Um Informationen über die Mafia zu erhalten, beginnt die Journalistin Katherine eine Affäre mit Jack Fox, dem Neffen des mächtigen Don. Als ihr Spiel auffliegt, muss sie sterben. Doch ihr Tod ruft die Geheimagenten Blake Johnson und Sean Dillon auf den Plan.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Jack Higgins, der 1929 in Newcastle-on-Tyne als Harry Patterson geboren wurde, ist einer der bekanntesten Thriller-Autoren Großbritanniens. Er hat nach einer kurzen Militärkarriere an der University of London Soziologie, Psychologie und Wirtschaft studiert und seinen Doktor in Medienwissenschaften gemacht. Romane wie "Der Adler ist gelandet" oder "Schwingen des Todes" brachten ihm Weltruhm. Bei Heyne liegen bereits "Die Tochter des Präsidenten" und einige andere Thriller vor. Zahlreiche seiner Romane wurden fürs Kino verfilmt.
HELLSMOUTH
In gewisser Weise weckte die Ratte Blake Johnson nicht nur, sondern holte ihn förmlich ins Leben zurück. Bis zur Hüfte im Wasser, hockte er im Dunkeln auf einem Steinpodest. Es war erstaunlich, dass er hier überhaupt eingeschlafen war. Er spürte etwas am Hals, wachte davon auf und setzte sich aufrecht hin.
In dem Licht, das durch den vergitterten Eingang fiel, erkannte er auf einmal, was ihm da von der linken Schulter glitt. Die Ratte sprang ins Wasser, tauchte wieder auf, wirbelte mit der spitzen Nase herum und starrte ihn geradewegs an.
Blake fühlte sich um fünfundzwanzig Jahre zurückversetzt, wie er gegen Ende des Vietnamkriegs als junger Sergeant der Special Forces bis zum Hals im Schlamm des Mekong-Deltas steckte und der Liquidierung durch den Vietcong zu entkommen versuchte. Auch damals hatte es Ratten gegeben, vor allem wegen der vielen Leichen.
Leichen gab es hier keine. Nur ein Gitter am Eingang, durch das schummrig trübes Licht fiel, feuchten Kanalisationsgestank, eine raue Tunnelwand und noch ein Gitter etwa vierzig Meter weiter am anderen Ende des Tunnels - jenes Gitter, vor dem ihm, nachdem man ihn hierher verfrachtet hatte, endgültig klar geworden war, dass es kein Entkommen gab.
Die Ratte trieb im Wasser umher und blickte ihn nun seltsam freundlich an. »Du bist schön brav und verpisst dich jetzt«, sagte Blake leise.
Er wühlte das Wasser auf, worauf die Ratte verschwand. Er lehnte sich zurück, von eisiger Kälte durchdrungen, und versuchte Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Er wusste noch, wie er im Range Rover halbwegs zu sich gekommen war, nachdem die Wirkung des Betäubungsmittels nachgelassen hatte. Sie hatten in heftigem Regen, einer Art Gewittersturm, einen Berg überquert. Dann hatte es geblitzt, und er konnte weit unten die Steilklippen sehen, die tosende See und ein Schloss, das aus einem Märchen der Brüder Grimm zu stammen schien.
Als Blake stöhnte und sich aufsetzen wollte, hatte Falcone sich auf dem Beifahrersitz umgedreht und ihn angelächelt.
»Na also, wieder unter den Lebenden.«
»Wo bin ich?« hatte Blake, der immer noch krampfhaft versuchte, sich zu orientieren, gesagt.
Falcone hatte nur gelächelt. »Am Ende der Welt, mein Guter. Hier gibt's bis zum fernen Amerika nur noch den Atlantischen Ozean. Hellsmouth heißt der Ort hier wohl.«
Er wollte gerade in ein Lachen ausbrechen, aber da war Blake bereits wieder in die Bewusstlosigkeit gesunken.
Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Während er so dasaß und versuchte, sich mit verschränkten Armen zu wärmen, verspürte er einen Schmerz in der rechten Schulter. Und dennoch, er war hellwach und seine Sinne schienen seltsam geschärft. Als er hinter sich das Klirren hörte, mit dem das Gitter sich öffnete, setzte er sich sofort auf.
»He, wie geht's uns denn, Dottore? Weilst ja immer noch tapfer unter uns«, sagte Falcone.
»Ach, leck mich doch«, sagte Blake mit krächzender Stimme.
»Wundervoll. Welch ein Lebenszeichen! Gefällt mir. Und jetzt raus mit dir.«
Falcone packte Blake am Hemdkragen und zerrte ihn hoch. Blake wurde durch die Öffnung geschleift und landete auf allen vieren im Gang. Russo stand dort. In seiner hässlichen Visage klebte ein Lächeln.
»Er sieht nicht allzu gut aus.«
»Tja, jedenfalls stinkt er wie die Pest. Verpass ihm mal 'ne kleine Dusche.«
An der Wand war ein Messinghahn, an dem ein Gummischlauch befestigt war. Russo drehte den Hahn auf und richtete den Strahl auf Blake. Das Wasser war so eiskalt, dass Blake nach Atem rang. Russo drehte den Hahn wieder zu und legte Blake eine Decke um die Schultern.
»Der Boss will dich sehen, sei also schön brav.«
»Natürlich wird er artig sein«, sagte Falcone. »Genau wie seine hübsche kleine Frau in Brooklyn brav gewesen ist.«
Blake hüllte sich in die Decke ein und blickte auf. »Warst du das?«
»He, Business ist Business.«
»Dafür bringe ich dich um.«
»Red kein Blech. Deine Zeit ist so gut wie abgelaufen. Und jetzt beweg dich, der Chef wartet.« Und damit schob er Blake den Gang hinunter.
Sie stiegen zwei Treppen hoch und kamen schließlich an einer schwarzen Eichentür an, die von einem schmiedeeisernen Rahmen umfasst war. Russo öffnete sie, und Falcone stieß Blake in eine prunkvolle, mit Naturstein geflieste Halle: Zur Linken lag ein Treppenaufgang, im Kamin loderte ein Feuer, Ritterrüstungen, alte Fahnen, die von ihren Stangen hingen. Dem Ganzen haftete etwas Unwirkliches an, wie Kulissen eines Kitschfilms.
»Was ist mit Dracula passiert?« sagte Blake.
Russo runzelte die Stirn. »Dracula? Was soll der Quatsch?«
»Ach, egal.«
Am Kamin saßen zwei Männer: Rossi und Cameci. Er kannte ihre Gesichter von den Computerbildern - auch so Gorillas der Solazzo-Familie.
Falcone stieß Blake weiter voran. »He, jetzt hab ich's kapiert. Christopher Lee war der Beste. Konnte damals von diesen Hammer-Filmen gar nicht genug kriegen.«
Russo öffnete eine weitere schwarze Eichentür. Sie führte in ein Zimmer mit hohen Wänden, großem offenem Kamin und Schatten werfendem Kerzenlicht. Hinter einem wuchtigen Schreibtisch saß eine verschwommene, in Finsternis gehüllte Gestalt.
»Führ Mr. Johnson weiter herein, Aldo. Zum Kamin. Ihm ist bestimmt kalt.«
Falcone schubste Blake zum Kamin und zog einen Stuhl heran. »Hinsetzen!«
»Brandy wäre jetzt wohl angebracht«, sagte der Mann im Dunkeln. »Am besten ein doppelter.«
Blake setzte sich. Russo ging zu einem kleinen Getränketisch, schenkte aus einer Karaffe einen Brandy ein und brachte ihn ihm. Das Zeug brannte in der Gurgel. Blake musste husten.
»Gib ihm jetzt eine Zigarette, Aldo. Mr. Johnson versucht zwar gerade, damit aufzuhören - wie wir alle -, aber das Leben ist kurz, die Kunst währt lang und Experimente sind gefährlich. Es gibt dazu irgendeinen passenden lateinischen Spruch, hab aber leider vergessen, wie der lautet.«
»Ach, haben Sie denn während des Jurastudiums in Harvard keinen Lateinunterricht gehabt?«
Blake nahm die Zigarette und ließ sie sich von Falcone anzünden.
»Um die Wahrheit zu sagen, nein. Sie scheinen ja ziemlich clever zu sein. Offensichtlich wissen Sie, wer ich bin.«
»Zum Teufel, was soll dieses Katz-und-Maus-Spiel? Natürlich weiß ich, wer Sie sind. Jack Fox, der Stolz der Solazzo-Familie. Warum schalten Sie also nicht endlich das Licht ein?«
Einen kurzen Moment später wurde es heller, und vor ihm saß Fox - das dunkle Haar, die kantige Teufelsvisage und das spöttische Lächeln. Fox nahm eine Zigarette aus einem silbernen Etui und zündete sie sich an.
»Und ich weiß, wer Sie sind, Blake Johnson. Sie sind aus Vietnam mit einer Kiste voller Orden zurückgekehrt, sind dann zum FBI gegangen und haben ein Attentat auf Präsident Jake Cazelet vereitelt, als er noch Senator war. Haben dabei zwei Bösewichte ins Jenseits befördert und selbst eine Kugel abgekriegt. Jetzt arbeiten Sie im Souterrain des Weißen Hauses und leiten eine Art private Einsatztruppe des Präsidenten. Aber leider, Blake«, er unterbrach sich kurz, um an der Zigarette zu ziehen, »kann ich mir nicht vorstellen, dass Cazelet umgekehrt jetzt Sie noch retten könnte.«
Blake schnipste mit den Fingern in Richtung Falcone. »Noch einen Brandy.« Er wandte sich wieder Fox zu. »Es gibt da einen alten sizilianischen Spruch, den Sie vielleicht zu schätzen wissen, da Sie, wie ich weiß, eine sizilianische Mutter haben: »Wer schwer gesündigt hat, auf den wartet der Teufel.««
Fox lachte. »Und dieser Teufel - sind Sie das oder ist es Sean Dillon?«
»Sie haben die Wahl. Aber der Himmel stehe Ihnen bei, wenn es Sean Dillon ist«, sagte Blake.
Fox beugte sich vor. »Lassen Sie sich eines gesagt sein, Johnson. Ich hoffe, dass es Dillon ist. Dem will ich schon lange eine Kugel ins Hirn jagen. Ebenso wie Ihnen.«
»Sie haben meine Frau umgebracht«, sagte Blake.
»Ihre Ex-Frau«, sagte Fox. »Aber das war nicht persönlich gemeint. Sie hat nur ihre Nase ein bisschen zu tief...
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