Der Gauner Feucht von Lipwig wird dazu verdonnert, die heruntergekommene Post der Scheibenwelt wieder auf Vordermann zu bringen. Im alten Postamt von Ankh-Morpork ruht die Arbeit seit vielen Jahren, Berge von Briefen haben sich angesammelt. Doch Feucht bleibt keine Wahl. Und mit seinen Mitarbeitern Pumpe, Grütze und Stanley gelingt es ihm tatsächlich in kurzer Zeit, im Postamt wieder für regen Betrieb zu sorgen – sehr zum Ärger der Konkurrenz vom Großen Strang der Klacker. Dieses Unternehmen zur Übermittlung von Nachrichten mittels Klackertürmen wird von dem Betrüger Reacher Gilt angeführt, der jetzt versucht, Feucht aus dem Weg zu räumen. Doch den hat selbst der Ehrgeiz gepackt: Feucht fordert seinen Konkurrenten zu einem öffentlichen Wettstreit »Postkutsche gegen Klacker« auf – wer kann eine Nachricht schneller in das zweitausend Meilen entfernte Gennua bringen?
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Terry Pratchett, geboren 1948, fand im zarten Alter von 13 Jahren den ersten Käufer für eine seiner Geschichten. Heute zählt der kleine Mann mit dem großen schwarzen Schlapphut zu den erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und ist einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt. Seit 1983 schreibt er Scheibenwelt-Romane. Inzwischen widmet er sich ganz seiner Schöpfung, und seine Gemeinde wird täglich größer. Dabei ist er zweifellos der Autor mit dem skurrilsten ehemaligen Beruf: Er war jahrelang Pressesprecher für fünf Atomkraftwerke beim Central Electricity Generating Board. Nach eigener Auskunft hat er nur deshalb noch kein Buch darüber geschrieben, weil es ihm ja doch keiner glauben würde. Seinen Sinn für Realsatire hat der schrille Job jedenfalls geschärft. Von seinen Scheibenwelt-Romanen wurden weltweit rund 50 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 34 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur wurde ihm sogar die Ritterwürde verliehen. Umgeben von den modernsten Computern (und so durch ein Stück Schnur mit dem Rest der Welt verbunden) lebt Terry Pratchett mit seiner Frau Lyn in der englischen Grafschaft Wiltshire.
Andreas Brandhorst, 1956 im norddeutschen Sielhorst geboren, schrieb bereits in jungen Jahren phantastische Erzählungen für deutsche Verlage. Es folgten zahlreiche Heftromane - unter anderem für die legendäre Terranauten-Serie - sowie Fantasy- und Science-Fiction-Taschenbücher. Im Kantaki-Zyklus, zu dem "Feuerstürme" gehört, sind bereits die Romane "Diamant", "Der Metamorph" sowie "Der Zeitkrieg" erschienen. Andreas Brandhorst lebt als freier Autor und Übersetzer in Norditalien.
"Terry Pratchett ist schlicht und einfach der beste komische Schriftsteller unserer Zeit!"
Oxford Times
"Pratchetts Humor sprüht vor Witz und Intelligenz."
Publishers Weekly
"Er ist zum Schreien komisch. Er ist weise. Er hat Stil."
Daily Telegraph
Der 9000-Jahr-Prolog
Die Flottillen der Toten segelten auf Flüssen unter Wasser um die Welt.
Fast niemand wusste von ihnen. Aber die Theorie ist leicht zu verstehen.
Das Meer ist in vielerlei Hinsicht nur eine nassere Art von Luft. Und es ist bekannt, dass die Luft umso dichter wird, je tiefer man kommt, und umso leichter, je höher man fliegt. Wenn ein Schiff im Sturm untergeht und sinkt, so erreicht es irgendwann eine Tiefe, in der das Wasser unter ihm dickflüssig genug ist, um es zu tragen.
Dort hört es auf zu sinken und schwimmt auf einer Oberfläche unter Wasser, außerhalb der Reichweite der Stürme, aber ein ganzes Stück über dem Meeresgrund.
Stille herrscht dort. Tödliche Stille.
Manche der gesunkenen Schiffe tragen noch ihre Takelage, einige sogar noch ihre Segel. Auf vielen weilt noch die Besatzung, in der Takelage verheddert oder ans Ruderrad gebunden.
Und die Reisen gehen weiter, ziellos, ohne einen Hafen in Sicht, denn Strömungen ziehen durchs Meer. Die gesunkenen Schiffe mit ihren toten Besatzungen segeln um die Welt, über versunkene Städte hinweg und zwischen Bergen, die vom Grund des Ozeans aufragen, bis Fäulnis und Bohrwürmer sie auseinander brechen lassen.
Manchmal fällt ein Anker bis hinab zu der dunklen, kalten Stille der tiefen Ebene und stört dort die Ruhe der Jahrhunderte, indem er eine Wolke Schlamm aufwirbelt.
Einer hätte fast Anghammarad getroffen, der dort unten saß und die weit oben dahinziehenden Schiffe beobachtete.
Er erinnerte sich daran, denn es war das einzig Interessante, das in neuntausend Jahren geschah.
Der Ein-Monat-Prolog
Unter den Klackerleuten grassierte eine … Krankheit.
Sie ähnelte dem Leiden, das Seeleute »Sonnenstich« und »Tropenfieber« nannten: Nach Wochen auf einem spiegelglatten Meer, unter sengender Sonne, glaubten sie plötzlich, das Schiff wäre von grünen Feldern umgeben, und dann gingen sie über Bord.
Manchmal glaubten die Klackerleute, dass sie fliegen konnten.
Der Abstand zwischen den großen Semaphortürmen betrug etwa acht Meilen, und ganz oben befand man sich etwa fünfzig Meter über der Ebene. Es hieß, wenn man dort zu lange ohne Hut arbeitete, so wurde der Turm immer höher, und der nächste Turm kam immer näher, und dann dachte man vielleicht, dass man von einem Turm zum anderen springen oder auf den unsichtbaren Nachrichten reiten konnte, die zwischen ihnen unterwegs waren. Oder man hielt sich selbst für eine Nachricht. Manche glaubten, es wäre nur eine Funktionsstörung des Gehirns, verursacht vom Wind in der Takelung. Niemand wusste es genau. Wer fünfzig Meter über dem Boden in leere Luft tritt, hat nur selten Gelegenheit, später von seinen Erfahrungen zu berichten.
Die Türme bewegten sich ein wenig im Wind, aber das war in Ordnung. Dieser Turm war völlig neu konstruiert. Er speicherte die Kraft des Winds für seine Mechanismen, und er bog sich, anstatt zu brechen. Er verhielt sich mehr wie ein Baum und weniger wie eine Festung. Man konnte den größten Teil davon auf dem Boden bauen und ihn in nur einer Stunde aufrichten. Es war ein Gebilde voller Anmut und Schönheit. Und mit dem neuen Klappensystem und den bunten Lichtern konnte dieser Turm Mitteilungen viermal schneller übermitteln als die alten.
Besser gesagt: Er hätte sie viermal schneller übermitteln können, wenn es gelungen wäre, einige Probleme zu lösen …
Der junge Mann kletterte schnell bis zum höchsten Punkt des Turms. Den größten Teil des Wegs nach oben legte er in grauem Morgendunst zurück, dann erreichte er herrlichen Sonnenschein, und der Dunst breitete sich unter ihm aus, reichte wie ein Meer bis zum Horizont.
Er schenkte der Aussicht keine Beachtung. Er hatte nie davon geträumt zu fliegen. Stattdessen träumte er von Mechanismen, davon, sie besser funktionieren zu lassen als jemals zuvor.
Derzeit wollte er herausfinden, warum das neue Klappensystem erneut klemmte. Er ölte die Schieber, überprüfte die Spannung der Drähte und schwang sich dann über die frische Luft, um die eigentlichen Klappen zu kontrollieren. Das war normalerweise nicht vorgesehen, aber jeder Klackermann wusste, dass man nur so weiterkam. Außerdem war es überhaupt nicht gefährlich, wenn man …
Etwas klirrte. Der junge Mann blickte zurück und stellte fest, dass der Schnappverschluss der Sicherheitsleine auf dem Laufgang lag. Er sah den Schatten, fühlte den grässlichen Schmerz in den Fingern, hörte den Schrei und fiel …
… wie ein Anker.
1
Der Engel
Unser Held erfährt Hoffnung, das größte Geschenk – Das Schinkenbrötchen des Bedauerns – Ernste Reflexionen eines Henkers über die Todesstrafe – Berühmte letzte Worte – Unser Held stirbt – Gespräch über Engel – Die Unratsamkeit unangebrachter Angebote in Hinsicht auf Besenstiele – Ein unerwarteter Ritt – Eine Welt frei von ehrlichen Leuten – Ein humpelnder Mann – Man hat immer eine Wahl
Es heißt, die Aussicht, am Morgen gehängt zu werden, hilft dem Geist eines Mannes, sich zu konzentrieren. Leider konzentriert er sich unweigerlich darauf, dass er in einem Körper steckt, der am Morgen gehängt werden soll.
Liebevolle, aber unkluge Eltern hatten dem Mann, der gehängt werden sollte, den Namen Feucht von Lipwig gegeben, doch er wollte seinem Namen keine Schande bereiten – falls das noch möglich war –, indem er damit starb. Für die Welt im Allgemeinen und die des Todesurteils im Besonderen war er Albert Spangler.
Er ging positiv an die Situation heran und hatte sich auf die Vorstellung konzentriert, am Morgen nicht gehängt zu werden, besonders darauf, mit einem Löffel all den Mörtel um einen Stein in der Wand seiner Zelle zu entfernen. Seit fünf Wochen arbeitete er daran, und der Löffel war inzwischen so abgenutzt, dass er einer Nagelfeile ähnelte. Glücklicherweise kam an diesen Ort niemand, um die Bettwäsche zu wechseln, sonst wäre die schwerste Matratze der Welt entdeckt worden.
Der große und schwere Stein beanspruchte derzeit all seine Aufmerksamkeit. Ein großer Eisenring war darin eingelassen, um Handschellen daran zu befestigen.
Feucht nahm vor der Wand Platz, griff mit beiden Händen nach dem Ring, stemmte die Beine gegen die Steine zu beiden Seiten und zog.
Seine Schultern fingen Feuer, und roter Dunst bildete sich vor seinen Augen, aber der Steinblock glitt aus der Wand, begleitet von einem leisen und unpassenden Klimpern. Feucht schaffte es, ihn beiseite zu ziehen, und blickte dann in das Loch.
Am anderen Ende sah er einen weiteren Steinblock, und der Mörtel darum herum wirkte verdächtig stark und frisch.
Direkt davor lag ein neuer Löffel. Er glänzte.
Während Feucht ihn noch betrachtete, klatschte es hinter ihm. Er drehte den Kopf, wobei die Sehnen ein kleines Riff der Agonie zupften, und sah mehrere Wärter auf der anderen Seite des Gitters.
»Bravo, Herr Spangler!«, sagte einer von ihnen. »Ron hier schuldet mir fünf Dollar. Ich habe ihm gesagt, dass du ein zäher Bursche bist! Er ist ein zäher Bursche, habe ich ihm gesagt!«
»Du hast dies alles arrangiert, Herr Wilkinson?«, fragte Feucht schwach und beobachtete, wie der Löffel das Licht reflektierte.
»Nicht wir. Lord Vetinari hat es angeordnet. Er besteht darauf, allen verurteilten Gefangenen die Aussicht auf Freiheit zu bieten.«
»Freiheit? Aber da steckt ein großer Stein drin!«
»Ja, das stimmt, in der Tat«, bestätigte der Wärter. »Es geht nur um die Aussicht, verstehst du? Nicht um die Freiheit als solche. Das wäre ein wenig dumm, nicht wahr?«
»Ich denke schon«, sagte Feucht. Er sagte nicht »ihr Mistkerle«. Während der vergangenen sechs Wochen hatten ihn die Wärter recht gut behandelt, und er legte Wert darauf, mit Leuten auszukommen. Darauf verstand er sich sehr gut. Menschenkenntnis gehörte zu seinem Handwerkszeug; darauf lief praktisch alles hinaus.
Außerdem hatten die Wärter große Knüppel. Deshalb wählte Feucht seine Worte...
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Anbieter: Studibuch, Stuttgart, Deutschland
hardcover. Zustand: Sehr gut. 448 Seiten; 9783442545650.2 Gewicht in Gramm: 1. Bestandsnummer des Verkäufers 1531579
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