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Grundriß der Rhetorik: Geschichte - Technik - Methode - Hardcover

Ueding, Gert; Steinbrink, Bernd

 
9783476020574: Grundriß der Rhetorik: Geschichte - Technik - Methode

Inhaltsangabe

In unserer Gesellschaft sind rhetorische Fähigkeiten gefragt. Der Klassiker unter den Rhetoriklehrbüchern führt fundiert in Geschichte, Technik und Methode der Redekunst ein. Die tragende Säule ist das antike Rhetoriksystem, das bis heute als das theoretisch differenzierteste gilt. Wer die Kunst, gut und wirkungsvoll zu reden studiert, sollte auf diesen Grundriss nicht verzichten.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Gert Ueding ist Professor für allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen.
Bernd Steinbrink ist Professor für Multimedia Applications an der Fachhochschule Kiel

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Die Geschichte der Rhetorik beginnt, so die Überlieferung, mit den Sizilianern Korax und Teisias im 5. Jahrhundert vor Christus. Zwar hatte es die praktische Redekunst schon immer gegeben (auch bei Homer spielt sie eine Rolle, so daß einige Rhetoren in ihm den Begründer der Beredsamkeit sehen wollten), die beiden Sizilianer aber waren die ersten, die sich theoretisch mit der überzeugenden Rede und besonders mit dem Wahrscheinlichkeitsschluß[1] befaßten. Cicero (106-43 v. Chr.) sah später, Aristoteles (384-322 v. Chr.) folgend, den Grund für das aufkommende Interesse an der Beredsamkeit darin, daß »nach Abschaffung der Tyrannen in Sizilien Privatangelegenheiten nach langer Unterbrechung wieder bei den Gerichten angebracht wurden«[2], und er betonte weiter den »scharfen Blick« dieses Volkes bei dem »ihm von Natur innewohnenden Hange zum Streiten«[3].
»Im Frühjahr 465 v.Chr. hatte der Sturz des syrakusanisch-gelaischen Doppelstaates der Deinomeniden durch die Vertreibung des Thrasybulos die Befreiung ganz Siziliens eingeleitet. Nach der gewaltsamen Bevölkerungspolitik der Tyrannen führte die Neuordnung der Verhältnisse zu Spannungen und Streitigkeiten, die sicherlich eine Flut von Prozessen nach sich zogen.«[4] Ein entscheidendes Moment des Entstehens der Beredsamkeit war das Vorhandensein von Streitigkeiten, von Interessengegensätzen, die von allgemeinem Interesse waren und nicht abgeschlossen von der Öffentlichkeit verhandelt wurden. Nicht ohne Grund sah Tacitus die Ursachen einer entwickelten Beredsamkeit in den »dauernden Volksreden« und dem (durch das Gesetz) gewährten »Recht, gerade die Mächtigsten zu beunruhigen«[5].
Ähnliche Bedingungen wie in Sizilien waren auch in Athen, einem Ort, an dem die Beredsamkeit durch die Sophistik zu besonderer Bedeutung gelangte, im 5. Jh. v.Chr. gegeben. Die Tyrannenherrschaft war dort beseitigt worden, große Teile der Bevölkerung wurden durch Institutionen an der Macht beteiligt; der Aufschwung des Handels nach dem Sieg über die Perser und die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse ließen die Macht der wenigen Adligen schrumpfen, Einrichtungen, die vormals durch wenige besetzt waren, verloren ihre politische Bedeutsamkeit oder wurden einer breiteren Öffentlichkeit kontrollierbar gemacht. »Die profane Gerichtsbarkeit [ ... ] wurde dem Areopag ganz entzogen. Dabei verteilten sich seine Aufgaben - von denen das Sittenwächteramt nun weggefallen war - auf den Rat der Fünfhundert, die Ekklesia und die Volksgerichte.«[6] Um Korruption und Vorabsprachen zu verhindern, setzten sich die Volksgerichte aus Vertretern zusammen, die unmittelbar vor den Verhandlungen durch Losentscheid bestimmt worden waren.

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Verlag: J.B. Metzler, 1986
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