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Hostage - Entführt. Stern Krimi-Bibliothek Band 11 - Hardcover

Robert Crais

 
9783570068373: Hostage - Entführt. Stern Krimi-Bibliothek Band 11

Inhaltsangabe

Jeff Talley war einst Verhandlungsführer bei Geiselnahmen - bis einer seiner Einsätze blutig scheiterte. Jetzt hat er einen deutlich ungefährlicheren Job: Polizeichef in einem Provinznest. Bis zu dem Tag, als dort drei Jugendliche einen Vater und seine Kinder als Geiseln nehmen. Talley steht vor der Bewährungsprobe seines Lebens

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Robert Crais ist der Autor von bisher neun Romanen mit den Serienhelden Elvis Cole und Joe Pike, darunter der Bestseller "L. A. Requiem" (bei Goldmann in Vorbereitung), der für den "Edgar-Award" nominiert wurde. Mit Carol Starkey hat er nun eine neue Serienfigur geschaffen. Robert Crais lebt und arbeitet in Los Angeles.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Bristo Camino, Kalifornien Freitag, 14:47
Dennis Rooney
Es war einer dieser glutheißen Tage. In den Vorstädten nördlich von Los Angeles war die Luft so trocken, als atmete man Sand. Die Sonne brannte auf ihrer Haut wie Feuer. Sie aßen Hamburger aus dem Drive-in und fuhren in Dennis' rotem japanischen Pick-up durch die Gegend. Den hatte er einem Bolivianer für 600 Dollar abgekauft, den er zwei Wochen vor seiner Verhaftung bei der Arbeit auf einer Baustelle kennen gelernt hatte. Vor elf Tagen war der 22-jährige Dennis Rooney aus dem Antelope-Valley-Gefängnis entlassen worden, das die Insassen Ant Farm nannten. Er saß am Steuer, sein jüngerer Bruder Kevin in der Mitte, ein Kerl namens Mars auf dem Beifahrersitz. Dennis kannte Mars erst seit vier Tagen.
Ein paar Stunden später, als Dennis immer wieder verzweifelt überlegte, was er nun tun sollte, kam er zu der Auffassung, dass es nicht die sengende Hitze gewesen war, die ihn auf die Idee gebracht hatte, ein Verbrechen zu begehen. Sondern Angst. Angst, etwas Besonderes zu verpassen, das auf ihn wartete. Angst, dieses Besondere werde einfach hinterm Horizont und aus seinem Leben verschwinden. Dieses Besondere - seine einzige Chance, etwas aus sich zu machen.
Dennis beschloss, sie sollten den Minimart überfallen. "Wisst ihr was! Wir überfallen den Minimart am anderen Ende von Bristo. Den an der Straße nach Santa Clarita."
"Ich dachte, wir wollen ins Kino?"
Typisch Kevin. Und dazu sein Angsthasengesicht - weit hochgezogene Brauen, Glotzaugen, zitternde Lippen. Viele stellen sich ihr Leben als Film vor. Dennis sah sich in der Rolle des grübelnden Außenseiters - genau der Typ, auf den die heißesten Mädchen scharf waren. Aber sein Bruder war ein Waschlappen, der ihn nur blockierte.
"Meine Idee ist besser, Angsthase. Wir gehen danach ins Kino."
"Du bist gerade erst von der Ant Farm zurück, Dennis. Willst du gleich wieder einsitzen?"
Dennis schnippte seine Zigarette aus dem Fenster und begutachtete sich im Seitenspiegel, ohne auf Funken und Asche zu achten, die ihm der Fahrtwind entgegenwehte. Er sah sich als einen Mann mit leidenschaftlichen, tief liegenden, gewitterfarbenen Augen, markanten Wangenknochen und sinnlichen Lippen. Wenn er sich musterte - und das tat er oft -, wusste er, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sein Schicksal sich erfüllen und das Besondere, das auf ihn wartete, in sein Leben treten würde. Dann wäre Schluss mit den lausig bezahlten Jobs, und er müsste nicht mehr mit seinem feigen Bruder Kevin in einer runtergekommenen Wohnung hausen.
Dennis rückte seinen Revolver in der Hosentasche zurecht und sah dann zu Mars rüber.
"Was meinst du?"
Mars war ein Schrank - breite Schultern, starke Hüften. Er trug Glatze und hatte ein Tattoo auf dem Hinterkopf: BURN IT. Dennis hatte ihn auf der Baustelle kennen gelernt, auf der er mit Kevin tageweise arbeitete. Mars' Nachnamen kannte er nicht. Er hatte nicht danach gefragt.
"Also - was meinst du?"
"Fahren wir doch mal gucken."
Damit war die Sache klar.
Die Tankstelle mit dem Minimart lag in der Flanders Road, einer breiten Ausfallstraße, die einige teure Wohngegenden miteinander verband. Vier Zapfsäulen umgaben einen bunkerartigen Laden, in dem es Toilettenartikel, Getränke aller Art und viele Kleinigkeiten für den täglichen Gebrauch gab. Dennis hielt an der Rückseite des Gebäudes, damit man sie von drinnen nicht sehen konnte. Beim Runterschalten machte der Pick-up Zicken - das Getriebe war ziemlich hinüber.
"Sieh dir das an - nichts los. Prima."
"Mensch, Dennis, bau keinen Mist. Die schnappen uns."
"Mach dir nicht in die Hose - ich geh nur mal gucken."
Bis auf einen schwarzen Kombi, der gerade tankte, und zwei Fahrräder vor der Ladentür war das Grundstück leer. Dennis' Herz schlug laut, und seine Unterarme waren feucht - trotz der furchtbaren Hitze, die ihm die Spucke im Mund verdunsten ließ. Er war nervös, auch wenn er das nicht zugegeben hätte. Gerade aus der Ant Farm entlassen, wollte er nicht schon wieder einsitzen. Aber wie sollten sie denn geschnappt werden? Was konnte hier schon schief gehen? Ein dumpfer Drang riss ihn mit, und Widerstand war zwecklos.
Kalte Luft schlug Dennis entgegen, als er den Laden betrat. Zwei Kinder standen vor dem Zeitschriftenregal am Eingang. Ein fetter Chinese saß weit nach vorn gebeugt hinterm Kassentresen. Nur sein Kopf ragte über die Tischplatte. Wie ein Frosch, der in einer Schlammpfütze auf Tauchstation gegangen ist.
(...)

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