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Die Saga der neuen Welt 02. Der Kampf um die alte Welt - Softcover

Stackpole, Michael A.

 
9783453530607: Die Saga der neuen Welt 02. Der Kampf um die alte Welt

Inhaltsangabe

Nach dem großen Erfolg seiner Battletech-Romane sowie der Serie Düsterer Ruhm legt der amerikanische Bestsellerautor Michael A. Stackpole nun eine neue Fantasy-Saga vor: Die alte Welt ist in Dunkelheit versunken, ein neues Zeitalter bricht an. Doch noch sind die Dämonen der Vergangenheit nicht besiegt – und eine Gruppe tapferer Gefährten muss sich ihnen stellen…


Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Michael A. Stackpole wurde 1957 in Wisconsin geboren, wuchs in Vermont auf und machte dort 1979 seinen Universitätsabschluss in Geschichte. Seit 1987 arbeitet er als Fantasy- und Science-Fiction-Autor und war insbesondere mit Romanen zu den Serien „Battletech“, „Mechwarrior DarkAge“ sowie „Star Wars“ erfolgreich. Stackpole lebt mit seiner Familie in Arizona.

Aus dem Klappentext

"Michael A. Stackpoles Romane bieten Fantasy-Lesespaß pur: Abenteuer, Magie - und große Schlachten!"
Booklist

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Ranai Ameryne wartete, verborgen in den Schatten der Nacht. Sie lebte seit nahezu einer Woche im Wald außerhalb der Serrian Istor und war dabei, ganz und gar vertraut mit ihm zu werden. Selbst während ihrer Zeit als Straßenräuberin in Nalenyr schien sie nicht dermaßen mit der Umgebung verschmolzen zu sein. Als Gesetzlose waren sowohl Angst als auch Verachtung für die Gesellschaft ihre täglichen Begleiter gewesen und hatten ihr die Einheit mit der Natur ebenso unmöglich gemacht wie die mit der menschlichen Gesellschaft.
Hier im Wald jedoch fand sie Frieden. Sie beobachtete das Leben um sich herum, studierte das Schauspiel des Jagens und Gejagtwerdens. In der Jugend hatte sie eine einfache Erziehung genossen, die auf eine Rolle innerhalb der riesigen Regierungsbürokratie ausgelegt gewesen war. Diese Erziehung hatte sie gelehrt, dass alles seine Ordnung hatte und das Leben vollkommen und idyllisch war, solange nichts diese Ordnung störte.
Ihre Lehrer hatten sich dabei auf eine erstklassige Autorität berufen können. Großmeister Urmyr hatte in den Anfangsjahren des Imperiums mit seinen Büchern der Weisheit die Regeln der Welt in Worte gefasst. Wie er es in einer oft zitierten Weisheit ausdrückte: »Der Wind ist weise, und das Wasser weiser noch, denn niemand kann ihnen widerstehen. Doch die mit ihnen reisen, kommen schnell und leicht voran.«
Und meist werden solche Zitate als Mahnung benutzt, sich nicht gegen einen stärkeren Gegner zu stellen. Sie lächelte und war sich dabei bewusst, dass die Narbe auf ihrer linken Wange das Lächeln verzerrte. Für die, auf die sie wartete und die sie jagen wollte, würde sie der Wind und das Wasser sein.
Sie schaute zum Himmel empor. Fryl, der weiße Eulenmond, war nur halb zu sehen. Seine Stellung bestätigte, was sie spürte: Die Nacht näherte sich der Mitte. Bald würde man ihre Gegner freilassen. Dann würden sie nach ihr suchen, in dem Glauben, sie wären die Jäger. Doch das würde sich als Irrtum erweisen.
Sie schauderte, als ein schwaches Echo der Furcht sie durchzuckte. Bis zum Erntefest des vorigen Jahres hatte sie anderen Jägern einen ähnlichen Irrtum bewiesen. Ihr Name war Pavynti Syolsar gewesen und mit ihren Begleitern hatte sie in Nalenyr Reisenden aufgelauert. Das Fest hatte viele Menschen auf die Straße getrieben – die meisten hatte sie ausgeraubt. Sie hatte sich mit all ihren Beschützern gemessen – darunter waren sehr gute Schwertkämpfer – und hatte alle besiegt.
Bis auf Moraven Tolo. Zunächst hatte sie ihn nicht weiter beachtet. Ihrem Eindruck nach war er mittleren Alters – zumindest im mittleren Alter der meisten Menschen –, auch wenn sie in seinem langen schwarzen Haar kein Weiß gesehen hatte. Er hatte sich leicht und ohne Furcht bewegt. Er hatte sich als Xidantzu vorgestellt, und sie hatte ihn nur für einen weiteren der wandernden Krieger gehalten, von denen sie schon früher welche niedergestreckt hatte. Und dann erntete sie, was ihre Begleiter an Gold mitführten.
Danach hatte er sie aufgefordert, einen Kreis zu ziehen.
Selbst vier Monate später lief ihr noch ein kalter Schauder über den Rücken. So gut sie auch war, er war besser. Er war ein Meister des Schwertes – ein Großmeister oder sogar noch besser. Er war ein Mystiker, in der Lage, mit seiner Klinge Magie zu wirken. Er war der Wind und das Wasser. Ich hätte Erde, Holz und Feuer sein können und wäre ihm nicht gewachsen gewesen.
Eigentlich hätte es ihr Ende sein müssen, doch er hatte sich entschieden, sie nicht zu töten. Er hatte sie auf die Probe gestellt und ein gewisses Können bei ihr festgestellt. Und so hatte er von ihr verlangt, nach Süden zu reisen, an die Viriner Küste, und in die Serrian Istor einzutreten. Sobald Meister Istor sie entließ, sollte sie neun Jahre als Xidantzu durch die Dynastien wandern.
Sie hatte die Reise nach Süden auf sich genommen, obwohl sie jederzeit hätte davonlaufen können. Doch auch wenn sie eine Straßenräuberin gewesen war, fühlte sie trotzdem die Ehre einer Schwertkämpferin. Es war nicht die Angst vor Moraven Tolo, die sie von der Flucht abgehalten hatte. Es war das Wissen, dass er sie hätte töten können – und durch den Gehorsam seinem Befehl gegenüber erhielt sie die Chance zu einem neuen Leben.
Sie nahm dieses neue Leben an und begab sich auf schnellstem Weg zur Schule von Meister Istor. Dort wurde sie augenblicklich in die kleine Gruppe der Schüler aufgenommen, von denen die meisten mindestens zehn Jahre jünger waren als sie. Meister Kalun Istor hatte sich ihre Geschichte und den Grund ihres Kommens ohne ein Wort angehört. Sie hatte Spott oder Verachtung erwartet, aber nichts davon erfahren.
Meister Istor hatte zugehört. Dann nahm er wortlos einen Pinsel, tauchte ihn in Tusche und schrieb. Er legte den Pinsel beiseite und drehte das Blatt Papier um, so dass sie es lesen konnte. »Weißt du, was hier steht?«
Sie nickte. »Es lässt sich auf zweierlei Art lesen. Die eine lautet ›das kleine Junge des Tigers‹. Die andere ›Ranai Ameryne‹.«
Der greise Schwertmeister kniff die Augen zusammen und nickte. »Für dich gelten beide Lesarten. Du bist eine Tigerin, aber die Krallen müssen dir noch wachsen. Und von nun an heißt du Ranai Ameryne. Wer und was du einmal warst, ist Vergangenheit. Willkommen an meiner Schule, Ranai Ameryne.«
Meister Istor erwies sich als ebenso erbarmungslos wie weise. Ständig trieb er sie an. Er übergab ihr die Verantwortung für die heranwachsenden Schüler. Auch diese trieben sie an, ärgerten sie und lehrten sie im Rückblick, ihren Zorn zu bändigen, statt ihn gnadenlos an ihren Schützlingen auszulassen. Doch ihre Pflichten für die jüngeren Schüler befreiten sie nicht von ihren eigenen Studien, und häufig beanspruchte sie das eigene Lernpensum bis tief in die Nacht.
In ihren Studien erfasste sie den Konflikt, der sie in die Gesetzlosigkeit getrieben hatte. In dem Glauben erzogen, dass Wind und Wasser alles vor sich hertrieben, hatte sie ihr Leben lang auf Vergeltung gewartet, weil sie sich den Regeln widersetzte. Sie hatte ihre erste Ausbildung abgebrochen und ihr Zuhause verlassen, um die Schwertkunst zu studieren, wo immer sie eine Schule fand, die bereit war, sie aufzunehmen. Selten war sie irgendwo für lange Zeit geblieben – nie länger als zwei Jahre und häufig sehr viel kürzer – und hatte es vorgezogen, sich eine neue Schule zu suchen, statt sich dort, wo sie war, der Verantwortung und dem damit verbundenen Ärger zu stellen.
Ihr Leben war eine einzige Trotzübung geworden, und sie hatte auf die unvermeidliche Strafe gewartet. Doch Meister Istor lehrte sie zu verstehen, dass sie die Wahl hatte, jemand zu werden, der Wind und Wasser trotzte … oder selbst Wind und Wasser zu werden. Es ging nicht darum, sich an die Welt anzupassen, sondern darum, stark genug zu werden, so dass sich die Welt anpassen musste.
Das hätte unter Umständen ein Rezept für Größenwahn sein können, doch Ranais Ausbildung und Meister Istors Führung ermöglichten ihr, darüber hinauszuwachsen. Die bloße Tatsache, dass sie alle vernichten konnte, die sich ihr widersetzten, bedeutete keineswegs, dass sie sie auch vernichten musste. Ihr blieb sehr bewusst, dass Moraven Tolo sie hätte töten können, jedoch darauf verzichtet hatte. Sie folgte seinem Beispiel und suchte in ihren Gegnern noch den winzigsten Funken Fähigkeit, sich zu entwickeln. Wo kein solcher Funke existierte, konnte sie ohne Bedenken töten.
Sie erkannte noch mehr: Sie hatte eine kleine Schülergruppe zugeteilt bekommen, unter anderem, damit sie lernte, solche Funken zu erkennen. Sie war sich zwar beinahe sicher, dass sie keinen ihrer Schützlinge angegriffen hätte, wäre sie ihm in ihrem früheren Leben begegnet. Doch dass sie sich dessen nicht ganz und gar gewiss war, beunruhigte sie. Also zügelte sie sich – und bewunderte Moraven Tolo umso mehr für die Beherrschung, die er angesichts ihrer weitaus schlimmeren Provokation bewiesen hatte.
Und nun wartete sie im dunklen Wald...

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