Große Frauenliteratur – eine bewegende Familiensaga von der norwegischen Bestsellerautorin Anne B. Ragde.
Als die alte Amalie Thygesen stirbt, jubeln viele in der Familie. Nur eine trauert ehrlich und ist entsetzt über die hasserfüllten Reaktionen, die selbst die Trauerfeier überschatten: Therese, die Enkelin. Sie erinnert sich an eine exzentrische, noch immer gut aussehende Frau, die mit allen Männern flirtete und ihr all die Märchen erzählte, die von der nüchternen Mutter als Unfug abgetan wurden. Aber kennt Therese wirklich die ganze Geschichte? Eine ungewöhnliche Spurensuche in die Vergangenheit beginnt.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren. Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens und wurde mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt mit dem Norwegian Language Prize und dem Norwegischen Buchhandelspreis. Mit ihrer Trilogie »Das Lügenhaus«, »Einsiedlerkrebse« und »Hitzewelle« schrieb sie sich in die Herzen der Leserinnen und Leser; ihre Romane erreichten in Norwegen eine Millionenauflage. Anne B. Ragde lebt heute in Trondheim.
Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat u.a. Werke von Jostein Gaarder, Håkan Nesser und Anne Holt übersetzt. Zusammen mit Dagmar Mißfeldt und Christel Hildebrandt hat sie schon mehrere Anthologien skandinavischer Schriftsteller herausgegeben.
"Ein Buch über Frauen, über ihr Verständnis von Liebe und Hass - aber keineswegs nur für Frauen."
Fredrikstad Blad
"Ein berührendes Buch, das unter die Haut geht."
Kvinner og Klaer
"Ein Roman über die Macht der Liebe und das Recht jedes Menschen, Fehler zu machen und seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Meisterhaft!"
Glad i mat
Für meine süße, kleine Therese, schrieb meine Großmutter auf ein Stück weißes Papier, das sie an einer Golduhr befestigt hatte. Die Uhr lag in ihrer Nachttischschublade, der Zettel war mit einem Gummi am Armband festgemacht.
Diese Wörter waren mit seegrüner Tinte geschrieben. Die Armbanduhr war einer von zwei Gegenständen, die sie mir vermachen wollte; mir und keiner anderen. Das Gummiband war rot und brüchig. Alle ihre Habseligkeiten waren mit Gummis umwickelt, sie schienen sorgfältig zusammengezurrt worden zu sein, um auf eine lange Reise oder einen Umzug mitgenommen zu werden. Wir fanden sogar Gummibänder um kleine Gläser mit zugeschraubten Deckeln, so als solle das Glas an sich zusammengehalten werden. Ich kann sehen, wie Omas kleine runzlige, krallenhafte Hände mit dem abblätternden rosa Nagellack die Gummis um die Gläser wickeln - eine sinnlose Tätigkeit -, und ich kann hören, wie totenstill es derweil im Haus ist.
Es war die Verlängerung dieser Stille, auf die meine Mutter mich aufmerksam machen wollte, als sie am Telefon sagte:
»Mutter ist tot.«
Und dann lachte sie. Sehr lange. Ein lautes, schroffes Lachen mit keuchendem Atem.
»Oma ist tot?«
»Ja. Ist das nicht fantastisch?«
Der kleine Stian stand mit einem Stück Klopapier neben mir, ich hatte ihm gerade die Nase putzen wollen.
»Ist Oma etwa tot?«, rief er.
»Nein, nicht deine Oma«, sagte ich. »Meine Oma. Die Mutter deiner Oma.«
Ich klemmte mir den Hörer zwischen Kinn und Schultern und putzte Stian die Nase, drückte ein Nasenloch nach dem anderen zusammen. Auf jeder Seite zweimal blasen, eine gemeinsame Aktion seiner Nase und meiner Finger, die keine Worte brauchte. Danach lief er auf braunen, dünnen Beinen und mit eifrig wackelnden Ellbogen auf die Veranda hinaus.
»Ich höre, dass du dich freust, Mutter.«
»Ja. Ich bin so glücklich, Therese! Ich ... und Ib geht es auch so, er hat angerufen, wir sind so ... so ... Und du musst mit nach Kopenhagen kommen! Endlich können wir das ganze Haus durchsehen, können alle Schubladen und Schränke öffnen. Das wird fantastisch, Therese.«
»Ich kann mir im Moment keine Reise nach Kopenhagen leisten, Mutter.«
»Ich lade dich ein. Das wird fast wie ein Kurzurlaub. Und Ib hat doch Stian noch nie gesehen! Gott, wird das schön ...«
Wieder lachte sie, ein verirrtes Mädchenlachen, dem ich atemlos lauschte. Die langen Vorhänge vor der Balkontür bewegten sich leicht, so wie Vorhänge das im Spätsommer immer tun, so wie alle Vorhänge das zu allen Zeiten getan haben. Ich fing an zu weinen, gab mir aber alle Mühe, meine Mutter das nicht merken zu lassen.
»Lädst du mich wirklich ein?«
»Ja. Wirklich. Wir bekommen doch das Haus, Therese. Das wird kein Problem.«
Ich sagte, dass ich an diesem Abend nicht mehr bei ihr vorbeischauen könne, dass das wirklich unmöglich sei, dass ich keinen Babysitter hätte. Sie fand sich sofort mit dieser Erklärung ab und erzählte, dass sie eine Flasche Wein öffnen, sich in den Sonnenwinkel auf der Veranda setzen und richtig feiern wollte.
Ich sagte, bis dann, und blieb ganz still am Telefontisch sitzen. Ich legte die Hände in den Schoß und musterte sie. Wie viele Jahre hatte ich die Möglichkeit gehabt, sie den Hörer hochheben und Omas Telefonnummer wählen zu lassen? Oder einen Brief zu schreiben? Oder hinzufahren? Ich war neun Jahre zuvor von zu Hause ausgezogen. Neun Jahre lang hatte ich die Möglichkeit gehabt, mich gegen die Loyalität gegenüber meiner Mutter zu entscheiden. Auf jeden Fall hatte ich die Möglichkeit gehabt, es zu verbergen. Aber Oma hätte das nicht geschafft. Sie hätte sich den Triumph nicht verkneifen können. Sie hätte mich wie eine Trophäe vor Mutters Gesicht hin und her geschwenkt.
Stian vergaß alles, bis er im Kinderfernsehen sah, wie eine tote Katze beerdigt wurde. Er brach in Tränen aus. Er sagte: »Du bist traurig, du, Mama.«
»Weinst du deshalb?«
»Oma ist doch nicht tot?«
»Nein. Sie lebt, genau wie immer. Und weißt du was, wir fahren mit ihr zusammen nach Kopenhagen. Du und ich und Oma. Kopenhagen liegt in Dänemark.«
»Wo Oma gewohnt hat, als sie noch klein war?«
»Ja. Genau da.«
»Wo ihre Mama tot ist?«
»Ja.«
»Sehen wir sie dann? Wo sie doch tot ist?«
»Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht. Möchtest du das?«
»Ist sie ganz weiß und hat sich zu einem Klumpen zusammengerollt?«
»Sie liegt bestimmt auf dem Rücken.«
»Die Katze, die tot war, lag wie ein Klumpen da. Die lag nicht auf dem Rücken.«
»Tiere liegen nicht so oft auf dem Rücken. Das liegt daran, dass sie auf vier Beinen gehen. Menschen gehen auf zwei, deshalb liegen sie auf dem Rücken.«
Das hörte sich natürlich und logisch an, obwohl ich im Moment den Zusammenhang nicht durchschauen konnte. Aber Stian war mit dieser Antwort zufrieden. Seine Hand lag kurz und braun und krumm über der Armlehne des Sessels, in dem er saß. Er hielt es für selbstverständlich, dass sie dort lag und lebendig war, dass sie dort lag und auf ihn wartete, auf den Moment, in dem er beschloss, sie zu etwas zu benutzen.
»Du gehst aber nicht tot, Mama?«
»Nein. Spinnst du? Nie im Leben. Mama wird immer hier sein.«
Ich dachte, er würde darum bitten, in dieser Nacht in meinem Bett schlafen zu dürfen, aber das tat er nicht. Ich hätte mich gerne ganz und gar auf ihn konzentriert; mich seinem Schlaf angepasst, auf seinen Herzschlag gehorcht und gesehen, wie seine Augenlider im Traum zitterten. Aber stattdessen lag ich allein in der Dunkelheit, mit einem Schuldgefühl, das alle guten Erinnerungen an meine Großmutter überlagerte. Ich lag mit trockenen Augen in der Dunkelheit und spürte, wie überraschend warm es unter der Decke geworden war. Es war eine Wärme, die von meinem eigenen Körper stammte, eine Wärme, über die ich keine Kontrolle hatte. Endlich würde ich zu ihr fahren dürfen.
Ich wollte, dass Stian sich für den Rest seines Lebens an diese Reise erinnern könnte, und dass seine Erinnerungen ganz anders aussähen als meine. Ich wurde Zeugin seines äußerlichen Erlebens; er dagegen besaß den kleinen Körper, der zwischen Schopf und Fußsohle steckte. Ich erhielt meine Version des Verlaufs der Ereignisse, er die seine. Jede auf ihre Weise verließen unsere Geschichten die Wirklichkeit und wurden zu dem Widerschein. So wie meine Oma eine andere war als die Mutter meiner Mutter. So wie meine Liebe zu ihr existierte, vielleicht unverständlich für alle, außer für meinen Großvater.
Mutter hatte fieberheiße Augen, lachte laut und häufig und erlitt am Flughafen einen Anfall von Panik, weil wir unsere Pässe vergessen hatten, doch dann fiel ihr ein, dass wir ja nur nach Dänemark wollten. Sie entschuldigte sich damit, dass sie ein Gefühl im Leib habe, als solle es auf eine viel weitere Reise gehen. Während wir zum Einchecken Schlange standen, betrachtete ich Stian, sah, wie er ihre Hand suchte. Ich dachte daran, wie ich sie als Kind ebenfalls gesucht hatte, aber ich wusste auch, dass sie seine Hand auf eine ganz andere Weise anfasste, als sie das jemals mit meiner gemacht hatte. Und mich überkam plötzlich ein heißes Glücksgefühl, weil ich einen Sohn hatte und keine Tochter, weil ich keine künftige Mutter liebte und großzog, sondern einen Vater. Über Väter weiß ich nämlich nichts, diese Rolle würde ich ihm also niemals verderben können.
Wir fanden unsere Plätze und schnallten uns an. Ich schloss die Augen und war plötzlich sechs Jahre alt, in neuen Ferienkleidern, mit der Puppe Liv in einem winzigen roten Koffer, unterwegs zu einer lebendigen Oma. Die Stewardess bemühte sich um das allein reisende kleine Mädchen, lächelte ihm beruhigend zu, versprach, es zum Kapitän zu bringen, wenn das Flugzeug erst seine Flughöhe erreicht hätte, und dann könnte es alle Knöpfe und Lämpchen sehen und feststellen, dass auch riesige Flugzeuge Scheibenwischer hätten.
Ich öffnete die Augen und sah, dass...
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
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Softcover. Zustand: Befriedigend. 446 Seiten - Als die alte Amalie Thygesen stirbt, jubeln viele in der Familie. Nur eine trauert ehrlich : Therese, die Enkelin. Sie hat ihre Großmutter geliebt. Aber kennt sie auch die wahre Geschichte. Große Gefühle aus Norwegen - eine bewegende Familiensaga über die Macht der Liebe. Bestandsnummer des Verkäufers 10870
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Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten. / Describes the average WORN book or dust jacket that has all the pages present. Bestandsnummer des Verkäufers M03442730775-G
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Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: very good. Gut/Very good: Buch bzw. Schutzumschlag mit wenigen Gebrauchsspuren an Einband, Schutzumschlag oder Seiten. / Describes a book or dust jacket that does show some signs of wear on either the binding, dust jacket or pages. Bestandsnummer des Verkäufers M03442730775-V
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Anbieter: HPB-Ruby, Dallas, TX, USA
paperback. Zustand: Very Good. Connecting readers with great books since 1972! Used books may not include companion materials, and may have some shelf wear or limited writing. We ship orders daily and Customer Service is our top priority! Bestandsnummer des Verkäufers S_468978748
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Anbieter: Wimbauer Buchversand, Hagen, NRW, Deutschland
kart. Zustand: Befriedigend. Genehmigte Taschenbuchausg., 1. Aufl. 446 S. ; 19 cm ArsenikktÃ¥rnet.- folienkaschiertes exBibliotheksexemplar mit den üblichen Stempeln/Signaturen, Kanten gering bestossen /// Standort Wimregal HAA-25579 ISBN 9783442730773 WITHIN THE EU: shipping only to GERMANY and AUSTRIA due to the new EPR regulations. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 356. Bestandsnummer des Verkäufers 149472
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Anbieter: Ammareal, Morangis, Frankreich
Softcover. Zustand: Très bon. Ammareal reverse jusqu'à 15% du prix net de cet article à des organisations caritatives. ENGLISH DESCRIPTION Book Condition: Used, Very good. Ammareal gives back up to 15% of this item's net price to charity organizations. Bestandsnummer des Verkäufers H-700-089
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Anbieter: Bookbot, Prague, Tschechien
Softcover. Zustand: Fair. Unbekannte Unterschrift / Widmung; Leichte Gebrauchsspuren; Leichte Verformung / umgeknickte Seiten. Grosse Frauenliteratur - eine bewegende Familiensaga von der norwegischen Bestsellerautorin Anne B. Ragde. Als die alte Amalie Thygesen stirbt, jubeln viele in der Familie. Nur eine trauert ehrlich und ist entsetzt uber die hasserfullten Reaktionen, die selbst die Trauerfeier uberschatten: Therese, die Enkelin. Sie erinnert sich an eine exzentrische, noch immer gut aussehende Frau, die mit allen Mannern flirtete und ihr all die Marchen erzahlte, die von der nuchternen Mutter als Unfug abgetan wurden. Aber kennt Therese wirklich die ganze Geschichte? Eine ungewohnliche Spurensuche in die Vergangenheit beginnt. Bestandsnummer des Verkäufers c90dbd18-ce83-4911-bb02-e2611e2affec
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Taschenbuch. Zustand: Gut. 448 Seiten btb - 1. Auf. 2007 : Anne B. Ragde - tb HM-PEH5-Z9LC Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 358. Bestandsnummer des Verkäufers 65652
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