Der Dämon ließ einen fahren und erzeugte dabei außer einem schwefelartigen Geruch auch einen kleinen Feuerstrahl, der unter seinem Schwanz hervorschoss.
»Puh«, sagte Travis und wedelte mit der Hand vor der Nase herum. »Muss das sein?«
Der Dämon schwang seine ledernen schwarzen Flügel und flatterte wieder auf Whiplashs Kopf, wo er sich niederhockte.
»Sorry, aber ich konnte nicht anders. Muss an der zweiten Portion des guten Ziegenhodeneintopfs liegen.«
»Erinnere mich bloß nicht daran.«
Sie standen auf einem Berg und schauten auf eine düstere, von Schutzwällen umgebene Stadt hinab. In der Stadtmitte erhob sich die obligatorische Burg. Auch sie wirkte ziemlich düster, und die Fahnen, die schlaff an den Turmspitzen hingen, machten den Eindruck, als könnten sie eine ordentliche Wäsche vertragen.
»Sieht nicht gerade verlockend aus«, sagte Travis. »Weißt du, wie sie heißt?«
»Keine Ahnung«, antwortete der Dämon, der auf den Namen Jack hörte. »Ich bin schließlich kein gottverdammter fliegender Reiseführer.«
»Na ja, macht nichts. Diese Flecken sind ja sowieso alle gleich.« Er grub seine Hacken in Whiplashs Flanken, und das Pferd schnaubte zornig. Travis wiederholte seine Aufforderung, diesmal etwas nachdrücklicher. Wenn er bloß Sporen gehabt hätte. Widerwillig begann Whiplash, den Hügel hinunterzutrotten. Bei jedem Auf und Ab des Sattels zuckte Travis zusammen. Er ritt nun schon seit sieben Monaten auf diesem schrecklichen Pferd, aber sein Hinterteil hatte sich immer noch nicht an die fortwährende Misshandlung gewöhnt.
Es war heiß, und Travis schwitzte heftig, wodurch die grob gewebte Unterwäsche noch unangenehmer und rauer auf seiner Haut scheuerte.
Er blinzelte in die Sonne. Travis schätzte ihren Durchmesser auf nur etwa eine halbe Meile, aber dennoch war sie ein kleiner heißer Hundesohn von einem Stern.
Sie näherten sich dem Stadttor, das von zwei gelangweilt herumstehenden Soldaten bewacht wurde wenn man es denn bewachen nennen konnte. Die beiden trugen zerlumpte Uniformen, und ihre Helme und Brustpanzer schimmerten rostig. Sie waren um die vierzig und unrasiert; ihre Bierbäuche quollen unter der Panzerung hervor. Bewaffnet waren sie mit Piken und Schwertern. Travis strich über die 45er in dem Halfter an seiner rechten Hüfte, während er auf die Soldaten zuritt. Irgendwie beruhigte ihn die Berührung der Waffe. Die Wachen beäugten ihn und den Dämon mit unverhohlenem Misstrauen. Er brachte Whiplash vor ihnen zum Stehen.
»Hübsches Städtchen habt ihr hier, Jungs«, begrüßte er sie.
»Das ist kein Städtchen, sondern eine Stadt«, entgegnete einer der beiden missmutig.
»Eine Stadt«, höhnte Jack. »Fast hätte ich es gar nicht bemerkt. Und wie heißt diese eure Stadt?«
»Sie heißt Vallium«, sagte der andere Posten und warf Jack einen argwöhnischen Blick zu.
»Vallium?«, wiederholte Travis lachend.
»Was ist daran so komisch?«, fragte Wächter Nummer eins.
»Oh, nichts«, antwortete Travis eilig. »Vallium, so so. Hübscher Name.«
»Was wollt ihr hier?«, fragte Wächter Nummer zwei.
»Das wissen wir noch nicht«, entgegnete Travis. »Ich bin auf der Suche nach Arbeit.«
»In Vallium werdet ihr kaum Arbeit finden«, sagte Nummer zwei. »Wir befinden uns in einer Rezession. Was kannst du denn?«
»Er ist Aromatherapeut«, warf Jack ein.
»Was?«, fragten eins und zwei im Chor.
»Ähm, vergesst das einfach, Leute. Jack hat einen etwas seltsamen Humor. Eigentlich bin ich eine Art von wie soll ich sagen Problemlöserspezialist.«
Die beiden Männer sahen ihn verständnislos an.
»Ich ähm helfe den Leuten, ihre Probleme zu lösen Gegen Bezahlung.«
»Kannst du Hämorrhoiden wegkriegen?«, fragte Nummer zwei hoffnungsvoll.
Travis schüttelte den Kopf. »Nein, tut mir Leid. Diese Art von Problemen meine ich nicht.«
»Welche Art von Problemen meinst du dann?«, wollte Nummer eins wissen.
Travis zögerte etwas. »Nun, sagen wir, diese Stadt hätte ein Kriminalitätsproblem, zu viele Diebe und Mörder, ihr versteht schon. In diesem Fall würde ich den Behörden meine Dienste anbieten gegen Bezahlung, wie gesagt, und würde das Problem, äh, beseitigen.«
»Mit meiner Hilfe«, murmelte Jack.
»O ja, mit Jacks Hilfe.«
»Die Verbrechensrate von Vallium ist ziemlich niedrig«, sagte Nummer zwei. »Der König ist ein ganz scharfer Hund. Aber wir haben eine Rattenplage. Bist du auch für Ratten zuständig?«
»Nein, Ratten sind nicht mein Fall. Eher schon Drachen.«
Die beiden Wachposten blickten einander bedeutungsvoll an. Dann verkündete Nummer eins: »Komisch, aber wir haben in der Tat ein Drachenproblem. Ein ziemlich ernstes sogar.«
»Da bin ich ja gerade rechtzeitig gekommen«, meinte Travis mit einem breiten Grinsen.
Sie musterten ihn von oben bis unten. »Nichts für ungut, aber du siehst nicht gerade nach einem Drachentöter aus«, sagte Nummer eins. »Und mit diesem Dolch, der da an deinem Gürtel hängt, kannst du vielleicht ein Schwein abstechen, aber keinen Drachen. Und unseren schon gar nicht. Er ist ungefähr so groß wie eine Scheune und kann einen Mann aus fünfzig Meter Entfernung rösten. Wir hatten schon jede Menge so genannter Drachentöter hier, die mit ihm fertig werden wollten. Hatten Referenzen dabei, die so lang waren wie ihr Arm bis er ihnen weggebrannt wurde.«
»Nun, ich verfüge über verborgene Talente«, sagte Travis.
»Bist du ein Zauberer?«, fragte eins, völlig außerhalb der Reihe.
»Schön wär s. Nein, ich bin kein Zauberer. Dürfen wir nun in die Stadt?«
Die beiden schüttelten die Köpfe.
»Du könntest ein Spion sein«, gab Nummer eins zu bedenken. »Würde uns nicht nur den Job kosten, wenn wir dich reinlassen und du entpuppst dich als Spion. Der König würde unsere Köpfe auf den Befestigungsanlagen aufspießen lassen.«
»Jawohl«, pflichtete Nummer zwei bei. »Und wir würden unseren Pensionsanspruch verlieren.«
»Ich bin kein Spion«, sagte Travis.
»Nun, was solltest du auch sonst antworten. Kannst du es beweisen?«
Travis seufzte. »Für wen sollte ich denn spionieren? Befindet sich Vallium mit irgendjemandem im Krieg?«
»Eigentlich nicht«, musste Nummer zwei einräumen.
»Wie kann ich dann ein Spion sein?«
Sie schwiegen, bis Jack die Stille unterbrach: »Merkst du nicht, dass der Schlüssel zu dieser Stadt in deinem Portemonnaie liegt?«
»Oh«, entfuhr es Travis, als er endlich kapiert hatte, was Jack meinte.
Er knüpfte die Schnur seines Geldbeutels auf und griff hinein. Lediglich fünf Münzen klingelten darin.
Er nahm zwei Zehn-Schilling-Stücke heraus und warf jedem der Wächter eines zu. Langsam wurden seine finanziellen Mittel knapp, und der Ziegenhodeneintopf rückte wieder bedrohlich näher.
Nicht ohne vorher auf die Münzen zu beißen, salutierten die beiden Wachtposten. »Willkommen in Vallium, Squire«, sagte Nummer eins. »Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt«, fügte Nummer zwei hinzu.
»Danke. Könnt Ihr mir einen guten Gasthof empfehlen? Einen guten billigen Gasthof?«
»Aber sicher doch, Sir«, sagte Nummer zwei. »Folgt einfach nur der Hauptstraße bis zum Marktplatz. Direkt neben dem Galgen findet Ihr die Wirtschaft. Ihr könnt sie gar nicht verfehlen. Hängt ein großes Schild mit der Aufschrift Marktwirtschaft über der Tür.«
»Und ist sie auch billig?«
Nummer zwei zuckte mit den Schultern. »Sie gehört meinem Onkel, und wenn Ihr sagt, dass ich Euch geschickt habe, bekommt Ihr sicherlich einen Sonderpreis.«
»Und dein Name ist ?«, fragte Travis.
»Claude.«
»Also, vielen Dank, Claude, das nehme ich gerne in Anspruch.«
Er trat Whiplash in die Rippen, und mit einem entrüsteten Schnauben trottete das Pferd durch das Tor.
Bei näherer Betrachtung hielt Vallium, was der Name versprach. Die Gebäude, genau wie die Menschen auf den Straßen, machten einen öden Eindruck. Jack nahm Travis die Worte aus dem Mund, als er meinte: »Langweilig wäre untertrieben.«
»Nach allzu viel Wohlstand sieht es auch nicht gerade aus.«
»Das Geld findest du im Schloss,...
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