Nachdem seine Freundin Jocelyn ermordet wurde, versucht der Psychologe Jeremy Carrier sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und beginnt eine Beziehung mit der jungen Angela. Dann erhält er mysteriöse Botschaften, die ihn auf die Spur von Jocelyns Mörder bringen sollen. Als Jeremy das Rätsel gelöst zu haben glaubt, verschwindet Angela spurlos …
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Jonathan Kellerman ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Kinderpsychologe. Seine Reihe mit dem Psychologen Dr. Alex Delaware ist berühmt für höchst einfühlsam entwickelte Figuren und eine raffinierte Handlung: Hochspannung von der ersten bis zur letzen Seite. Dafür ist er unter anderem mit dem „Edgar-Alan-Poe-Award”, Amerikas bedeutendstem Krimipreis, ausgezeichnet worden.
"Kellerman weiß wirklich, wie man den Leser süchtig macht."
The New York Times Book Review
"Jonathan Kellerman hat den psychologischen Thriller zur Kunstform erhoben."
Los Angeles Times
"Viele Krimis haben entweder einen teuflisch guten Plot oder glaubwürdige Charaktere. Kellerman bildet eine Ausnahme: Bei ihm kommt beides zusammen. Meisterhaft!"
USA Today
Wilde Emotionen, totes Gewebe.
Als polare Gegensätze hatte Jeremy Carrier sie immer angesehen.
Im Rahmen eines Krankenhauses gab es keine zwei Disziplinen, die weniger miteinander gemein hatten als Psychologie und Pathologie. Als jemand, der die Erstere ausübte, hatte sich Jeremy immer seine Aufgeschlossenheit zugute gehalten; ein guter Psychotherapeut arbeitete hart daran, Vorurteile zu vermeiden.
Aber in all den Jahren seiner Ausbildung und seiner klinischen Arbeit am City Central Hospital hatte Jeremy wenige Pathologen getroffen, die nicht nach demselben Muster geschaffen waren: verschlossene, vor sich hin murmelnde Typen, die sich mit Brocken nekrotischen Fleisches, dem abstrakten Expressionismus von Abstrichen und im Kühlhaus-Ambiente der Leichenhalle im Souterrain wohler fühlten als mit lebenden, atmenden Patienten.
Und seine Kollegen in der psychologischen und psychiatrischen Zunft und alle anderen Soldaten der geistigen Gesundheitsarmee waren überaus zart besaitete Naturen, die der Anblick von Blut abstieß.
Dabei war es nicht so, als hätte Jeremy tatsächlich irgendwelche Pathologen kennen gelernt, obwohl er ein Jahrzehnt lang in den Korridoren an ihnen vorbeigegangen war. Die gesellschaftliche Struktur des Krankenhauses war zu High-School-Empfindsamkeiten regrediert: Wir-Sie als Religion, eine kräftige Vermehrung von Kasten, Cliquen und Intrigen, endlose Rangeleien um Macht und Territorium. Hinzu kam die Verkehrung von Zweck und Mittel, die jede Bürokratie erobert: Das Krankenhaus hatte sich von einem Ort der Heilung, der Gelder benötigte, um Patienten zu behandeln, zu einem städtischen Arbeitgeber in großem Maßstab entwickelt, der Patientenhonorare brauchte, um die Löhne und Gehälter seiner Belegschaft zu bezahlen.
All das schuf einen gewissen asozialen Beigeschmack.
Ein Bündnis der Isolierten.
Am City Central gesellte sich Gleich gern zu Gleich, und nur die allerletzten Notwendigkeiten ärztlicher Versorgung führten zu Fremdbestäubung: Internisten, die schließlich ihre Niederlage zugaben und Chirurgen hinzuzogen, Allgemeinmediziner, die tief Luft holten, bevor sie sich in den Sumpf der Therapie stürzten.
Welchen Grund konnte es für einen Pathologen geben, einen Psychologen zu Rate zu ziehen?
Aufgrund all dessen – und weil eine teuflische Wendung des Schicksals Jeremy Carrier in einen gequälten, zerstreuten jungen Mann verwandelt hatte – brachte ihn Arthur Chess’ Eröffnung aus dem Gleichgewicht.
Vielleicht bildete Jeremys Zerstreutheit die Grundlage für alles Folgende.
Seit fast einem Jahr sah Jeremy Arthur einmal pro Woche, aber die beiden Männer hatten nie ein Wort miteinander gewechselt. Trotzdem blieb Arthur jetzt im Speisesaal der Ärzte Jeremy gegenüber stehen und fragte ihn, ob es ihm recht sei, wenn er sich zu ihm setze.
Es war kurz vor 15 Uhr, die eigentliche Mittagspause war längst vorüber und der Speiseraum beinahe leer.
Jeremy sagte: »Klar«, und merkte dann, dass das eine krasse Übertreibung war.
Arthur nickte und ließ seinen schweren Körper auf einen kleinen Stuhl sinken. Auf seinem Tablett standen zwei Portionen Brathähnchen, ein Berg Kartoffelpüree mit Soße, ein vollkommenes Quadrat Maisbrot, eine kleine Schüssel Succotash – junger Mais mit Bohnen – und eine Dose Coca-Cola, auf der sich Kondenswasser gebildet hatte.
Jeremy starrte auf das Essen und fragte sich: Kommt er aus den Südstaaten? Er versuchte sich zu erinnern, ob Arthurs Stimme einen entsprechenden Akzent hatte, und glaubte, das verneinen zu können. Wenn überhaupt, lag im Bariton des älteren Mannes ein Hauch von Neuengland.
Arthur Chess zeigte kein unmittelbares Interesse an Konversation. Er breitete eine Serviette in seinem Schoß aus und widmete sich dem ersten Hähnchenteil. Er machte rasche und elegante Schnitte mit seinen langen Fingern, deren breite Nägel kurz gestutzt waren. Sein langer weißer Laborkittel war bis auf einen verstörenden rosaroten Spritzer auf dem rechten Ärmel von der Farbe frisch gefallenen Schnees. Unter dem Kittel trug er ein Oxford-Hemd mit blauen Pünktchen und Button-down-Kragen. Arthurs tiefrote Fliege hing auf eine Weise schief, die Absicht vermuten ließ.
Jeremy schätzte den Pathologen auf mindestens fünfundsechzig, vielleicht älter, aber seine rosafarbene Haut strahlte vor Gesundheit. Ein gepflegter weißer Backenbart, der Arthurs langes Gesicht umrahmte, vermittelte einen Eindruck davon, wie der Lincolns ausgesehen hätte, wenn es dem ehrlichen Abe vergönnt gewesen wäre, alt zu werden. Sein kahler Schädel hatte unter der grausamen Krankenhausbeleuchtung etwas geradezu mondähnlich Imposantes.
Jeremy kannte Arthurs Ruf so, wie man sich des Lebenslaufs eines Fremden bewusst ist. Professor Chess, früher Chef der Pathologie, hatte sich vor einigen Jahren seiner administrativen Verpflichtungen entledigt, um sich auf die Forschung zu konzentrieren. Irgendwas mit bösartigen Bindegewebsgeschwülsten, den Minuzien der Durchlässigkeit von Zellwänden oder was auch immer.
Arthur genoss auch den Ruf eines Weltreisenden und Amateur-Lepidopterologen. Seine Abhandlung über die Aas fressenden Schmetterlinge Australiens hatte in der Krankenhausbuchhandlung neben den üblichen Taschenbüchern mit Unterhaltungsliteratur ausgelegen. Jeremy war der einzelne Stapel schmutzig brauner Bände ins Auge gefallen, weil sie im Vergleich mit den Umschlägen reißerischer Bestseller trist aussahen. Der braune Stapel schien nie kleiner geworden zu sein; warum sollte ein Patient auch etwas über Insekten lesen wollen, die Leichen fraßen?
Arthur vertilgte drei Bissen Hähnchenfleisch und legte die Gabel hin. »Ich hoffe wirklich, Sie halten mich nicht für aufdringlich, Dr. Carrier.«
»Ganz und gar nicht, Dr. Chess. Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?«
»Behilflich?« Arthur wirkte amüsiert. »Nein, ich suche nur einen Gesprächspartner. Mir ist aufgefallen, dass Sie in aller Regel allein essen.«
»Mein Dienstplan«, log Jeremy. »Absolut unberechenbar.« Seit sein Leben den Bach runtergegangen war, hatte er es vorgezogen, Gespräche nur noch mit seinen Patienten zu führen. Er war an dem Punkt angekommen, wo er den Freundlichen simulieren konnte. Aber manchmal, an den dunkelsten Tagen, war jeder zwischenmenschliche Kontakt schmerzhaft.
Die kleinen Wendungen des Lebens …
»Natürlich«, sagte Chess. »Angesichts der Art Ihrer Arbeit muss das ja wohl so sein.«
»Sir?«, sagte Jeremy.
»Die Unberechenbarkeit menschlicher Gefühle.«
»Das stimmt.«
Arthur nickte ernst, als hätten sie beide ein bedeutsames Einverständnis erzielt. Einen Augenblick später sagte er: »Jeremy – darf ich Sie Jeremy nennen?–, Jeremy, ich habe bemerkt, dass Sie diese Woche nicht an unserer kleinen dienstäglichen Zusammenkunft teilgenommen haben.«
»Mir ist etwas dazwischengekommen.« Jeremy kam sich vor wie ein Kind, das man beim Schuleschwänzen ertappt hatte. Er rang sich ein Lächeln ab. »Unberechenbare Gefühle.«
»Etwas, das sich klären ließ, hoffe ich?«
Jeremy nickte. »Irgendwas Neues aus der T. K.?«
»Zwei neue Diagnosen, ein Adenosarkom und eine CML. Die typische Präsentation, die übliche angeregte Diskussion. Um ehrlich zu sein, Sie haben nichts verpasst.«
Unsere kleine dienstägliche Zusammenkunft war die Tumor-Kommission. Ein allwöchentliches Ritual, von acht bis neun Uhr in dem größeren Konferenzzimmer, wo Arthur Chess eine Besprechung von Onkologen, Röntgentherapeuten, Chirurgen und Pflegepersonal mit Spezialausbildung leitete. Über einen Diaprojektor gebot, einen Leuchtstab schwang und sein umfangreiches Gedächtnis zum Einsatz brachte.
Seit fast einem Jahr war Jeremy der Vertreter der geistigen Gesundheitsarmee gewesen. In der ganzen Zeit hatte er sich einmal zu Wort gemeldet.
An seiner ersten T.-K.-Sitzung hatte er Jahre zuvor als Assistenzarzt teilgenommen und sie als ironische Absurdität empfunden: Dias von tumorverwüsteten Zellen klickten auf einer riesigen Leinwand, die Bilder durch den Nikotindunst kaum zu erkennen.
Mindestens ein Drittel der Krebsärzte und -schwestern qualmte eine nach der anderen.
Jeremys Chef zu jener Zeit, ein erstaunlich aufgeblasener Psychoanalytiker, hatte eine Meerschaumpfeife freudianischen Ausmaßes umklammert und Latakiawolken in Jeremys Gesicht geblasen.
Schon damals hatte Arthur die Zügel in der Hand gehabt, und er hatte nicht viel anders ausgesehen als heute, wie Jeremy erkannte. Der Leiter der Pathologie rauchte nicht, aber er legte auch kein Veto ein. Ein paar Monate später steckte eine reiche Gönnerin bei einer Führung durch das Krankenhaus den Kopf zur Tür herein und schnappte nach Luft. Kurz darauf erließ das Krankenhaus ein Rauchverbot, und die Stimmung auf den darauf folgenden T.-K.-Sitzungen war gereizt.
Arthur trennte ein kleines Maisbrotquadrat von dem großen Stück ab und kaute nachdenklich. »Kein Verlust für Sie, Jeremy, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es den Sitzungen zugute kommt, wenn Sie dabei sind.«
»Tatsächlich?«
»Selbst wenn Sie nicht viel sagen, hält die Tatsache Ihrer Anwesenheit den Rest von uns auf Zack. Sensibilitätsmäßig.«
»Nun ja«, erwiderte Jeremy, der sich fragte, warum der alte Mann ihm so schamlos um den Bart ging, »wenn es zur Sensibilität beiträgt.«
»Als Sie sich damals zu Wort gemeldet haben«, sagte Arthur, »ist das uns allen eine Lehre gewesen.«
Jeremy fühlte, wie er rot wurde. »Ich hatte den Eindruck, es gehörte zur Sache.«
»Oh, das tat es, Jeremy. Nicht jeder hat es so gesehen, aber das tat es.«
Als er sich damals zu Wort gemeldet hatte – das war sechs Wochen her. Arthur zeigte Dias eines metastasierenden Magenkarzinoms auf der großen Leinwand und definierte die Tumoren in dem exakten poetischen Latein der Histologie. Die Patientin, eine achtundfünfzigjährige Frau namens Anna Duran, war wegen »allgemeiner Teilnahmslosigkeit« an Jeremy überwiesen worden.
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Zustand: Fair. : Sumérgete en la inquietante novela 'Der Pathologe' de Jonathan Kellerman, donde el Dr. Jeremy Carrier se ve envuelto en una pesadilla tras el brutal asesinato de su amante. Mientras la policía lo investiga, más mujeres aparecen muertas de la misma forma, intensificando las sospechas sobre él. Para probar su inocencia, Jeremy sigue el rastro de un psicópata, con la ayuda del enigmático patólogo Dr. Arthur Chess. ¿Podrá Jeremy descifrar las pistas y detener al asesino antes de que sea demasiado tarde? EAN: 9783442465941 Tipo: Libros Categoría: Otros Título: Der Pathologe Autor: Jonathan Kellerman Editorial: Goldmann Wilhelm GmbH Idioma: de Páginas: 377 Formato: tapa blanda. Bestandsnummer des Verkäufers Happ-2025-06-19-4e5881b5
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Taschenbuch. Zustand: Gut. 384 Seiten Goldmann 2007 : Jonathan Kellerman - tb - anderes cover 9R-1N81-FY97 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 299. Bestandsnummer des Verkäufers 145926
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