Urteil in Stein. Stern Krimi-Bibliothek Band 6 - Hardcover

Ruth Rendell

 
9783570068212: Urteil in Stein. Stern Krimi-Bibliothek Band 6

Inhaltsangabe

Als die großbürgerliche Familie Coverdale die tüchtige Eunice als Haushälterin einstellt, ahnt sie nicht, dass damit das Schicksal der Familie besiegelt ist - denn mit ihr hat sie sich den Tod ins Haus geholt. Ein Meisterwerk der "Queen of Crime"!

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Über die Autorin bzw. den Autor

Ruth Rendell wurde 1930 in South Woodford/London geboren. Zunächst arbeitete sie als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Seitdem hat sie über dreißig Bücher veröffentlicht. Dreimal bereits erhielt sie den "Edgar-Allan-Poe-Preis" und zweimal den "Golden Dagger Award". 1997 wurde sie mit dem "Grand Masters Award" der Crime Writer's Association of America, dem renommiertesten Krimipreis, ausgezeichnet und darüber hinaus von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben. Ruth Rendell, die auch unter dem Pseudonym Barbara Vine bekannt ist, lebt in London.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Eunice Parchman tötete die Familie Coverdale, weil sie nicht lesen und schreiben konnte.
Es gab kein echtes Motiv und keinen Vorsatz. Es ging weder um Geld noch um Sicherheit. Die Folge des Verbrechens war, daß Eunice Parchmans Analphabetentum nicht nur einer einzigen Familie oder einer Handvoll Dorfbewohnern, sondern dem ganzen Land bekannt wurde. Sie gewann nichts dadurch, sondern beschwor nur eine Katastrophe auf sich herab, und irgendwo in ihrem wunderlichen Gehirn hatte sie von Anfang an gewußt, daß sie nichts gewinnen würde. Und dennoch war sie nicht verrückt wie ihre Begleiterin und Mittäterin. Sie besaß die schreckliche praktische Vernunft eines atavistischen Affen, der in die Gestalt einer Frau des zwanzigsten Jahrhunderts geschlüpft war.
Bildung ist einer der Grundsteine unserer Zivilisation. Weder lesen noch schreiben zu können kommt einer Mißbildung gleich. Und der Spott, der sich früher gegen den körperlich Mißgestalteten richtete, gilt heute - vielleicht berechtigter - dem Analphabeten. Wenn er oder sie ein unauffälliges Leben inmitten ungebildeter Menschen führen kann, kann alles gutgehen. Denn aus dem Land der Halbblinden wird auch der Blinde nicht verstoßen. Es war ein Unglück für Eunice Parchman und für die Opfer, daß die Leute, bei denen sie neun Monate arbeitete, besonders gebildet waren. Wäre es eine Familie von Spießbürgern gewesen, sie könnte heute noch leben, und Eunice wäre frei in ihrer mysteriösen dunklen Freiheit aus Gefühl und Instinkt, in der es das gedruckte Wort nicht gab.
Die Familie gehörte der oberen Mittelschicht an und führte in einem Landhaus das konventionelle Leben ihrer Kreise. George Coverdale war Doktor der Philosophie, leitete jedoch seit seinem dreißigsten Lebensjahr die von seinem verstorbenen Vater gegründete Firma Konservenbüchsen Coverdale in Stantwich, Suffolk. Mit seiner Frau und den drei Kindern Peter, Paula und Melinda hatte er ein großes in den dreißiger Jahren erbautes Haus am Stadtrand von Stantwich bewohnt, bis seine Frau an Krebs starb. Melinda war damals zwölf Jahre alt.
Zwei Jahre später, auf der Hochzeit von Paula und Brian Caswall, lernte George die siebenunddreißigjährige Jacqueline Mont kennen. Sie war auch verheiratet gewesen, hatte sich jedoch scheiden lassen, weil ihr Mann auf und davon war und sie mit ihrem einzigen Sohn sitzenließ. George und Jacqueline verliebten sich mehr oder weniger auf den ersten Blick ineinander und heirateten drei Monate später. George erwarb ein Landhaus in der Nähe von Stantwich und zog mit seiner jungen Frau, ihrem Sohn aus erster Ehe Giles Mont und mit Melinda dort ein. Peter Coverdale war damals schon drei Jahre verheiratet.
Als sie Eunice Parchman als Haushälterin einstellten, war George fünfzig und Jacqueline zweiundvierzig. Sie nahmen rege am gesellschaftlichen Leben der Nachbarschaft teil und schlüpften ganz unauffällig in die Rolle des Gutsherrn und seiner Frau. Ihre Ehe war ein Idyll, und Jacqueline wurde von ihren Stiefkindern geliebt.
Peter lehrte Politologie an einer Universität im Norden, Paula war inzwischen selbst Mutter geworden und lebte in London, und Melinda war zwanzig und studierte an der East-Anglia-Universität in Norwich Englisch. Jacquelines Sohn Giles, jetzt siebzehn, ging noch in die Schule.
Vier Mitglieder dieser Familie, George, Jacqueline, Melinda Coverdale und Giles Mont starben am Valentinstag, dem 14. Februar, innerhalb einer Viertelstunde. Eunice Parchman und die mit einem prosaischen Namen behaftete Joan Smith erschossen sie eines Sonntagabends, als sie sich im Fernsehen eine Opernaufführung ansahen. Zwei Wochen später wurde Eunice wegen dieses Verbrechens verhaftet - weil sie nicht lesen konnte.
Aber es verbarg sich noch mehr dahinter.

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