Während das Sonnensystem vor einer großen Bedrohung steht – belagert von der Terminalen Kolonne –, erhält Perry Rhodan einen Kontakt aus der Vergangenheit, aus den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts. In merkwürdigen Visionen wird ihm ein Bild jener Zeit vermittelt, das sich mit der aktuellen Zeit vermischt. Er erkennt: Mittels sogenannter Zeittürme sucht der Mutant Ernst Ellert den Kontakt zu ihm. Doch aus welchem Grund?
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Michael Marcus Thurner, geboren 1963, veröffentlichte erste Romane im Rahmen der PERRY RHODAN-Fan-Edition, bevor er im Jahr 2002 als Stammautor in die ATLAN-Serie einstieg. Seit Anfang 2005 schreibt Thurner als festes Mitglied im PERRY RHODAN-Team. Der Autor lebt und arbeitet in Wien.
5. November 1344 NGZ
�Ein Fenster also. Eines, das spricht und nach mir verlangt.�
�So ist es.� Startac Schroeder l�ste den Gleiter aus dem Leitsystem und landete ihn von Hand. �Warum wolltest du ausgerechnet hier runter? Wir sollten uns beeilen! Es sind noch mindestens zwei Kilometer Luftlinie bis zum Museum.�
Perry Rhodan ignorierte die Frage. �Die Fachleute vor Ort haben jegliche technische und audiovisuelle Manipulation ausgeschlossen�, fuhr er in seinen �erlegungen fort. �Kein Netz, kein doppelter Boden. Es handelt sich um ein unerkl�iches Ph�men.�
�Was ist es denn, deiner Meinung nach? Formenergie-und Materialtechniker, die sich nahe genug an das Fenster herantrauten, sprachen von ... Zauberei.�
�Und wir glauben nicht an Zauberei, stimmt's?�
Schroeder blickte ihn irritiert an. �Nat�rlich tun wir das nicht! Wir leben im vierzehnten Jahrhundert Neuer Galaktischer Zeitrechnung.�
�Im Zeitalter der Vernunft. Ich verga� Magie hat in unserer ach so aufgekl�en Epoche nichts verloren.�
�So ist es.� Der Teleporter blickte auf die Uhr seines Multifunktionsarmbands. �Wir sollten uns wirklich beeilen ...�
�Glaubst du, dass mir das sprechende Fenster davonl�t oder davonfliegt? Mir wurde gesagt, dass es sich seit einem Tag am selben Fleck befinde und auf mich warte. Also lassen wir es warten. Ich habe vor, einen Spaziergang zu machen. Ich m�chte Erinnerungen auffrischen. Wenn du willst, kannst du mich begleiten. Aber unsere Wachhunde bleiben bittesch�n zur�ck.�
Rhodan stieg als Letzter aus dem Gleiter. Er nickte freundlich in Richtung der ertrusischen Sicherheitschefin - wie hie�sie doch gleich? Sofie Huntrum? - und bewegte sich auf den Ausgang des Parkdecks zu.
Seine Schritte hallten von blau-wei�gekachelten W�en wider, deren Einfachheit in merkw�rdigem Gegensatz zu den protzigen und aufgemotzten Freizeitfahrzeugen stand, die in den vielen Seitennischen des Decks aufgereiht waren. Der wei� Gleiter mit dem Emblem der Solaren Residenz wirkte �lich angesichts des hier offen zur Schau gestellten Reichtums.
�Man wird dich erkennen�, gab Schroeder zu bedenken. �Du wirst Aufsehen erregen; mehr, als uns recht sein kann. Wir m�ssen an deine Sicherheit denken .�
�Geschenkt.� Rhodan tat die mahnenden Worte seines Begleiters mit einer kurzen Handbewegung ab. �Du wirst sehen: Niemand wird glauben, dass der terranische Resident einfach so durch die Stadt marschiert. Au�rdem habe ich mir sagen lassen, dass Rhodan-K�rpermasken zur Zeit der Schrei sein sollen.�
�Vielleicht in Terrania, wo deine Beliebtheitswerte hoch wie immer sind. Aber hier in Europa, in der Provinz ...�
�Dennoch!�, beharrte der Unsterbliche. �Ich m�chte meinen Kopf frei bekommen. Seit Tagen hetze ich von einer Konferenz zur n�sten ...�
�Bitte nicht mehr als eine halbe Stunde�, bat Schroeder, der hinter Rhodan ging. �Es ist ja nicht nur dieses Fenster, das uns Sorgen macht. Du musst Termine einhalten. Eine venusianische Delegation wartet ab zwei Uhr im Regenbogenzimmer der Residenz. Du wei�, um was es geht.�
�Nat�rlich wei�ich das!� Rhodan wartete, bis der Mutant aufgeholt hatte. �Die Leute werden sich gedulden m�ssen. Das hier geht vor.�
�Dennoch ...�
�Schluss jetzt, Startac!�, schnitt ihm Rhodan das Wort ab. �Ich m�chte mich am Markt umsehen, bevor wir uns an die Arbeit machen. Wei� du, wie lange ich nicht mehr in M�nchen war? Es ist gut und gern einhundertf�nfzig Jahre her.�
Schroeder nervte. Der Mann war gut f�r heikle Missionen, aber manchmal spielte er sich zu sehr als Oberlehrer auf. Das klappte vielleicht bei seinen Freunden, aber nicht bei Perry Rhodan selbst.
Am Ausgang der Gleiter-Garage wartete ein epsalischer Zwerg mit hochgezwirbeltem Schnurrbart. Man hatte ihn in eine viel zu enge Lederhose gezwungen. Die beiden stark behaarten Beine ragten wie Knackw�rste aus knielangen Hosen hervor, die breiten Plattf�� steckten in Bastsandalen. Mit seinem fast quadratischen K�rper versperrte er den aus allen Richtungen herbeistr�menden Marktbesuchern den Weg.
Der Epsaler wartete, bis rund drei�g Neuzuk�mmlinge versammelt waren, bevor er zu sprechen begann. Sein K�rper wirkte angespannt, als wolle er gleich platzen.
�Willkommen in M�nchen, der Hauptstadt des Freistaates Bayern, einer der letzten terranischen Freihandelsenklaven�, t�nte er. �Ich bin Blasius Steiner, der vom
Magistrat eingesetzte Marktw�ter. Freunde nennen mich kurz und b�ndig Blas.� Er lachte dr�hnend, als h�e er einen besonders guten Witz gemacht, setzte ein riesiges Bierglas an seinen Mund und sch�ttete mindestens die H�te des Getr�s in sich hinein. �Aaah! Es geht nichts �ber ein frisch gezapftes Weizen aus der Freistaatlichen Brauerei! Besucht den Bierstand in der Schrannenhalle und lasst euch ein Ma�kredenzen, erh�lich in den Abf�llungen Siga, Terra, Epsal, Ertrus und Haluter. Matten-Willys werden in der Regel nicht bedient.� Neuerlich lachte er v�llig unmotiviert, wieder trank er aus dem sch�ungsweise 25 Liter fassenden Krug. �Genie� die M�nchner Gem�tlichkeit, macht euch einen sch�nen Tag im Freihandelsstaat. Hier ist alles ein wenig anders, meine Freunde! Gesetze und Vorschriften, die Terrania f�r den Rest der Erde ausformuliert, besitzen hier nur bedingte G�ltigkeit. Wir Bayern lassen uns nicht gern etwas vorschreiben, m�sst ihr wissen.�
Am�siert beobachtete Perry Rhodan, wie der Epsaler namens Blasius hinter seinem Tresen ein weiteres volles Glas hervorzauberte und erneut zum Trinken begann. Der Metabolismus dieser Umweltangepassten verbrannte den Alkohol weitaus rascher, als dies einem Terraner jemals gelingen w�rde. Wahrscheinlich vertrug er 15 bis 20 Epsal-Ma�pro Tag, ohne auch nur einen Hauch von Trunkenheit zu sp�ren.
�... der Viktualienmarkt wurde im Jahr zweivierzig Neuer Galaktischer Zeitrechnung nach historischem Vorbild wieder aufgebaut�, erz�te Blasius soeben. �Das Magistrat verlie�sich bei der Neugestaltung auf altterranische Aufzeichnungen und Ged�tnisprotokolle, die der Arkonide Atlan zur Verf�gung stellte.�
Die mehr als f�nfzig Touristen, die sich mittlerweile rings um den Aufgang eingefunden hatten, zeigten Zeichen von Ungeduld, die selbst dem Epsaler nicht unbemerkt blieben.
�Noch ein paar Verhaltensregeln zum Abschluss�, sagte Blasius hastig. �Die Grenzen des Marktgebietes sind strikt abgesteckt. Lasst euch nicht von Schleichh�lern abwerben, die mit Sonderangeboten locken und euch in �ere Bereiche der Stadt verfrachten wollen. Auch gibt es seit einigen Wochen Probleme mit Posdiebs. Es handelt sich dabei um handtellergro� Schweberoboter mit schwachen formenergetischen F�hlern, die sich als Taschendiebe bet�gen. Zus�lich zur Pr�ng, die ich nach Bezahlung der Eintrittsgelder verabreiche, erh� jedermann einen Kontra-Chip, der den Posdiebs Einhalt gebietet. Tragt ihn jederzeit am K�rper und gebt ihn erst wieder ab, wenn ihr zu euren Fahrzeugen zur�ckkehrt. Die Marktverwaltung muss sonst die Haftung f�r verloren gegangene und gestohlene G�ter ablehnen.�
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