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Ein Fall für die Greenteams - Das Solarkomplott - Softcover

Roth, Nicolas

 
9783570211243: Ein Fall für die Greenteams - Das Solarkomplott

Inhaltsangabe

Kaum ist die neue Solaranlage der Schule in Betrieb, kommt es zu ersten Pannen. Wieso produziert die Anlage deutlich weniger Strom als errechnet? Und wieso sind nach wenigen Tagen schon die ersten Solarzellen futsch? Marco und seine Freunde wollen der Sache auf den Grund gehen und kommen mysteriösen Geschäften auf die Spur.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Nicolas Roth, Jahrgang 1968, besuchte "eine Zeitlang das Gymnasium" und ist seit einigen Jahren als Reisejournalist tätig. Die Idee zu einer Buchreihe, die sich ausschließlich den Aktivitäten junger Umweltschützer widmet, stammt von seinem Sohn Sebastian und dessen Freunden. Schon bei den ersten Recherchen stellte Nicolas Roth fest: "Die wirkliche Welt der Greenteams ist spannender als jedes Buch."

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Schwarze Scheiben, rosa Wolken

Schnell! Ein Messer!"
Marco zerrte an dem Seil. Welcher Idiot hat diesen bescheuerten Knoten geknüpft?"
Der schlaksige Junge lag flach auf dem Kiesdach der Turnhalle, wenige Zentimeter hinter der Kante, die tief in den Abgrund führte.
Zieh einfach am kurzen Ende", schlug Evelyn vor, die einen knappen Meter entfernt lag.
Witzig. Was glaubst du, was ich die ganze Zeit mache?"
Schnell, der Gemeindepräsident ist gleich fertig!", rief Tamara, die noch ein Stückchen weiter lag.
Marco, Evelyn und Tamara hielten je ein Stück Schnur, das um eine gut acht Meter lange, dicke Stoffwurst geschlungen war.
Und mein Knoten?", zischte Marco.
Etwas Rotes klatschte neben seinen Kopf auf den Kies. Marco griff nach dem Taschenmesser und klappte es auf.
Bitte schön!", sagte Evelyn.
Danke!", knurrte Marco leise.

Macht euch bereit!", rief Tamara. Sie blickte über die Stoffwurst hinab in den Hof der Pestalozzi-Schule. Dicht gedrängt standen dort die Menschen. Alle sahen zu einem kleinen Podium, auf dem der Gemeindepräsident von Grünberg gerade eine seiner gefürchteten endlosen Reden hielt. Neben dem Podium hatte das Schulorchester die Instrumente aufgebaut. Ein dickes Mädchen winkte mit ihrer Klarinette nach oben. Tamara winkte zurück. Da ist Laura."
Siehst du auch Reto?", fragte Evelyn.
Tamara nickte. Er steht neben der Hasler. Wenn es so weit ist, hebt er die Hand."

Reto sah auf seine Uhr.
Es dauert nicht mehr lange", sagte Elisabeth Hasler, die Mathematik-Lehrerin.
Reto zog fragend eine Augenbraue hoch. Die Lehrerin lachte. Immer wenn er an die Stelle kommt, wo er von den Grünberger Tugenden spricht, ist er fast durch mit seiner Rede."
Er hält immer die gleiche?"
Mehr oder weniger."
Reto schüttelte ungläubig den Kopf.
Und deshalb freut es mich ganz besonders ..." Der Gemeindepräsident machte eine kurze Pause, schloss für einen Moment die Augen, als sei er vor Freude ganz ergriffen.
Dann fuhr er fort. ... freut es mich als Gemeindepräsident unserer aufstrebenden Gemeinde ganz besonders, heute nicht nur unsere neue Schulturnhalle einweihen zu können..."
Erneut eine Pause. Das Publikum verstand - und applaudierte wohlwollend.
Der Gemeindepräsident strahlte.
... sondern gleichzeitig auch eine der größten Solarstromanlagen, die bis heute auf einer Schweizer Schule installiert wurde."
Reto und Frau Hasler klatschten beide, so laut sie konnten. Die anderen Zuhörer schlössen sich an.
Der Gemeindepräsident schaute irritiert in die Menge; an dieser Stelle hatte er offensichtlich keinen Applaus vorgesehen.
Ich danke Herrn Schulleiter Stöckli, dem Lehrerkollegium, den Handwerkern und allen Freunden der Schule für ihren unermüdlichen Einsatz..."
Kein Wort von eurem Greenteam", sagte Elisabeth Hasler zu Reto. Der zuckte mit den Schultern.
... und übergebe Turnhalle und Solaranlage nunmehr der Öffentlichkeit."
Die Schüler klatschten. Aus Begeisterung, und einige wohl auch aus Erleichterung darüber, mit dieser Rede den härtesten Teil des Tages überstanden zu haben.
Reto riss den rechten Arm in die Höhe und winkte stürmisch.

Jetzt!", brüllte Tamara oben auf dem Dach. Sie und Evelyn zogen ihren Knoten auf.
Moment!", stöhnte Marco und säbelte noch immer heftig an der Schnur.
Die Wurst entrollte sich schief. Endlich gelang es Marco, seine Schnur zu durchtrennen. Auch seine Seite des Transparents rollte über die Dachrinne. Hunderte gelber Luftballons fielen heraus, die langsam an der Turnhallenwand entlang nach unten glitten.
Let's go solar!, stand auf dem Transparent. Und klein darunter: Greenteam Grünfinken.

Die Schüler johlten und pfiffen. Das Schulorchester blies einen lauten Tusch. Die drei auf dem Dach standen auf und winkten. Die Gäste drängten laut lärmend unter das neue Kuppeldach, das sich zwischen Turnhalle und Schulgebäude spannte. Hier, direkt neben dem Haupteingang, war die große Tafel befestigt, die anzeigte, welche Leistung die neue Solaranlage jeweils lieferte.
6.822 Watt", las Reto.
Du klingst enttäuscht." Neben ihm war das dicke Mädchen mit der Klarinette aufgetaucht.
Reto sah zur Seite. Ach, du bist's, Laura." Reto deutete auf die Tafel. Ich dachte, die Anlage schafft 10 Kilowatt."
Maximalleistung. Bei optimalem Licht. Jetzt ist es 10 Uhr Vormittags und der Himmel ist bewölkt. Dafür ist die Leistung sogar spitzenmäßig."
Wenn du es sagst."
Dann stimmt's auch. Solltest du inzwischen wissen."
Ein hagerer, älterer Mann steuerte direkt auf ihn und Laura zu.
Feine Sache. Nicht wahr?", lobte Schulleiter Stöckli.
Laura und Reto nickten.
Der Schulleiter fixierte die beiden über die Gläser seiner randlosen Brille hinweg, die wie immer ganz vorne auf der Nasenspitze balancierte. Reto, Laura, ihr könnt stolz auf euch sein. Ohne euer Greenteam hätte es die Solaranlage nie gegeben."
Sie haben den Vorschlag in der Gemeindeversammlung eingebracht", sagte Laura.
Trotzdem war es eure Idee - und ihr habt über 250 Unterschriften gesammelt."
Schulleiter Stöckli beugte sich vor. Er senkte seine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern.
Ehrlich gesagt, ich hätte nicht gedacht, dass unser Antrag so problemlos durchgeht."
Schulleiter Stöckli sah über die beiden hinweg. Da kommt der Rest eures Greenteams. Ich will euch nicht weiter aufhalten. Feiert mal schön. Ihr habt allen Grund dazu."
Schulleiter Stöckli winkte dem Gemeindepräsidenten und steuerte auf ihn zu. Laura und Reto sahen lächelnd Marco, Tamara und Evelyn entgegen.
Lasst uns das Büffet plündern!", schlug Laura vor.
Und danach beginnt die Disco in der neuen Turnhalle", sagte Tamara Was haltet ihr davon?" Sie rieb sich erwartungsvoll die Hände. Party?"
Party!", brüllten die anderen vier. So laut, dass Schulleiter Stöckli noch in zwanzig Metern Entfernung zusammenzuckte.

Am nächsten Morgen warteten Marco und Reto vor der großen Tafel - die jetzt am frühen Morgen bereits über 4.000 Watt Leistung anzeigte.
Die beiden waren Zwillinge und sahen sich wirklich ähnlich: groß, schwarzhaarig und sogar im Winter olivbraune Haut -geerbt von ihrem portugiesischen Vater. Ansonsten waren sie sehr unterschiedlich. Marco war superintelligent, ein Überflieger in Physik, Mathe und allem, was mit Computern und Technik zu tun hatte. Schon in der Grundschule hatte er eine Klasse übersprungen.
Jetzt ging er in die achte Klasse, während Reto die siebte besuchte. Sein Bruder Reto war nicht dumm, aber viel mehr an Sport als an der Schule interessiert. Bei seinen Mitschülern war Reto ungemein beliebt. Beide waren schon seit drei Jahren aktive Umweltschützer. Sie hatten das Greenteam an der Pestalozzi-Schule mitgegründet.
Laura kam zusammen mit Tamara. Die beiden Mädchen gingen mit Reto in die siebte Klasse. Laura trug mit Vorliebe lange, weite Kleider, um ihre Figur zu kaschieren. Aber niemand kam auf die Idee, Laura deswegen zu hänseln. Denn sie hatte ohne Zweifel die schärfste Zunge Grünbergs. Wer immer sich mit Laura auf eine Debatte einließ - er hatte bereits verloren.
Tamara war überzeugte Umweltaktivistin, Vegetarierin, Tierschützerin, Atomkraftgegnerin und Friedensfreundin - und so etwas wie der ideologische Kopf der Grünfinken. Tamara war die beste Freundin von Laura, gleich groß, aber 15 Kilo leichter. Tamara trug mit Vorliebe schwarze Klamotten und sah super aus: Naturblond, aber kein bisschen blöd.
4.233 Watt", las Tamara laut. Mann, Leute, mich schüttelt es richtig, wenn ich dran denke, dass wir in Zukunft eine richtig grüne Schule sind!"
Bis dahin vergeht noch viel Zeit", sagte Laura.
Komm schon, wir haben die größte Solaranlage in der ganzen Stadt."
Und die liefert bestenfalls ein Viertel des Stroms, der an der Schule verbraten wird", konterte Laura.
Na ja." Tamara zuckte mit den Schultern.
Und der viele Müll? Die Lichter, die Tag und Nacht auf den Klos brennen?...

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