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Am Ende des Weges: Roman: Roman. Deutsche Erstausgabe - Softcover

Will North

 
9783453405271: Am Ende des Weges: Roman: Roman. Deutsche Erstausgabe

Inhaltsangabe

„Ich weiß, dass die Macht dieser Liebe mich zerstören wird. Aber ich hatte keine andere Wahl.“

Der Amerikaner Alec möchte die Asche seiner verstorbenen Frau in Wales verstreuen, auf dem rauen Cadair Idris. Er wohnt am Fuße des Bergs in einem gemütlichen Bed & Breakfast, das von Fiona und ihrem todkranken Mann betrieben wird. Als der Witwer darauf wartet, dass das Wetter endlich erlaubt, den letzten Wunsch von Gwynne zu erfüllen, geschieht etwas, das nicht geschehen darf: Er und Fiona verlieben sich ineinander.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Will North arbeitete unter anderem als Ghostwriter für Bill Clinton und Al Gore und wurde für seine schriftstellerische Tätigkeit im Sachbuchbereich ausgezeichnet, bevor er sich äußerst erfolgreich dem Romangenre zuwandte. "Am Ende des Weges" ist sein erster Roman und wurde gleich ein internationaler Erfolg. Er lebt in Seattle, Washington und Großbritannien.

Aus dem Klappentext

"Erinnert an den Bestseller "Die Brücke am Fluss""
Booklist

"Eine reine Freude."
Library Journal

"'Am Ende des Weges' beschreibt bewegend, wie die Liebe das Leben zweier Menschen von Grund auf verändert."
Seattle Times

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Prolog

Sie war im ersten Stock und putzte gerade das letzte ihrer drei Gästezimmer, als sie auf dem Kiesweg im Vorhof Autoreifen knirschen hörte. Das wunderte sie. Es war früh am Sonntagnachmittag. Die Übernachtungsgäste vom Wochenende hatten sich längst verabschiedet und für Neuankömmlinge war es zu früh - sie erwartete auch gar keine; niemand hatte gebucht. So kurz vor Weihnachten, wenn die Winterstürme von der Irischen See heranbrausten, verirrte sich kaum noch jemand in ihr abgelegenes Tal im Nordwesten von Wales. Sie freute sich über die Ruhepause; im Sommer und im Herbst war viel zu tun gewesen. Sie musste zugeben, dass es in ihrem Alter (sie war an eben diesem Tag fünfzig geworden) angenehm war, eine Zeit lang etwas weniger Arbeit zu haben. Eigentlich war das Haus auch an diesem Wochenende nur voll gewesen, weil der reiche alte Bryn Thomas, der sie seit dem Tod ihres Mannes David gedrängt hatte, die Farm zu verkaufen, selbst tot umgefallen war. Er war dreimal verheiratet gewesen und in Dolgellau gab es nicht genug Betten für all die Verwandten, die zu seiner Beerdigung angereist waren - wohl lediglich, dachte sie zynisch, um herauszufinden, was sie erben würden. In Wahrheit war Thomas hinter mehr als nur ihrem Hof her gewesen, doch davon hatte sie genauso wenig wissen wollen. Sie brauchte Bryn Thomas' Geld nicht und seine Aufmerksamkeiten ebenfalls nicht. Sie wusste, was Liebe war, obwohl sie es erst spät gelernt hatte, und mit weniger würde sie sich nie wieder zufriedengeben.
Sie huschte durch den niedrigen oberen Flur zu dem Gästezimmer, von dem aus man den Vorhof überblicken konnte, und schaute durchs Fenster. Es war ein stürmischer Tag, und der schneidende Nordwestwind trieb Regen und Graupel gegen die Fensterscheiben. Ein kleiner, neu aussehender silberfarbener Wagen - Automodelle hatte sie noch nie gut auseinanderhalten können - hatte unten vor dem Haus geparkt. Die Fahrertür öffnete sich, und ein sehr großer Mann in einem Kapuzenanorak stieg aus, bog den Rücken durch, als sei er steif vom Fahren, und bückte sich dann erneut in den Wagen, um einen Stock herauszuholen. Durch das regenüberströmte Fenster war nicht viel zu erkennen, doch sie glaubte, einen älteren Herrn vor sich zu haben. Er schloss die Autotür, nahm den Stock in die rechte Hand, zog die Schultern hoch, um sich gegen den Wind zu schützen, und ging zur Vordertür, die außerhalb ihres Blickfeldes lag.
Froh, die Zimmer schon hergerichtet zu haben, raffte sie das schmutzige Bettzeug zusammen, das sie im Flur auf einen Haufen geworfen hatte, stieg die Hintertreppe hinab, ließ die Wäsche auf dem alten Kiefertisch im Zentrum ihrer großen, warmen Küche liegen und eilte zur Haustür. Sie konnte hören, dass der Mann sich auf den Steinplatten draußen das Wasser von den Schuhen trat.
»Ach, lassen Sie das und kommen Sie aus dem Regen!«, schalt sie freundlich, als sie die Tür aufriss. »Sie werden sich noch den Tod holen!«
Der Mann stand leicht vorgebeugt und ein wenig von ihr abgewandt da und streifte sich den Regen von den
Schultern. Er richtete sich auf, drehte sich zu ihr um, schob die Anorakkapuze zurück und strich sich das volle silberweiße Haar aus der Stirn.
Fiona erstarrte und blickte wie gebannt in seine klaren blauen Augen. Auf seinem wettergegerbten Gesicht erschien ein Lächeln, und eine Stimme, von der sie geglaubt hatte, sie würde sie nie wieder hören, sagte: »Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Fiona.«
Ihre rechte Hand flog zum Mund, und sie wich taumelnd von der Tür zurück. Mit der linken Hand tastete sie nach der Wand hinter sich. Als sie dort Halt gefunden hatte, griff sie nach der Armlehne des alten Stuhls, den sie in den Flur gestellt hatte, damit ihre Gäste sich dort die dreckigen Stiefel ausziehen konnten, sank darauf zusammen und schloss die Augen.

10. April 1999

Eins

In einem Leben, das lang genug dauert, gibt es seltsame Symmetrien, die man erst im Nachhinein erkennt - wenn überhaupt. Momente, in denen ein Erlebnis oder eine Wahrnehmung auf einen ähnlichen Moment in einer anderen Zeit hindeutet und eine Verbindung zur Zukunft oder auch zur Vergangenheit herstellt, Momente, in denen es sich so anfühlt, als schlösse sich ein Kreis, der etwas unendlich Wertvolles umfasst und vollendet.
Oftmals beginnt oder endet dieser Kreis - manchmal beginnt er gar von Neuem - mit einer kleinen Veränderung in der Welt der Sinne: einem Laut, einem Geruch, einem flüchtigen Blick, einem instinktiven Gefühl. Das ist eine Welt, die man uns zivilisierte Menschen zu missachten gelehrt hat. Als der französische Philosoph René Descartes 1637 »Cogito ergo sum« schrieb, läuteten diese drei Worte auf Latein - Ich denke, also bin ich - eine Ära ein, die von Historikern die Aufklärung genannt wird. In gewisser Weise leben wir immer noch in dieser Welt, einer Welt, in der der Verstand mehr zählt als die Sinne, in der das rationale Denken über den Gefühlen angesiedelt ist. Und doch, und doch ... in unserem Leben geschehen Dinge, die dieser eitlen Behauptung widersprechen: Am Firmament unseres alltäglichen Lebens gibt es winzige Verschiebungen, die Welt scheint in ihrem Lauf kaum merklich innezuhalten, die wegweisenden Lichter der Erfahrung flackern unerklärlich - und alles ist anders. Das sind Momente, die mit dem Verstand nicht zu fassen sind, sondern nur mit den Sinnen.
Für Fiona Edwards begann dieser Kreis folgendermaßen: Eines Samstagabends zu Beginn des Frühjahrs sah Fiona, die in dem Moment gerade an ihrer Küchenspüle stand, aus den Augenwinkeln unten auf der Hauptstraße, am Tor zu dem langen, gewundenen Weg, der sich den Hügel zur Farm hochschlängelte, einen blauen Farbtupfer aufblitzen. Die Tan-y-Gadair-Farm war vor Jahrhunderten nach dem Berg benannt worden, dessen Felsen hinter der rückwärtigen Weide emporragten: nach dem Cadair Idris - »dem Stuhl des Idris«, einem Riesen aus den walisischen Sagen. Das Fenster über der Spüle bot allerdings keine Sicht auf den Berg, sondern einen Panoramablick auf das idyllische Tal weit unterhalb der Farm. Da die untergehende Sonne an jenem Aprilabend schon tief im Westen stand, leuchteten die Wiesen beinahe neongrün, und die uralten Steinmauern, die Fionas Auffahrt säumten, glänzten wie mit Gold überzogen. Dies war ihre liebste Jahreszeit, das lang erwartete Ende der traurigen, nassen Wintertage, eine Zeit des Aufbruchs. Doch abgesehen von der Aussicht gefiel Fiona an dem Fenster, dass es ihr erlaubte, ihre Gäste kommen zu sehen und sie bei ihrer Ankunft bereits draußen begrüßen zu können.
Ah, sagte sie zu sich selbst, das werden endlich die Bryce-Wetheralls sein. Jahr um Jahr bekam die Bed-and-Breakfast-Pension, die Fiona Edwards in ihrem Natursteinfarmhaus aus dem 16. Jahrhundert betrieb, Preise von der walisischen Tourismuszentrale, dem Königlichen sowie dem Britischen Automobilclub, und ein Grund war die Herzlichkeit des Empfangs. Die Besucher auf Tan y
Gadair schrieben ihr oft ins Gästebuch, dass sie ihnen das Gefühl gebe, sie kämen »heim« - obwohl sie noch nie da gewesen seien.
Die Bryce-Wetheralls, ein Ehepaar aus Manchester, hatten vor einiger Zeit angerufen, um zu sagen, dass sie Probleme mit dem Wagen hätten und sie sich vielleicht etwas verspäten würden. Die anderen Gäste waren bereits eingetroffen und nach dem Tee zum Abendessen in die Stadt gefahren. Eine ungewöhnliche Warmwetterperiode Ende März hatte die Urlaubssaison in diesem Jahr früh beginnen lassen.
Fiona ließ sich Zeit. Der Weg zur Farm war fast eine halbe Meile lang. Er führte auf und ab, um Felsvorsprünge herum und durch Eichenwäldchen hindurch, und ein Großteil der Strecke war von der Farm aus nicht einzusehen. Sie räumte das Geschirr vom Nachmittagstee auf, legte ihre Schürze ab und ging durch das alte Haus zur Vordertür. Im Spiegel über der Anrichte im Esszimmer überprüfte sie ihr Aussehen und krauste die Stirn. Sie war zierlich und sah mit ihren dreiundvierzig...

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