Dieser Band der Edition Burgtheater ist der nächsten Generation im traditionsreichen Haus am Ring in Wien gewidmet. Klaus Dermutz stellt in ausführlichen Porträts die Anfänge, Arbeitsschwerpunkte und das Theaterverständnis der sechs Schauspielerinnen und Schauspieler vor, die von Klaus Bachler zu Beginn seiner Direktion ans Wiener Burgtheater geholt wurden. Dorothee Hartinger, Birgit Minichmayr, Johanna Wokalek, Philipp Hauß, Philipp Hochmair und Nicholas Ofczarek sind die neuen Stars, die mit ihren Schauspielkünsten ganz entscheidend das Profil des Burgtheaters prägen.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Klaus Dermutz, geboren 1960 in Judenburg (Österreich), studierte Theologie, Philosophie und Soziologie in Graz und Berlin. Er veröffentlichte Bücher über Tadeusz Kantor (1994), Christoph Marthaler (2000), Peter Zadek (2001), Gert Voss (2001), Andrea Breth (2004), Das Burgtheater 1955-2005 (2005), Ignaz Kirchner und Martin Schwab (2007), Klaus Michael Grüber (2008) und zuletzt Next Generation (Deuticke, 2009). Klaus Dermutz lebt in Berlin.
Vorwort
Der Titel der vorliegenden Publikation nimmt die Generationen-Debatte im Theater auf und blickt sowohl auf das Verbindende, aber auch auf die Zäsur, die zu den Akteuren liegt, die durch die Revolte von ’68 ihre Prägung erhalten haben. Die porträtierten Schauspieler/innen sind – bis auf Philipp Hauß – in den 1970er Jahren geboren, als die Höhenflüge des Mai ’68 schon die ersten downswings hinter sich hat-ten. In den einzelnen Por trät s habe ich den Versuch unternommen, neben der Darstellung der Rollen das jeweilige Theater ver ständnis zu ergründen. Der Bogen spannt sich von Dorothee Hartingers Reflexion des Wahren, Schönen und Guten als Angreifbarkeit des Menschen bis hin zu Philipp Hauß’ Intention, philosophische Über legungen für die Probenarbeit produktiv zu machen. In die Porträts habe ich auch Gesprächs passagen von Dorothee Hartinger, Birgit Minich mayr, Johanna Wokalek, Philipp Hauß, Philipp Hochmair und Nicholas Ofczarek aufgenommen, um ihre Sichtweise des Theaters auch in Form von Selbstauskünften darzustellen. In den Selbstaussagen kommen auch die Vorbilder und Prägungen zur Sprache, die diese Schauspieler/innen durch die Regisseure Andrea Breth, Peter Stein, Klaus Michael Grüber, Nicolas Stemann und die Schauspieler Klaus Maria Brandauer und Martin Schwab u.a. erhalten haben.
Durch die Postmoderne und das postdramatische Theater ist es an allen deutschsprachigen Theatern zu ästhetischen Veränderungen gekommen. Auch das Burgtheater hat diesen Umbruch in seiner künst lerischen Ausrichtung thematisiert und den Vertre tern der jüngeren Regie- und Schauspiel-Generation die Möglichkeit gegeben, die Wahrnehmung einer neuen Realität in eine andere Ästhetik umzusetzen. An den Inszenierungen von Nicolas Stemann lässt sich wahrscheinlich am deutlichsten die neue Ästhe tik beschreiben, aber auch die Arbeiten von Friederike Heller, Frank Castorf und René Pollesch haben Grenzziehungen und Aufbrüche unternommen. Aus diesem Grund habe ich den Theaterwissen schaftler Hans-Thies Lehmann, Autor der international rezipierten Studie Postdrama tisches Theater (1999), ge beten, in einem einleitenden Essay die Bedeutung des Schau spielers von der Antike bis in die Gegenwart zu reflektieren und so ein Verständnis zu ermöglichen, an welchem Punkt die Schauspielkunst am Beginn des 21. Jahrhunderts steht.
Zu den Abbildungen der Porträts für die Gemäldegalerie habe ich als Motti literarische Reflexionen zur Haut vorangestellt. Für die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Claudia Bentheim wird die Haut im 20. Jahrhundert zur »Leitmetapher der Isolierung«: »Der Mensch empfindet sich immer weniger geborgen in seiner Haut als vielmehr verborgen – weniger behütet als gefangen.« Wurde die Haut im 17. und
18. Jahrhundert als »eine poröse, unabgeschlossene Fläche« verstanden, so kam im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer weit reichenden Verschiebung: Die Haut wird als eine Mauer gesehen, hinter die sich das Individuum zurückzieht und eine Persönlichkeitsstruktur als homo clausus ausbildet. Diese Sichtweise setzt sich im Zuge der Rationalisierungs- und Modernisierungsschübe als kanonisiertes Körperbild durch. Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist es zu einer weiteren Vertiefung der Vereinsamung des homo clausus gekommen. Der Psychoanalytiker Didier Anzieu hat in seiner Studie Das Haut-Ich (1996) darauf hingewiesen, dass Sigmund Freud das Ich als »Oberflächenwesen« verstanden hat. Denn für Freud ist das Ich »in letzter Instanz von den körperlichen Empfindungen abgeleitet, vor allem von denen, die von der Oberfläche des Körpers herrühren.« In diesem Sinn ließ ich mich von der Idee leiten, mich den Schauspieler/innen von ihren Körperbildern her zu nähern und so die Body Images der Next Generation zu studieren.
Persönliche Würdigungen von Karin Beier, Andrea Breth, Friederike Heller, Jutta Lampe, Klaus Maria Brandauer und Martin Schwab beschließen die Publikation Next Generation.
Klaus Dermutz Berlin, 8. Dezember 2008
Vorwort der Herausgeber
Die Publikation Next Generation ist der zehnte Band der Edition Burgtheater und erscheint zum Abschluss der Direktion von Klaus Bachler. Aus diesem Anlass sei ein kurzer Rückblick auf die Editions arbeit insgesamt gestattet. In enger Zusam menarbeit mit Vize-Direktorin Karin Bergmann, der Dramaturgin und Archivarin Rita Czapka und der Programm-Direktorin Martina Schmidt sind die einzelnen Bände entstanden, die in der Autorenschaft von Christine Dössel, Klaus Dermutz, Georg Diez,
C. Bernd Sucher und Klaus Völker die Inszenierun gen der Regisseure Andrea Breth, Luc Bondy, Martin Kusej und Peter Zadek reflektierten und die Arbeit der Schauspielerinnen Kirsten Dene, Dorothee Hartin ger, Birgit Minichmayr, Elisabeth Orth und Johanna Wokalek sowie der Schauspieler Klaus Maria Brandauer, Philipp Hauß, Philipp Hochmair, Ignaz Kirchner, Nicholas Ofczarek, Martin Schwab und Gert Voss analysierten. Es wurde darauf geachtet, dass auch jene Inszenierungen und Rollen dieser Regisseure und Schauspieler/innen, die an anderen Theatern erarbeitet wurden, in der Darstellung berücksichtigt wurden. In Dössels Monographie über Klaus Maria Brandauer wurde sowohl dessen Arbeit als Theater- und Filmschauspieler als auch als Regisseur gewürdigt. Großer Wert wurde darauf gelegt, einen vollständigen Dokumentations teil zu erstellen, damit die einzelnen Bände ihre Aufgabe als Nachschlagewerke erfüllen.
Anders als in den meisten Publikationen zum Abschluss einer Direktion, die mit Ausschnitten aus Kritiken und Fotos der Inszenierungen die Jahre Revue passieren lassen, war es die Intention der Edition Burgtheater, die Arbeit der einzelnen Künstler/innen im Laufe der Jahre in Monographien ausführlich darzustellen und auch in Gesprächen zu erörtern. Außerdem wurde zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Burgtheaters nach dem Zweiten Weltkrieg in der Publikation Das Burgtheater 1955-2005 der Frage nachgegangen, auf welche Weise die NS-Ideologie das traditionsreiche Haus am Ring während der NS-Zeit bestimmte und auch in den Nachkriegsjahren auf vielfältige Weise prägte.
Auf knapp 2500 Druckseiten wurde die Arbeit der Regisseurinnen und Regisseure, der Schauspielerinnen und Schauspieler analysiert, die in engen Arbeitszusammenhängen mit dem Burgtheater stehen. Auf mehr als 1500 Fotografien können die Leser/innen ausgewählte Momente der Inszenierungen des Burg-theaters und anderer Theater nachwirken lassen. Unser Dank gilt allen Fotografinnen und Fotografen, die in der Zusammenarbeit sehr kooperativ waren, besonders Ruth Walz, Georg Soulek, Bernd Uhlig und Reinhard Werner.
Neben den Buchpräsentationen, die beim Erscheinen der einzelnen Bände im Burgtheater veranstaltet wurden, sind in Österreich verschiedene Bände in Salzburg und Graz; in Deutschland in Hamburg und Berlin vorgestellt worden. Außerdem wurden einige Bücher in Brüssel, Krakau und Tokio präsentiert und bildeten die Basis für eine Diskussion über die künstlerische Ausrichtung des Burgtheaters im Wandel der Zeiten. Wie eine Recherche im Worldcatalogue ergab, wurden alle Bände von den re nom miertesten nordamerikani schen Universitäts biblio the ken er worben. Die Hälfte der Bände er reichte die zweite Auflage. Die Bücher wurden sehr positiv in Presse, Rundfunk und Fernsehen be sprochen.
So hoffen wir als Herausgeber unsere Arbeit getan und auf dieser Bühne aus Papier gegen jene Flüchtigkeit des Augenblicks gewirkt zu haben, die dem Theater seine spezifische Magie verleiht.
Klaus Bachler, Klaus Dermutz Wien/Berlin, Dezember 2008
Klaus Bachler
Der Zukunft entgegen
Next Generation – ein Buch über die jüngste Vergangenheit und Gegenwart also, ein Buch auch über den Nukleus des Kommenden, – ein Buch, das natur gemäß erst jetzt erscheinen kann, wo diese Generation das Profil des Burgtheaters bereits erfolgreich bestimmt hat und es auch weiterhin prägen wird.
Sechs junge Schauspielerinnen...
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