Mudras: Geheimsprache der Yogis - Softcover

Ramm-Bonwitt, Ingrid

 
9783453700345: Mudras: Geheimsprache der Yogis

Inhaltsangabe

Das erfolgreiche Standardwerk zu einem Thema, das ständig an Beliebtheit gewinnt. Mit ihren Händen drückt die indische Tänzerin das Leben des gesamten Universums aus. Die Hände des Buddha enthüllen die Geheimnisse seiner Weisheit. Hände sind die Träger wichtiger Symbole, die sogar in die christliche Kunst Eingang gefunden haben. Die Bedeutung dieser Gesten, der Mudras, für den Westen wieder entdeckt und verständlich beschrieben zu haben, ist das Verdienst Ingrid Ramm-Bonwitts.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Ingrid Ramm-Bonwitt studierte in Frankfurt am Main Germanistik und Anglistik und wurde von Shri Mahesh zur Yoga-Lehrerin ausgebildet. Sie ist Autorin mehrerer Bücher über praktische Lebensführung im Lichte östlicher Weisheit, darunter die Bestseller "Mudras - Geheimsprache der Yogis" sowie "Yoga in der Schwangerschaft". Die Autorin lebt seit vielen Jahren in Paris.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Mudras im indischen Tanz

Die mystischen Handgesten, die Mudras, spielen im indischen

Tanz, der aufs Engste mit der Religion, der Poesie und der

Dramatik verbunden ist, eine so wichtige Rolle, dass ihnen

im Natyashastra, der ältesten Tanzbibel der Welt, ein ganzes Kapitel

gewidmet ist. Durch die Sprache der Hände und die Ausdrucksfähigkeit

des Gesichtes vermag der indische Tänzer allen

Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Die reiche Symbolik der

tänzerischen Gestensprache ist nur durch den vorausgegangenen

Bewegungsablauf und Sinnzusammenhang zu verstehen.

Die Kenntnis der indischen Mythologie bildet die Grundvoraussetzung

zum Verständnis des indischen Ausdruckstanzes.
Zu den bekanntesten indischen Tänzen gehören Raslila, der

Liebestanz Krishnas mit den Hirtenmädchen, der als Analogie

zur Beziehung zwischen der menschlichen Seele und Gott verstanden

wird, und Tandava, der kosmische Tanz des Gottes

Shiva, der die Zerstörung der Illusionswelt symbolisiert.

Der Gebärdentanz, der aus einer Verschmelzung der verschiedenen

Kulturströmungen in Indien hervorgegangen ist, lebt noch

heute in Hunderten von indischen Dörfern und Städten weiter.

Die hohe Kunst des Gebärdentanzes drang im 8. Jahrhundert

nach Christus nach Thailand, Kambodscha, Indonesien und Japan.

In diesem ganzen Kulturgebiet sind Gebärdentänze, wenn

auch in erstarrter Form, noch heute lebendig.

Der indische Tanz

Die indischen Tänze sind Mimen, in denen sich der Tänzer durch

Stellungen, Körperbewegungen und Gesten ausdrückt. Der mimische

Tänzer vermag in zwei Minuten das auszudrücken, was

das Worttheater in zwei Stunden sagt. So spielt der Mime in wenigen

Minuten den Lebenslauf eines Menschen, Jugend, Reife,

Alter und Tod. Die Symbolik der Geste ist so reichhaltig und

ebenso präzise wie die Kunst des Wortes. Beim indischen Tanz

mit seinen metaphysischen Tendenzen ersetzt die ganze Ansammlung

von Gebärden, Zeichen und Haltungen das Wort. Die

Körpersprache des indischen Tanzes vermag verborgene Bereiche

des Gefühlslebens und unergründliche Zustände des Denkens

auszudrücken, wozu die Sprache nicht imstande ist. Die

Symbole der Gestensprache gewinnen durch ihre Vielzahl an

Interpretationsmöglichkeiten eine größere Bedeutung für den

Geist, als es das Wort vermag. Sie bezaubern den Zuschauer und

bilden eine fortgesetzte Stimulanz für den Geist.

Der indische Tanz will den Zuschauer zu einer genussvollen,

aber leidenschaftslosen Betrachtung des Lebens anregen. Die

Mittel, mit denen der Tänzer diesen Genuss hervorruft, werden

durch die Begriffe "Bhava" und "Rasa" bezeichnet, die sich nicht

unmittelbar beschreiben, sondern nur umschreiben lassen. Bhava

ist eine Gefühlsregung, die von dem Tänzer bzw. der Tänzerin

dargestellt und ausgedrückt wird. Rasa heißt Geschmack und bezieht

sich auf die Erfahrung des Zuschauers, der mit seinen Sinnen

die dargestellten Bhavas aufnimmt und in sich eine entsprechende

Gefühlsregung erlebt. Diese wird Rasa genannt und als

eigentliche Erfahrung in der Kunst bezeichnet. Bhava ist die mimische

Darstellung dieser Emotionen durch den Künstler und

wird durch die Körpergestik (Gesicht, Hände, Haltung) von ihm

geformt. Bhava ist also das Kommunikationsmittel, durch das der
Zuschauer, unterstützt von Musik, Gesang und Tanz, in die Szene

transportiert wird. Dadurch wird es dem Zuschauer ermöglicht,

sich vollends in den dargestellten Charakter hineinzuleben und

dessen Stimmungen und Gefühle wirklich mitzuerleben.

Man könnte die Theorie der Gefühlsübertragung mit dem

Vorgang der Nahrungsaufnahme vergleichen. Nur ein Mensch,

der befreit ist von Nebengedanken und sich völlig auf die Haltung

des Essens konzentriert, wird den vollendeten Geschmack

der Nahrung genießen können. Hier kommt deutlich zum Ausdruck,

dass die Haltung und die Bereitschaft des Kunstgenießens

ebenso wichtig ist wie die Fähigkeit des Künstlers bei seiner Darstellung.

Im Unterschied zu der im Westen vorherrschenden Schauspieltechnik,

bei der sich der Darsteller mit der Person, die er verkörpert,

identifiziert, geht es dem indischen Schauspieler darum,

distanziert zu bleiben, damit er in der Lage ist, in kürzester Zeit

von einer Stimmung in die andere zu wechseln. Die Erfahrung

der inneren Losgelöstheit wird häufig mit einem Gefäß (Patra)

verglichen, in das der Tänzer hineinschlüpft, wodurch seine unberührte

Funktion zum Ausdruck kommt. Genauso wie das im

Gefäß enthaltene Getränk selbst nicht schmeckt, sondern nur

dem, dem es eingeschenkt wird, sollte der Tänzer von seinen

eigenen Emotionen unberührt bleiben. Es geht darum, dass der
Zuschauer und nicht der Tänzer diese Emotionen erlebt. Die Losgelöstheit

des Tänzers von seinen Emotionen ist identisch mit der

Erfahrung eines Menschen, der den Zustand der Erleuchtung erlangt

hat.

Der indische Tanz ist eine Meditation über neun grundlegende

Gefühlszustände (Bhavas): Vergnügen (Rati), Freude (Hasa),

Trauer (Shoka), Grausamkeit (Krodha), Enthusiasmus (Utsaha),

Schrecken (Bhaya), Ekel (Jugupsa), Staunen (Vismaya), Seelenfrieden,

inneres Glück (Shama). Diesen neun Bhavas entsprechen

die folgenden neun Rasas, die der Zuschauer durch die Kunst des

Tänzers bzw. der Tänzerin erlebt: Liebe, Erotik (Shringara), Humor

(Hasya), Mitgefühl (Karuna), Wut (Raudra), Kühnheit, Heldenmut

(Vira), Angst (Bhayanaka), Abneigung, Verachtung (Bibhatsa), Verwunderung

(Adbhuta), Seligkeit (Shanta). Indem der Zuschauer

zu den verschiedenen Rasas geführt wird, erweckt der Tänzer eine

Anzahl von Stimmungen, die stets in dem neunten Rasa (Seligkeit),

der genussvollsten Summe aller Rasas, gipfelt.

Nach der Aufführung eines Tanzdramas soll der Zuschauer

ein Gefühl des Friedens und der Ausgeglichenheit empfinden.

Deshalb ist Tanz Meditation. Beim losgelösten, genussvollen Betrachten

der Gefühle nimmt der Zuschauer das ewige Wesen der

Gefühle wahr und genießt sie in ihrer Essenz, ohne von ihnen

berührt zu werden. Sein Gemüt ist ausgeglichen und gleicht

einer weißen Leinwand, auf der die farbigen Gefühle erscheinen.

Neben den neun Rasas gibt es nicht weniger als dreiunddreißig

Verfeinerungen und Abwandlungen, die von Entmutigung,

Schwäche und Unruhe bis zu Freude, Traum und Sicherheit

reichen. Jeder dieser Rasas kann im Verlauf des Tanzes kurz

auftauchen und dann wieder in den Hintergrund treten.

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

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Verlag: Weltbild ,Augsburg 2000 ., 2000
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