Zu Halloween muss man sich gruseln! Mit ihren Geisterkostümen schleichen sich Hat und Dee in jenes Stadtviertel, das eigentlich kein ordentlicher Bürger betreten sollte. Doch schon bald bereuen die beiden das bitter, denn aus einer Hütte dringen die Schreie einer Frau.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Peter Straub stammt aus Milwaukee, Wisconsin. Bevor er sich für einige Jahre in England niederließ, studierte er an der Columbia University und in Dublin. Heute lebt er mit seiner Frau auf einer Farm in Connecticut. Straub gilt neben Stephen King als einer der bedeutendsten amerikanischen Horror-Schriftsteller. Er hat weltweit eine große Leserschaft und Fangemeinde, die seinen Büchern regelmäßig zu Millionenauflagen verhilft. Im Wilhelm Heyne Verlag liegen unter anderem vor: "Der Hauch des Drachen", "Geisterstunde", "Das Mädchen", "Das Haus der stummen Fenster" und zusammen mit Stephen King: "Der Talisman" und "Das schwarze Haus".
Zena
Die Leute glauben, daß man helfen will, wenn man kleine Kinder unterrichtet, daß es etwas mit Dienen zu tun hat. Die Leute glauben, daß man kleine Kinder liebhaben muß, wenn man sie unterrichtet. Die Leute werden schon wissen, warum sie das glauben.
Die Leute glauben auch, daß jemand, der sehr dick ist und dauernd fröhlich und guter Laune, wahrscheinlich nur so tut, damit die anderen vergessen, wie fett die Person ist, oder damit sie ihr das Dicksein verzeihen. Sie machen diese Annahme unter der Voraussetzung, daß der dicke Mensch so blöd ist anzunehmen, er käme mit diesem Trick durch. Und das verleitet sie zu der weiteren Annahme, daß sie dir auch geistig überlegen sind, und deshalb tust du ihnen womöglich sogar noch leid.
Meine Trugbilder, die Schwestern, kamen zu mir und sagten: Weißt du denn nicht, daß wir dir helfen wollen? Sie kamen zu mir und sagten: Erzähl uns bitte, wie dein Leben ist.
Diese idiotischen Fragen stellten sie immer wieder. Geht es dir gut? Ist irgendwas nicht in Ordnung? Magst du mit uns reden, Liebling? Erzähl uns doch von deinem Leben.
Ich starrte einfach nur vor mich hin und beachtete weder ihre hübschen Haare noch ihre hübschen Augen oder ihre hübschen Lippen. Ich starrte über ihre Schultern auf das Muster der Tapete und versuchte, nicht zu blinzeln, bis sie aufstanden und gingen.
Wie mein Leben war? Ob irgendwas nicht in Ordnung war?
Alles war in Ordnung, es ging mir gut.
Sie lächelten, es war mehr ein Zucken des Mundes und der Augen, bevor sie aufstanden und mich allein ließen. Ich blieb auf meinem Stuhl sitzen und betrachtete das Tapetenmuster, während sie mit Zena sprachen.
Die Tapete war gelb, mit weißen Längsstreifen. Die weißen Linien trafen sich nie - kurz bevor sie ineinanderzulaufen schienen, brachen sie ab, und das dicke, satte Gelb hielt sie auseinander.
Ich mochte es, wie die weißen Linien in dem fetten Gelb hingen, jede für sich.
Als die Trugbilder mich Liebling nannten, wehten Eis und Schnee in meinen Mund und flossen die Kehle hinab in den Magen, wo sie alles einfroren. Sie wußten nicht, daß ich ein Nichts war, daß ich nie sein würde wie sie, sie wußten nicht, daß es nur eines an mir gab, das kein Nichts war - der kleine harte Stein in meinem Innersten.
Dieser Stein hat einen Namen. Mutter.
Wenn man eine Kindergärtnerin ist, Mitte Fünfzig und dazu sehr dick, nehmen die Leute an, daß man sich gut um ihre Kinder kümmert, denn ein eigenes Leben kann man ja wohl kaum haben. Wenn es die Eltern der Kinder aus dem Kindergarten sind, sind sie beinahe dankbar dafür, daß man so grotesk aussieht, weil es bedeutet, daß man sich wirklich um ihre Kinder kümmert. Denn abgesehen davon, daß man in dem Alter wohl kaum noch einen anderen Job finden würde, macht man so etwas bestimmt nicht wegen des Geldes. Was wissen die Leute über dein Gehalt? Sie wissen, daß Müllmänner mehr verdienen als Kindergärtnerinnen. Also, du hast dich bestimmt nicht dafür entschieden, dich um ihre wonnigen, liebenswerten, großartigen Bälger zu kümmern, weil du reich und berühmt werden wolltest.
Und obwohl sie deinem Lächeln nicht glauben und auch nicht deiner netten Art, obwohl sie eine Mischung aus Mitleid und Abscheu für dich empfinden, fließt doch auch etwas Dankbarkeit mit ein.
Manchmal, wenn eines dieser Elternpaare zu mir kommt, sagen wir, ein junger Anwalt mit lockigem Haar namens, sagen wir, Arnold Zoeller, Arnold und seine Frau Kathi, Kathi mit i, wohlgemerkt, manchmal, wenn ich hinter meinem Schreibtisch sitze und mit ansehe, wie diese beiden schönen, schlanken Menschen sich abmühen, den Ausdruck des Abscheus und des Mitleids aus ihren Gesichtern zu verbannen, sehe ich Dankbarkeit in ihren Augen aufleuchten.
Kathi und Arnold glauben nämlich, daß so ein bedauernswerter alter Koloß wie ich ihr süßes kleines Mädchen namens, sagen wir, Tori, Tori mit i für Victoria, einfach liebhaben muß. Und ich glaube, ich liebe die kleine Tori Zoeller sogar, ja, ich glaube, ich liebe dieses kleine Mädchen. Meine Mutter hätte sie auch geliebt. Das ist die Wahrheit, bei Gott.
Ich sehe mich selbst in der Welt, in der Mitte der Welt. Ich sehe, daß ich eins bin mit der Natur.
In unseren Köpfen existiert eine Vorstellung von Vollkommenheit, aber nichts in der Natur ist vollkommen geschaffen. Jede Reaktion ist spontaner Ausdruck des Reagierenden.
Ich bin nicht verantwortlich dafür, eure Bedürfnisse zu befriedigen oder zu wecken; dafür ist schon vor langer Zeit gesorgt worden. Selbst wenn Sie zufällig ein Mensch in vermeintlich gehobener Position sind, wie zum Beispiel ein Rechtsanwalt. Selbst wenn Sie Arnold Zoeller heißen, zum Beispiel.
Es hat einmal, ganz kurz, ein goldenes Zeitalter gegeben. In meinem Kopf existierte auch eine Vorstellung von Vollkommenheit, und die Natur antwortete wie ein Echo auf meine Vorstellung. Meine Eltern lebten noch, und mit ihnen lebte auch ich in einem goldenen Zeitalter. Unser Familienname lautet Asch, und ich bin auch heute als Frau Asch bekannt, wobei das Frau rein ehrenhalber vorgerückt wird, da niemals ein Ehemann vorhanden war und wahrscheinlich auch nie sein wird. (Bei manchen Sechstkläßlern, denjenigen, die ich nicht so verwöhne und becirce wie die Kleinen, vor deren Eltern ich mich nicht in meinen Schreibtischsessel quetsche und ihre trübsinnigen, langweiligen Schätzchen wunderbar, liebenswert, aufgeweckt, ja hochintelligent nenne, heiße ich Frau Fett-Asch. Ich tue so, als wüßte ich nichts davon.) Mr. und Mrs. Asch tänzelten gemeinsam durch das goldene Zeitalter, und beide liebten ihre kleine Tochter über alle Maßen. Und dann, hoppla, fiel die Mami des Mädchens um und war tot. Der Daddy des Mädchens beerdigte sie auf dem Friedhof des Anwesens, mit Sarg und Geistlichem und allem Drum und Dran, es wurde gesungen, es wurden Reden gehalten, und es wurde geweint, und die Tiere standen daneben. Zena, daran erinnere ich mich, war damals auch schon dabei. So standen die Dinge von Anfang an.
Die Trugbilder kamen wegen dessen, was ich später gemacht habe. Sie kamen von weit her - aus der Stadt, glaube ich. Da, wo wir lebten, kannte man solche schicken Kleider nicht. Wir kannten auch solch schicke Frisuren nicht. Und eine der Damen trug einen Schleier!
An einem Wintermorgen während meines ersten Jahres als Kindergärtnerin stieg ich in meinen Wagen ein - aber was heißt einsteigen, ich schob mich hinein, für mich ist es anders als für die meisten, ich quetschte mich zwischen Sitz und Lenkrad, und ich fuhr vierzig Meilen ostwärts, durch drei Vororte hindurch, bis ich in die Stadt kam und dort in das heruntergekommenste Viertel fuhr, wo abstoßende Menschen mitten am Tag in ihren Autos saßen und tranken. Ich ging zu einem Kaufhaus, in das keiner geht, der nicht von Sozialhilfe lebt oder fünf oder sechs Kinder von ebenso vielen Vätern hat. Ich parkte den Wagen einfach am Straßenrand und schwebte durch die Tür; die Leute dort lassen Leute wie mich immer in Ruhe.
Tapeten gab es im Untergeschoß, also schleppte ich mich keuchend die Treppe hinunter, grinste wie ein Honigkuchenpferd, wenn mich jemand ansah, und schob mich durch die Gänge, bis ich vor der Wand stand, wo die großen Bücher mit den Tapetenmustern lagen, die mich an meine Märchenbücher erinnerten. Ich nahm vier von diesen Büchern und schleppte sie zu einem Tisch in der Nähe, ließ mich vorsichtig auf dem kleinen Stuhl davor nieder und blätterte sie durch.
Ein verängstigter schwarzer Jüngling in einem billigen Anzug kam herbei und fragte murmelnd, ob er mir helfen könne, und ich schenkte ihm mein fröhlichstes, theatralischstes Lächeln und sagte, na, was mache ich hier wohl, ich suche nach einer Tapete, nicht wahr? An welche Farbe ich denken würde? Nun, ich denke an Gelb. Mhm, sagte er, welche Art von Gelb schwebt Ihnen denn vor? Gelb mit weißen Streifen. Mhm, mhm, sagt er und hilft mir, die Musterbücher durchzusehen. In diesem Laden gab es die häßlichsten Tapeten der Welt, Tapeten,...
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Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten. / Describes the average WORN book or dust jacket that has all the pages present. Bestandsnummer des Verkäufers M03453770897-G
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Softcover. Zustand: SEHR GUT. 260 g. Aus dem Amerikanischen von Thomas Hag. deutsch 432 pages. Bestandsnummer des Verkäufers 9938
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Taschenbuch. Zustand: Gut. Alterbedingte Gebrauchsspuren, evtl. auch Mängelexemlar---. nein. Bestandsnummer des Verkäufers 137821
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Softcover. Zustand: Fair. Aus Bibliothek aussortiert; Leichte Risse. Zu Halloween muss man sich gruseln! Mit ihren Geisterkostümen schleichen sich Hat und Dee in jenes Stadtviertel, das eigentlich kein ordentlicher Bürger betreten sollte. Doch schon bald bereuen die beiden das bitter, denn aus einer Hütte dringen die Schreie einer Frau. Bestandsnummer des Verkäufers 6a7e522d-b1b1-4299-9bf5-ef735c8fd4c6
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