Eiskalte Präzision und heiße Spannung!
Senator Ashley Butler ist ein erbitterter Gegner der Stammzellenforschung. Als er jedoch erfährt, dass er an Parkinson leidet, beauftragt er Dr. Daniel Lowell, ihn in einer Klinik auf den Bahamas, wo man es mit dem Gesetz nicht so eng sieht, mit Stammzellen zu behandeln. Und er stellt eine heikle Bedingung: Es müssen Zellen vom Grabtuch Jesu aus Turin sein …
Cook ist Spezialist für atemberaubende Thriller mit brisanten Themen.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Robin Cook hat lange Jahre in der medizinischen Forschung und als HNO-Arzt gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben seiner Bestseller, von denen mehrere für das Fernsehen verfilmt wurden. Robin Cook sagt von sich, dass er die Leser mit seinen Medizin-Thrillern einerseits unterhalten will, andererseits möchte er auf die Gefahren aufmerksam machen, die die medizinische Forschung, aber auch die Praxis täglich mit sich bringen. Er lebt heute als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Florida.
»Seit seinem unvergesslichen Thriller-Debüt »Koma« sind Millionen Leser treue Robin-Cook-Fans.«
San Francisco Chronicle
»Schockierend und zum Nachdenken anregend.«
Schwaben Echo
Montag, der 22. Februar 2001, war einer jener verblüffend warmen Wintertage, die den Bewohnern der Atlantikküste die unmittelbar bevorstehende Ankunft des Frühlings vorgaukelten. Von Maine bis hinunter zum äußersten Zipfel von Florida herrschte strahlender Sonnenschein, und die Temperaturunterschiede betrugen nicht einmal zehn Grad Celsius. Für die überwältigende Mehrheit derjenigen, die diesen lang gezogenen Küstenstrich bevölkerten, sollte es ein normaler, glücklicher Tag werden. Für zwei außergewöhnliche Menschen jedoch markierte dieser Tag den Beginn einer Kette von Ereignissen, die schließlich zu einer schicksalhaften Überschneidung ihrer Lebenswege führen sollte.
1335 Uhr Cambridge, Massachusetts
Daniel Lowell hob den Blick von dem rosafarbenen Notizzettel in seiner Hand. Zwei ungewöhnliche Dinge teilte dieses Stück Papier mit: Zum einen war der Anrufer Dr. Heinrich Wortheim gewesen, der Direktor der chemischen Fakultät in Harvard, der ihn zu sich ins Büro bestellte. Zum anderen war das mit DRINGEND beschriftete Kästchen mit einem dicken X gekennzeichnet. Dr. Wortheim verwendete immer Buchstaben zur Kommunikation und erwartete, dass man ihm auch mit einem Buchstaben antwortete. Er war einer der weltweit führenden Chemiker, bekleidete das ehrwürdige und hervorragend dotierte Amt eines Fakultätsdirektors in Harvard und war ein napoleonischer Exzentriker. Nur sehr selten ließ er sich mit dem gemeinen Volk ein, zu dem er auch Daniel rechnete, obwohl Daniel Abteilungsleiter war und in der Hierarchie nur eine Stufe unter Wortheim rangierte.
»He, Stephanie«, rief Daniel quer durch das Labor. »Hast du die Nachricht auf meinem Schreibtisch gesehen? Vom Kaiser persönlich. Er hat mich in sein Büro bestellt.«
Stephanie hob den Blick von dem Stereomikroskop, an dem sie gerade etwas sezierte, und blickte Daniel an. »Das klingt nicht gut«, sagte sie.
»Du hast ihm doch nichts verraten, oder?«
»Wie denn? Während meiner gesamten Doktorandenzeit habe ich ihn nur zweimal gesehen - bei der Verteidigung meiner Dissertation und als er mir die Urkunde übergeben hat.«
»Vielleicht hat er ja eine Ahnung, was wir vorhaben«, mutmaßte Daniel. »Das wäre nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, wen ich alles um Mitarbeit in unserem wissenschaftlichen Beraterstab gebeten habe.«
»Und, gehst du hin?«
»Das möchte ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen.«
Vom Labor bis zum Verwaltungsgebäude der Fakultät war es nur ein kurzes Stück. Daniel wusste, dass ihm eine Konfrontation bevorstand, aber es war ihm egal. Eigentlich freute er sich sogar darauf.
Sofort als Daniel eintraf, schickte ihn die Sekretärin mit einer Handbewegung direkt in Wortheims Heiligtum. Der alternde Nobelpreisträger saß hinter seinem antiken Schreibtisch. Durch die weißen Haare und das schmale Gesicht wirkte Wortheim älter als seine angeblichen zweiundsiebzig Jahre. Aber sein Aussehen schmälerte die Ausstrahlung seiner befehlsgewohnten Persönlichkeit, die ihn wie ein magnetisches Feld umgab, in keiner Weise.
»Bitte, setzen Sie sich, Dr. Lowell«, sagte Wortheim und betrachtete seinen Besucher über den Rand seiner Lesebrille hinweg. Obwohl er den Großteil seines Lebens in den USA verbracht hatte, schwang immer noch ein leichter deutscher Akzent in seiner Stimme mit.
Daniel folgte seiner Aufforderung. Ihm war bewusst, dass sich auf seinem Gesicht ein leises, unbekümmertes Lächeln zeigte, das der Fakultätsdirektor mit Sicherheit nicht übersehen konnte. Wortheim war zwar über siebzig, aber seine Sinne waren immer noch genauso scharf wie früher und registrierten jede Andeutung einer Kränkung. Dass Daniel vor diesem Dinosaurier im Staub kriechen sollte, war einer der Gründe, weshalb er sich sicher war, dass seine Entscheidung, der akademischen Forschung den Rücken zuzudrehen, richtig war. Wortheim war ein kluger Kopf und er hatte den Nobelpreis gewonnen, aber er war immer noch in der anorganischen, synthetischen Chemie des vergangenen Jahrhunderts verhaftet. Die Gegenwart und die Zukunft lagen jedoch in der organischen Chemie in Form von Proteinen und ihren jeweiligen Genen.
Schließlich, nachdem die beiden Männer einander ausgiebig angestarrt hatten, brach Wortheim das Schweigen. »Ihrem Gesichtsausdruck entnehme ich, dass an den Gerüchten etwas dran ist.«
»Könnten Sie vielleicht etwas deutlicher werden?«, entgegnete Daniel. Er wollte absolut sicher sein, dass sein Verdacht zutraf. Eigentlich hatte er erst im nächsten Monat an die Öffentlichkeit gehen wollen.
»Sie haben sich ein Gremium aus wissenschaftlichen Beratern zusammengestellt«, sagte Wortheim. Er stand auf und begann hin und her zu gehen. »Ein solches Gremium kann nur eines bedeuten«, fuhr er fort. Dann blieb er stehen und starrte Daniel an. »Sie haben vor, von Ihrem Amt zurückzutreten, und haben eine Firma gegründet oder stehen zumindest kurz davor.«
»Schuldig in allen Anklagepunkten«, erklärte Daniel. Er konnte nicht verhindern, dass das Lächeln zu einem breiten Grinsen wurde. Wortheims Gesicht hatte sich unterdessen tiefrot verfärbt. Kein Zweifel, für Wortheim war diese Situation gleichbedeutend mit Benedict Arnolds Verrat im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
»Ich habe mich persönlich für Ihre Einstellung eingesetzt«, fuhr Wortheim ihn an. »Wir haben Ihnen sogar ein Labor nach Ihren Wünschen eingerichtet.«
»Das Labor lasse ich ja hier«, entgegnete Daniel. Unglaublich, dass Wortheim ihm Schuldgefühle machen wollte.
»Ihre Pflichtvergessenheit ist eine Unverschämtheit.«
»Ich könnte mich dafür entschuldigen, aber das wäre geheuchelt.«
Wortheim kehrte hinter seinen Schreibtisch zurück. »Ihr Weggang bringt mich gegenüber dem Universitäts-Präsidenten in eine sehr unangenehme Lage.«
»Das bedaure ich«, sagte Daniel, »und das meine ich wirklich ernst. Aber genau dieses bürokratische Hin und Her ist einer der Gründe dafür, dass mir die Universität nicht fehlen wird.«
»Was noch?«
»Ich habe es satt, neben meinen Forschungen auch noch unterrichten zu müssen.«
»Sie gehören zu denjenigen mit den wenigsten Lehrstunden an der gesamten Fakultät. Das haben wir vereinbart, als Sie zu uns gekommen sind.«
»Und trotzdem werde ich dadurch vom Forschen abgehalten. Aber auch das ist nicht der Hauptgrund. Ich möchte endlich die Früchte für meine Ideen ernten. Preise und Artikel in Fachzeitschriften reichen mir nicht.«
»Sie wollen berühmt werden.«
»So könnte man es wahrscheinlich ausdrücken. Und das Geld ist ja auch nicht zu verachten. Sogar Leute, die nicht halb so viele Fähigkeiten haben wie ich, haben es geschafft.«
»Haben Sie jemals Dr. med. Arrowsmith von Sinclair Lewis gelesen?«
»Ich komme nicht oft dazu, Romane zu lesen.«
»Vielleicht sollten Sie sich die Zeit einmal nehmen«, schlug Wortheim vor. »Unter Umständen überdenken Sie Ihre Entscheidung dann noch einmal, bevor sie unwiderruflich feststeht.«
»Ich habe sehr viel darüber nachgedacht«, sagte Daniel. »Ich glaube, das ist der richtige Schritt für mich.«
»Möchten Sie meine Meinung hören?«
»Ich glaube, ich kenne Ihre Meinung bereits.«
»Ich glaube, dass das Ganze in einer Katastrophe endet, für uns beide, aber hauptsächlich für Sie.«
»Vielen Dank für Ihre ermutigenden Worte«, erwiderte Daniel. Er stand auf. »Man sieht sich auf dem Gelände.« Dann ging er hinaus.
17.15 Uhr Washington, D.C.
»Danke, dass Sie zu mir gekommen sind«, sagte Senator Ashley Butler mit seinem charakteristischen, herzlichen Südstaatenakzent. Das Lächeln fest auf seinem teigigen Gesicht verankert, begrüßte er eine Gruppe aufgeregt wirkender Männer und Frauen, die alle in dem Augenblick von ihren Stühlen aufgesprungen waren, als er mit seiner Stabschefin in das enge Konferenzzimmer seines Senatsbüros gestürmt kam. Die Besucher waren an den massiven Eichentisch in der Zimmermitte gesetzt worden. Sie waren...
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