Gruselspaß der Meisterklasse
Die 12-jährige Jillian ist total genervt von ihren beiden jüngeren Zwillingsschwestern, die nur noch mit ihrer hässlichen Stoffpuppe Mary-Ellen beschäftigt sind, die sie überallhin mitschleppen. Bei einer Bauchredner-Show stoßen die drei Schwestern auf die böse Bauchredner-Puppe Slappy. Harrison, ein Freund von Jillian, der mit in der Show war, findet in einer Mülltonne eine Slappy-Puppe, die offenbar schon etwas alt war und weggeworfen wurde. Jillian hat ein ungutes Gefühl und findet bei Slappy einen Zettel mit seltsamen Worten, aber sie kommt nicht dazu, die Worte alle laut zu lesen. In der Folgezeit passieren ziemlich viele seltsame Dinge – und Jillian wird den Verdacht nicht los, dass Slappy lebt, kann es aber nicht beweisen. Ihre Clownsnummer zusammen mit Harrison geht z.B, schief, weil irgendjemand die Creme mit Seife vertauscht hat etc. Sie findet auch dauernd Zettel bei Slappy, er wolle »seine Braut«. Bei Recherchen beim Bauchredner finden Jillian und Harrison ein Tagebuch, in dem steht, dass Slappy zu Leben erwacht, wenn die Worte auf dem Zettel gesprochen werden. Am Ende geben Harrison und Jillian selbst eine Bauchredner-Show für kleinere Kinder, aber Slappy erwacht jetzt wirklich zu Leben, bespritzt die Kinder mit grüner, stinkender Schmiere und sagt, er verlange »seine Braut«. Jillian denkt erst, dass er damit die Stoffpuppe Mary-Ellen meint, aber er meint sie, Jillian. Doch da taucht Mary-Ellen auf – und es stellt sich heraus, dass alle Merkwürdigkeiten und Katastrophen in der Vergangenheit auf ihr Konto gingen. Sie hat auch die jüngeren Zwillingsschwestern von Jillian im Bann gehalten und Slappy mittels der Worte auf dem Zettel zu Leben erweckt. Nun will sie, dass er SIE zur Braut nimmt. Doch er weigert sich. Die beiden Puppen prügeln sich und setzen sich gegenseitig außer Gefecht. Als Jillian im Tagebuch des Bauchredners liest, dass bei Slappys Vernichtung das Böse auf jemand anders übergeht, wird schnell klar, wer das nur sein kann …
• Aufwendig ausgestattet mit Illustrationen und Schmuckelementen
• Jede Geschichte mit einem Vorwort des Gruselmeisters R. L. Stine
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
R. L. Stine, 1943 in Columbus/Ohio geboren, ist Erfolgsautor der Reihe "Fear Street". Der weltweite Durchbruch gelang ihm mit der Kinder-Gruselreihe "Goosebumps", zu Deutsch "Gänsehaut". Die Zeitung USA Today hat 1999 ermittelt, dass Stine damit zum erfolgreichsten Kinderbuchautor aller Zeiten geworden ist. Er lebt heute mit Frau, Sohn und Hund in New York und teilt sich sein Büro mit einem Skelett.
»Gut gemachte Spannung.«
SZ über die Gänsehaut-Reihe
1. Kapitel
»Jessica, was tust du da?«, fragte meine kleine Schwester Katie mich mit ihrer Quiekstimme. Sie stand in der Tür meines Zimmers.
Ich ließ eine weitere tote Fliege in das Glasbecken fallen.
Peters spitze rosa Zunge zuckte hervor und schnappte sie.
»Mmmmm. Saftiges Fliegenfleisch«, flüsterte ich ihm zu. »Lecker und selten.«
»Was tust du da?«, wiederholte Katie.
Ich wandte mich zur Tür. »Ich übe Geige«, erklärte ich ihr.
Katie verzog das Gesicht. »Nein, Quatsch. Du fütterst deine Eidechse.«
»Bingo«, antwortete ich und verdrehte die Augen. Ich hielt eine tote Fliege hoch. »Möchtest du einen Happen? Lecker, lecker.«
»Die Eidechse ist echt eklig«, jammerte meine Schwester.
»Ich mag sie«, sagte ich unbeirrt. Ich griff in das Becken und kitzelte Peter unter seinem glanzlosen ledrigen Kinn. »Es ist schon spät. Wieso bist du noch auf?«, fragte ich Katie.
Sie gähnte. »Ich bin nicht müde«, antwortete sie.
Amanda, Katies Zwillingsschwester, betrat das Zimmer. »Ich bin auch nicht müde«, verkündete sie. »Und Mary-Ellen ist es auch nicht. Sie will, dass wir bis Mitternacht aufbleiben!«
Ich stöhnte. »Schaff Mary-Ellen aus meinem Zimmer raus, bitte«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen zu Amanda.
»Mary-Ellen kann gehen, wohin sie will!«, erwiderte sie.
»Mary-Ellen kann dich nicht leiden, Jessica«, sagte Katie hämisch. »Sie hasst dich und sie hasst die Eidechse!«
»Und ich hasse Mary-Ellen!«, schrie ich. »Schafft sie aus meinem Zimmer raus!«
Ich weiß, ich weiß. Ich benahm mich genauso kindisch wie meine sechsjährigen Schwestern. Aber ich kann nichts dagegen tun. Ich hasse Mary-Ellen wirklich.
Seit Dad Mary-Ellen mitgebracht hat, ist das Leben hier in unserem Haus schwierig geworden.
Mary-Ellen ist eine riesige Puppe, fast so groß wie die Zwillinge. Sie hat krauses braunes Haar aus Jutefäden. Einen roten, herzförmigen Mund mit einem fiesen Grinsen. Unheimliche violette Glasaugen. Und hässliche, aufgemalte runde rote Flecken auf den Pausbacken.
Die Puppe ist der Horror – aber Amanda und Katie behandeln sie wie eine Art dritte Zwillingsschwester. Sie ziehen der Puppe ihre Klamotten an. Sie reden mit ihr.
Sie singen ihr vor. Sie tun so, als würden sie die Puppe füttern. Und sie schleppen sie überallhin mit.
Sie sind zu Mary-Ellen viel netter als zu mir. Nachts denke ich mir schreckliche Dinge aus, die ich der grauenhaften Puppe gerne antun würde.
Amanda warf sich die riesige Puppe über die Schulter. »Mary-Ellen sagt, dass wir bis Mitternacht aufbleiben dürfen«, wiederholte sie.
Ich schob Peter noch eine saftige Fliege ins aufgesperrte Maul. »Ich glaube nicht, dass es Mom und Dad interessiert, was eine riesige, hässliche Puppe sagt«, erwiderte ich.
Die beiden wandten sich zur Tür, um zu gehen. »Das wird dir noch leidtun«, warnte mich Katie. »Du wirst noch bereuen, dass du gemein zu Mary-Ellen warst.«
»Mary-Ellen sagt, dass es dir leidtun wird«, fügte Amanda hinzu. Als sie aus dem Zimmer marschierte, wippte der große Puppenkopf auf Amandas Schulter auf und ab.
Ich knallte die Tür hinter ihnen zu und atmete auf. Wieso müssen Sechsjährige bloß so nervtötend sein?
Ich fütterte Peter zu Ende. Dann rief ich ein paar Freunde an, quatschte ein Weilchen und machte Pläne fürs Wochenende.
So gegen halb zwölf schlief ich ein. Ich träumte von meinem Freund Harry Cohen. Ich träumte, dass er und ich fliegen konnten. Wir flogen über unsere Schule hinweg und all unsere Freunde staunten Bauklötze.
Ein lautes KLICKEN riss mich aus dem Traum.
Mit einem erschrockenen Keuchen wachte ich auf. Und starrte blinzelnd in die Dunkelheit in meinem Zimmer.
Wieder hörte ich ein metallisches KLICKEN. Und dann ein scharfes Schrappen.
Eine silberne Klinge blitzte in der Dunkelheit auf.
Wie bitte? Eine Klinge?
Was ist denn jetzt los?, schoss es mir durch den Kopf.
Ich versuchte, mich zu bewegen.
Zu spät.
Die Klinge fuhr auf meinen Hals herab – und ich schrie auf.
2. Kapitel
Ich versuchte schnell, die Klinge zu greifen, um sie wegzudrücken, sie von mir fernzuhalten. Da hörte ich leises Kichern. Die Lampe auf dem Nachtkästchen ging an.
»Hä?« Erschrocken stieß ich einen Schrei aus.
Ich blickte in die grinsenden Gesichter meiner Schwestern.
Katie hielt eine große Schere in der Hand. Ihr Lächeln verschwand. »Du hast uns unsere Überraschung verdorben«, maulte sie.
»Was? Überraschung?« Mir hämmerte das Herz in der Brust. »Was macht ihr überhaupt in meinem Zimmer?«, rief ich atemlos.
»Wir wollten dich überraschen«, antwortete Katie. »Wir wollten dir einen neuen Haarschnitt verpassen.«
Mir klappte die Kinnlade herunter – aber ich brachte vor Schreck keinen Ton heraus.
»Einen Haarschnitt?«, keuchte ich schließlich. »Einen neuen Haarschnitt?«
»Wieso musstest du aufwachen?«, murrte Amanda. »Du hast alles kaputt gemacht!«
»Ich … ich werde euch gleich zeigen, wer hier wen kaputt macht!«, rief ich wütend. Mit einem wilden Schrei riss ich Katie die Schere aus der Hand.
Die beiden Kleinen spielen mir andauernd fiese Streiche. Aber so etwas Schreckliches hatten sie noch nie getan. »Was hat euch bloß auf die Idee gebracht …?«, fragte ich.
»Mary-Ellen hat gesagt, dass du einen neuen Haarschnitt nötig hast«, antwortete Katie und zupfte an meinen Haaren herum. »Es war Mary-Ellens Idee.«
Verärgert stieß ich ihre Hand weg. »Verschwindet … aus … meinem … Zimmer«, zischte ich mit zusammengebissenen Zähnen. »Das zahle ich euch heim. Ich schwöre euch, dass ich mich irgendwann räche.«
Die beiden seufzten und wandten sich zum Gehen.
»Wisst ihr, was ich tun werde?«, rief ich ihnen nach. »Ich werde Mary-Ellen einen ganz neuen Haarschnitt verpassen. Ich werde ihr den Kopf abschneiden!«
»Mary-Ellen hat das gehört«, entgegnete Katie.
»Das wird dir noch leidtun«, setzte Amanda hinzu.
Sie huschten durch den Flur in ihr eigenes Zimmer. Es dauerte Stunden, bis ich endlich wieder einschlief.
»Vielleicht sollte ich der Puppe tatsächlich den Kopf abschneiden«, sagte ich mir. »Das würde ihr Aussehen garantiert verbessern …«
Am Samstagnachmittag war ich in meinem Zimmer und wartete darauf, dass mein Freund Harry auftauchte. Strahlender Sonnenschein flutete durch das offene Fenster herein. Es war ein wunderschöner Herbsttag.
»Jessica, wir müssen los!«, hörte ich Amanda draußen auf dem Flur rufen.
»Ja! Wir müssen los!«, stimmte Katie ein, und beide johlten im Chor. »Wir müssen los! Wir müssen los!«
Wieso macht es Sechsjährigen Spaß, immer alles im Chor zu rufen?
»He, lasst mich zufrieden!« Ich hielt mir die Ohren zu, ignorierte ihr Geschrei und schaute in den Spiegel. Ich habe glattes schwarzes Haar und runde grüne Augen. Ich bin dünn und groß – das größte Mädchen in der sechsten Klasse. Manchmal nennt Dad mich Spaghetti, weil ich so lang und dünn bin.
Rate mal, wie gut mir das gefällt.
Die Zwillinge sind ebenfalls groß und dünn und schwarzhaarig. Katie hat meist einen Pferdeschwanz. Amanda trägt ihre Haare gewöhnlich offen, sodass sie ihr über die Schultern fallen.
Aber ich habe trotzdem noch immer Probleme damit, die Zwillinge auseinanderzuhalten. Bis sie den Mund aufmachen. Katie ist die mit der Quiekstimme. Sie ist die Verrückte. Sie steht immer unter Strom! Amanda ist normalerweise viel cooler, viel ruhiger, viel leiser und nachdenklicher.
Nur jetzt nicht. Im Moment klammerten sich beide an mir fest, zerrten mich zur Tür und johlten: »Wir müssen los! Wir müssen los!«
»Wohin?«, rief ich.
Mom kam mit einem Stapel sauberer T-Shirts ins Zimmer. Sie legte ihn mir aufs Bett, dann warf sie Peter einen unfreundlichen Blick zu. Sie hasst ihn ebenfalls. »Jessica, hast du vergessen, dass du mit deinen Schwestern ins Kleine...
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