sind gut, andere weniger. Einen Haken haben die meisten. Folglich greift man auf das Wissen zurück, das einem zur Verfügung steht, und denkt sich eine neue Möglichkeit aus. Man überlegt hin und her, bis man auf den perfekten Mord kommt.
Man muss sein ganzes Augenmerk auf die äußeren Umstände richten. Denn den perfekten Mord zu begehen ist nicht leicht, und sorgfältige Vorbereitung ist dabei sehr wichtig. Aber das ist dein tägliches Brot. Sorgfältige Vorbereitung fällt dir nicht schwer. Überhaupt nicht. Wie auch, bei deiner Intelligenz? Nach der ganzen Ausbildung?
Du weißt, dass es hinterher erst richtig heikel wird. Wie schaffst du es, ungeschoren davon zukommen? Du setzt dein Wissen ein, ganz recht. Du weißt, wie die Polizei vorgeht, du weißt mehr über ihre Arbeitsweise als die meisten anderen Menschen. Du weißt, wonach sie suchen. Folglich hinterlässt du keinerlei Spuren. Du gehst die ganze Sache ein ums andere Mal im Kopf durch, überlegst dir alles ganz genau, Punkt für Punkt und sehr sorgfältig. So sorgfältig, wie man seinen Lottoschein ausfüllen würde, wenn man genau wüsste, dass man damit ein Vermögen gewinnt.
Wissen ist Macht, heißt es im Volksmund. Je mehr Wissen, desto mehr Macht. Somit müsstest du einer der mächtigsten Menschen auf Erden sein. Wenn es darum geht, jemanden umzubringen. Und anschließend ungeschoren davon zukommen.
Das Leben besteht aus lauter Entscheidungen, Abwägungen und Einschätzungen, und irgendwann ist man so daran gewöhnt, abzuwägen und sich zu entscheiden, dass man es auch dann macht, wenn es streng genommen gar nicht nötig ist. Die Frage nach dem Was wäre, wenn wird zur fixen Idee, und man überlegt sich, wie man sich verhalten würde, wenn man sich anstelle eines anderen mit einer bestimmten Situation auseinander setzen müsste. Es wird einem zur Gewohnheit. Jack Reacher war diese Angewohnheit in Fleisch und Blut übergegangen. Deswegen saß er jetzt allein an einem Restauranttisch und starrte auf die Rücken der beiden Typen, die etwa sechs Meter weiter weg standen, und fragte sich, ob es genügen würde, wenn man sie mit einer deutlichen Warnung vertriebe, oder ob er einen Schritt weiter gehen und ihnen gleich die Arme brechen sollte.
Es war eine Frage der Dynamik. Die Dynamik der Großstadt lief zunächst einmal darauf hinaus, dass ein nagelneues italienisches Lokal in Tribeca, so eins wie das, in dem Reacher saß, so lange ziemlich leer blieb, bis der Gastronomiekritiker der New York Times etwas darüber schrieb oder ein Klatschkolumnist des Observer irgendwelche Prominenz entdeckte, die dort zwei Abende hintereinander verkehrte. Aber bislang war weder das eine noch das andere geschehen, und in dem Lokal war nach wie vor wenig los, so dass es die ideale Anlaufstelle für einen einsamen Mann war, der in der Nähe der Wohnung seiner Freundin zu Abend essen wollte, während sie Überstunden in der Kanzlei machte. Die Dynamik der Großstadt. Sie führte zwangsläufig dazu, dass Reacher sich hier aufhielt. Und ebenso zwangsläufig waren deshalb auch die beiden Typen hier, die er beobachtete. Denn die Dynamik der Großstadt brachte es ebenfalls mit sich, dass ein viel versprechendes neues Unternehmen früher oder später Besuch im Auftrag von irgendjemandem bekam, der jede Woche dreihundert Dollar haben wollte, damit er seine Jungs nicht losschickte und es mit Baseballschlägern und Axtgriffen zu Kleinholz zerlegen ließ.
Die zwei Typen, die Reacher beobachtete, standen unmittelbar vor der Bar und redeten leise mit dem Inhaber. Die in der einen Ecke des Raums aufgebaute Bar war mehr Schein als Sein. Sie bildete ein rechtwinkliges Dreieck mit einer Schenkellänge von etwa zwei bis zweieinhalb Metern. Es war keine Bar im eigentlichen Sinn, denn niemand setzte sich dort hin, um irgendwas zu trinken. Sie diente eher als Blickfang. Außerdem wurden dort die Schnapsflaschen aufbewahrt. In Dreierreihen standen sie auf den gläsernen Regalen vor einer mit Sandstrahlgebläse behandelten Spiegelwand. Die Kasse und das Kreditkartenlesegerät befanden sich auf dem untersten Brett. Der Inhaber, ein kleiner, nervöser Mann, war zum Scheitelpunkt des Dreiecks zurückgewichen, bis er mit dem Hinterteil an die Schublade der Kasse stieß. Er hatte die Arme verschränkt, wirkte verkrampft, abweisend. Reacher sah seinen Blick. Er war teils ungläubig, teils panisch, während er sich nach allen Seiten umschaute.
Es war ein großer Raum, gut und gern achtzehn bis zwanzig Meter lang und ebenso breit. Die Decke war etwa sechs bis sechseinhalb Meter hoch. Sie war mit Zinkblech verkleidet, das mittels Sandstrahlgebläse matt geschliffen worden war. Das Haus war über hundert Jahre alt, und den Raum hatte man im Lauf der Zeit vermutlich für alle möglichen Zwecke genutzt. Anfangs war hier vielleicht eine Fabrik gewesen. Die zahlreichen Fenster waren so hoch, dass zu einer Zeit, da in der Stadt kein Gebäude über mehr als fünf Stockwerke verfügte, genügend Licht für einen Industriebetrieb hatte einfallen können. Danach hatte er womöglich als Geschäft oder Lagerraum gedient. Vielleicht sogar als Ausstellungshalle eines Autohändlers. Jetzt war hier ein italienisches Restaurant. Nicht der typische Italiener mit karierten Tischdecken und der von Mama höchstpersönlich zubereiteten Soße, sondern ein Lokal, in dessen helle, avantgardistische Ausstattung gut und gern dreihunderttausend Dollar investiert worden waren und in dem man sieben oder acht von Hand gemachte Ravioli auf einem großen Teller vorgesetzt bekam. Das nannte sich dann eine Mahlzeit. Reacher hatte in den vier Wochen seit der Eröffnung zehnmal hier gegessen, und immer war er hinterher noch hungrig gewesen. Aber die Küche war so gut, dass er anderen Leuten davon erzählte, und das wollte etwas heißen, denn Reacher war keineswegs ein Feinschmecker. Das Lokal nannte sich Mostro's, was seines Wissens nach auf Italienisch so viel wie Monster hieß. Er war sich nicht ganz sicher, worauf sich der Name bezog. Bestimmt nicht auf die Größe der Portionen. Aber er hatte einen gewissen Klang, und das Mobiliar aus hellem Ahornholz, die weißen Wände und der matte Aluminiumglanz verliehen dem Lokal eine durchaus reizvolle Atmosphäre. Die Leute, die hier arbeiteten, waren freundlich und kompetent. Auf einer hervorragenden Anlage mit ausgezeichneten, hoch an den Wänden angebrachten Lautsprechern wurden ganze Opern von Anfang bis Ende abgespielt. Reacher war zwar kein Fachmann, aber seiner Meinung nach erlebte er hier die ersten Anfänge eines Lokals, das es...

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