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Sternennebel: Roman: Roman. Deutsche Erstausgabe - Softcover

Adam Roberts; Alfons Winkelmann

 
9783453520448: Sternennebel: Roman: Roman. Deutsche Erstausgabe

Inhaltsangabe

In seinem neuen Roman erzählt der gefeierte Autor von „Sternenstaub“ von der Besiedlung des Planeten Nebel-2, die zunächst euphorisch, doch dann immer schwieriger verläuft: Denn unter den Kolonisten von der Erde bilden sich schon bald zwei Fraktionen, die sich mit allen nur erdenklichen Mitteln bekämpfen – und damit die Existenz ihrer neuen Welt gefährden.


Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Adam Roberts ist eine der vielversprechendsten Stimmen in der neueren britischen Science Fiction. Geboren 1965, studierte er Englische Literatur in Aberdeen und Cambridge und arbeitet derzeit als Dozent an der University of London.

Aus dem Klappentext

"Adam Roberts ist einer der besten Science-Fiction-Autoren seit Jahren!"
Peter F. Hamilton

"Adam Robert ist der neue Stern am Himmel der Science Fiction! Seine kreative Energie scheint grenzenlos."
Independent

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Reise

Petja

Salz ist kristallen, zusammengesetzt aus Natrium und Chlor; facettiert und klar. Einfach und rein. Welches Leben gäbe es ohne Salz? Bekannt ist es als Gottes Diamant, und es soll uns bewusst machen, wie unendlich variabel die Größenverhältnisse aus göttlicher Sicht sind. Dieses winzige Fragment Halit, es ist ein Pünktchen, ein Atom; aber verloren sein, übersehen werden oder ungezählt bleiben kann es für Gott niemals. Jedes Gran ist eine Landschaft, eine Welt. Es ist ein prächtiger Fels, ein Diamant, groß wie ein Berg, ein gewaltiger Würfel aus Eis. Darin eingeschlossen sind wollige Mammuts, grimassierende Männer in Fellen und Häuten, Gebäude, Autos, Bäume, und alles steht in einem bestimmten Winkel zueinander. Die Oberfläche der Welt ist ein Laken, plan wie polierter Kunststoff; glatt wie Glas.
Und Salz vereint das Gute und das Böse, Yin und Yang, Gott und Teufel. Nehmen Sie Natrium, die Würze des Lebens! Ohne Natrium könnte das Körpergewebe kein Wasser halten. Fehlendes Natrium würde zum Tode führen. Unser Blut ist eine Suppe aus Natrium. Und dann das Metall – so weich ist es, dass Sie es wie Wachs zwischen den Fingern kneten können; es ist weiß und perlig, wie der Mond in einer klaren Nacht. Werfen Sie es ins Wasser, und es nährt sich gierig von den Wellen; es verschlingt den Sauerstoff und befreit den Wasserstoff mit solcher Heftigkeit, dass es entflammt und verbrennt. Natrium ist der Stoff, aus dem die Sterne sind. Natrium ist das Metall, das, in rokokohaften Schnörkeln, Kopfstütze und Armlehnen von Gottes Thron überzieht.
Aber das Chlor! Chlor ist grün, gasförmig und giftig wie die Schwaden der Hölle. Es bleicht, es brennt, es erstickt, es tötet. Es ist schwerer als Luft und sinkt herab, wallt hinab in die Hölle, aus der es kam. Und dann wir, Sie und ich, die wir zwischen Himmel und Hölle schweben. Wir sind salzig.
Wir waren siebenunddreißig Jahre unterwegs gewesen. Nicht eingerechnet die achtzehn Monate, die wir benötigten, uns im Erdorbit zu sammeln und langsam mit den Steuertriebwerken zu beschleunigen, bis wir in eine elliptische Bahn um unseren Kometen eingeschwenkt waren. Auch nicht die beiden Wochen, die wir damit verbrachten, uns an jener dampfende Eiswelt zu verankern; unser Kabel zu befestigen (mein ursprüngliches Spezialgebiet); die Brenner, die zwölf Haupttriebwerke in einem Zodiakalring um das Zentralkabel zu montieren und uns dann mit den Steuertriebwerken endgültig auszurichten.
Unser Komet, Brennstoff und Prellbock zugleich, nahm langsam Geschwindigkeit auf. Dahinter wir, am Kabel angehängt, elf kleine Heimstätten, wie Muscheln an der Halskette eines Kindes. Wissen Sie, wie lange wir brauchten, bis wir Reisegeschwindigkeit erreicht hatten? Über ein Jahr lang beschleunigten wir mit 1,1 ge. Ein Jahr unter Schwerkraft, in dem keine Hibernation möglich war; ein Jahr im Wachzustand, zusammengedrängt mit unseren Schwestern und Brüdern, unseren Kindern, unseren Freunden und Feinden, unseren Geliebten und Verflossenen. Ein Jahr, in dem wir uns eingesperrt und schwer vorkamen, nach Schweiß stanken und nach Scheiße; ein Jahr, in dem wir wiederaufbereitete Nahrung zu uns nahmen. Ein Jahr der Spiele, der Gespräche und der Meditation, ein Jahr, in dem wir nichts taten und in dem es nichts zu tun gab, außer darauf zu hoffen, dass unser Komet uns zu der schönen neuen Welt führen würde.
Und sich natürlich Sorgen zu machen, weil schließlich viel schiefgehen kann. Ein Komet kann Risse bekommen, wie ein Juwel unter einem Hammer auseinanderbrechen. Wie gekonnt das Kabel auch befestigt ist, es könnte schadhafte Stellen aufweisen, was zu Materialermüdung führen und es schließlich unter dem Zug der Beschleunigung losrütteln könnte. Und in diesem Fall (ich habe Aufzeichnungen gesehen) explodiert der ganze Eisweltling schlicht und einfach und fliegt auseinander wie ein Schneesturm aus Papier, wie ein Sturm aus – nun ja, Salz. Wenn dann die Beschleunigung noch nicht allzu groß ist, muss man seinen kostbaren Brennstoff dazu nutzen, abzubremsen, umzudrehen und im langsamen, langsamen Schritt der Steuertriebwerke nach Hause zurückkehren; und das kann Jahre dauern. Zwölf Jahre, in einem Fall. Und wenn die Geschwindigkeit relativistisch geworden ist, der Lichtgeschwindigkeit nahe kommt, dann kann man nichts mehr tun. Man würde seinen gesamten Treibstoff beim Versuch des Abbremsens verbrauchen; dann ist man in der Schwärze verloren, im Nichts. Keine Kometen zum Einfangen, um Treibstoff für eine Heimreise zu tanken. Das Beste ist dann, sich schlafen zu legen und die Schiffe weitertrudeln zu lassen und darauf zu hoffen, dass man die fünfzig Jahre oder die hundert Jahre oder die tausend Jahre überstehen wird, die man braucht, um das Ziel ohne volle Geschwindigkeit zu erreichen. Natürlich erreicht man es nicht. Man wird wahnsinnig werden. Oder man wird ohne einen Kometen als Puffer vom Geröll des Weltalls zerschreddert. Von den Partikeln, den Stäubchen. Selbst ein Stäubchen kann bei relativistischen Geschwindigkeiten tödlich sein. Was ein weiterer Grund dafür ist, dass wir uns auf unserer Reise hinter großen Klumpen von Eisfelsen verschanzen. Sie müssen uns den Weg freiräumen.
Manchmal trifft ein Komet auf ein allzu großes Hindernis. Wir vermuten zumindest, dass so etwas vorkommt, aber wer erzählt in diesem Fall die Geschichte? Schiffe gehen verloren. Einige Schiffe sind vielleicht verloren, die wir – und woher sollten wir es wissen? – noch für intakt halten. Wir glauben, sie haben ihr Ziel erreicht und eine entsprechende Botschaft die zwanzig Lichtjahre zurückgeschickt. Und während dieser zwanzig Jahre glauben wir voller Hoffnung, nehmen wir das Beste an. Trifft jedoch keine Botschaft ein, kommen uns Zweifel. Sind sie immer noch unterwegs, hat ein Unglücksfall ihre Reise abgebremst? Oder sind sie bei 0,7 c mit einem mittelgroßen Felsklumpen zusammengestoßen? Mit einer wirksamen Barriere, die zufällig auf ihrem Weg lag? Einer kosmischen Mine, gelegt von Gott? Überlegen Sie mal, wie heftig der Aufprall, wie gewaltig die Kraft wäre! Selbst wenn unsere Schiffe den guten Teil eines Kilometers hinter dem Puffer hängen, wäre das Ergebnis eine Katastrophe.
Wir sind so zerbrechlich. Wir lösen uns in der Unendlichkeit auf wie Salz im Wasser. Ach, ja, aber ich darf den Vergleich nicht überstrapazieren.
Soll ich Ihnen von der Intimität des Lebens im Jahr der Beschleunigung erzählen? Von der beständigen Gegenwart anderer Menschen, von einem unerträglichen Mangel an Privatheit, dass sie zu einer fernen, blassen Erinnerung wurde? Menschen schissen, während unmittelbar daneben andere Menschen ihr Frühstück zu sich nahmen und zu gelangweilt waren, um der Angelegenheit auch nur einen Blick zu schenken. Liebespaare kopulierten, und direkt neben ihnen stritten sich, ohne das Treiben zu beachten, ein alter Mann und eine alte Frau. Das krankhaft künstliche Licht schaltete sich morgens mit brutaler Plötzlichkeit ein und abends ab wie eine zunichte gemachte Hoffnung. Die Dunkelheit war voller Knurren, Furzen, Schniefen, Husten. Voller Gemurmel von Menschen, die sich zwar immer noch unterhielten, aber nicht mehr mit der sprühenden Energie eines normalen Nachtlebens. Denn wir befanden uns in der dunkelsten aller Nächte, in der Nachtzeit der interstellaren Leere. Lautes Sprechen, Singen oder Tanzen erschien irgendwie unangemessen in jener Dunkelheit, und zu hören gab es lediglich das Gemurmel von Menschen, die im Wahn oder in ihrer Verzweiflung Selbstgespräche führten. Seltsam, wie sehr sich das Gemurmel von jemandem im Gespräch, selbst wenn das Gegenüber nur schweigend zuhört, von dem einer einzelnen Person unterscheidet! Soll ich Ihnen sagen, was mich während der ersten Monate am meisten verblüffte? Wie sehr die Haut der Menschen litt! Wir nahmen Nahrungsergänzungsstoffe zu uns, Vitamine, Mineralien, aber die Haut der Menschen wurde blass und pustelig. Flecken und Pickel, alle Arten von Karbunkeln...

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