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Die Krupps: Durch fünf Generationen Stahl - Hardcover

Rother, Thomas

 
9783593365305: Die Krupps: Durch fünf Generationen Stahl

Inhaltsangabe

Krupp ist nicht nur ein Name. Krupp ist ein deutscher Mythos - und weltweit eine Legende. Thomas Rother hat sich auf Spurensuche gemacht in den Lebensläufen der bemerkenswerten Männer und Frauen der Familie Krupp., die wie keine andere für die Licht- und Schattenseiten der deutschen Historie steht.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Thomas Rother, jahrzehntelang Redakteur bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, lebt als Schriftsteller und bildender Künstler in Essen. Er ist Autor u.a. von Muttersuche (1990), Untermenschen Obermenschen (Reportageroman, 1994) und Gründer und Erben. Die großen Familien im Ruhrgebiet (1998).
Thomas Rother ist Träger des Luise-Rinser-Preises und des Kulturpreises der Evangelischen Kirche des Rheinlandes für seine Ausstellung "OST" zum Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

(Aus dem 7. Kapitel: Die Blutwurstkolonie, der Kruppianer und das Nationalmuseum in Weimar)


"Lisken, wo gehsse?" "Im Konsumm." "Wat käufsse?" "Allet." "Brink mich wat mit." So war das vor 100 und noch vor 50 Jahren, wenn die Frau eines Kruppianers zum Einkaufen in den Kruppschen Konsum ging und die Nachbarin sie bat, ihr auf ihrer Karte Salz, Butter, Mehl und Eier mitzubringen, auf der Einkaufskarte für Kruppianer, mit der war alles billiger. Wenn Lisken auffiel, dass sie für die Nachbarin schwarz einkaufte, dann war sie die Karte quitt, wie in Essen "los sein" heißt.

...

1961 hat der langjährige Betriebsratsvorsitzende von Krupp, Heinrich Heider, das Kruppsche Modell eines Arbeiters und seiner Familie, den Kruppianer, so skizziert: "Man war von der Wiege bis zur Bahre Kruppianer. Man trug die Kruppsche Säuglingswäsche, den Kruppschen Konfirmandenanzug und vor allem den Kruppschen Hut, der nicht nur denselben Schnitt hatte, sondern auch von den engen Spinden her an den beiden Seiten hochgebogen war - Kennzeichen eines geachteten Standes. Man ging in den Kruppschen Kindergarten und huldigte beim Kruppschen Bildungsverein den Musen. Man aß das gleiche Brot (aus dem Konsum) und hatte die gleichen Wohnungen. Über allem aber wachte in väterlicher Güte und Strenge der Patriarch. Der Kruppianer war im allgemeinen zufrieden, denn sein Standesbewußtsein als Arbeiter oder 'Beamter' war jung, die Erinnerung an die soziale Not war frisch. Dem väterlichen Bild, das Alfred Krupp verkörperte, brachte er in der Regel fast eine kindliche Dankbarkeit entgegen."

Im Kinderlied ist sogar der deutsche Kaiser zum Kruppianer geworden. Wilhelm Zwo war so mit den Kruppwerken verbunden (oder umgekehrt), dass Krupp zum "nationalen Unternehmen schlechthin" wurde, wie der Historiker Lothar Gall urteilt. Als der Kaiser 1918 abdankte, sang Klein und Groß an Rhein und Ruhr: "Oh Tannebaum, oh Tannebaum, der Kaiser hat in Sack gehauen. Er kauft sich einen Henkelmann und fängt bei Krupp als Schlosser an." Später ersetzten die Kinder "Kaiser" mit "Lehrer". Der Henkelmann war ein aus zwei kleinen Emailletöpfen bestehender Essensbehälter mit einem Henkel. Ein Topf für Kartoffeln, ein anderer für Soße, Braten (eher selten), meistens war in beiden Durcheinandergekochtes. Mütter, Bräute, vor allem aber Kinder brachten den Männern zur Pause das Essen ans Fabriktor. Kruppianer durften während der Pausen das Werk nicht verlassen. So zogen, kurz bevor der Kruppsche Esel schrie, barfüßige Jungen in Borbecker Halblang mit Henkelmännern zum Werktor. Oft fuhren auch Henkelmannwagen durch die Siedlungen und holten die Henkelmänner ab, die in den Fabriken im Warmwasserbad wieder erhitzt wurden. Borbecker Halblang? Knabenhosenmode, schlabberig bis kurz unterm Knie, die im dem Essener Stadtteil Borbeck entstanden ist, in dem das Kruppsche Panzerbaugelände lag. Kruppscher Esel? Zu Schichtbeginn und -ende sowie zur Pause heulten die Werkssirenen, die wegen ihres speziellen Tones Esel genannt worden sind.

Der Kruppianer-Dünkel ging soweit, dass bis 1901 die Krupp-Siedlung Kronenberg kein Fremder betreten durfte. Noch etwas besser als die Arbeiter dünkten sich Kruppsche Beamte, wie in dieser Firma Angestellte hießen. So ist viel Wahrheit an dieser Geschichte: Der Kruppsche Beamte geht morgens mit Aktentasche und brennender Zigarre aus dem Haus. In der Aktentasche sind aber nur Thermoskanne mit Kaffee und Butterbroten; die Zigarre macht er an der nächsten Strassenecke aus, denn die braucht er am nächsten Morgen, um mit ihr wieder stolz ins Büro zu gehen. Einigen Werkmeistern und höheren Beamten wurden Eckwohnungen zugewiesen mit Sicht über die gesamte Strassenlänge, damit sie sehen konnten, wer von ihren Untergebenen betrunken war oder wer möglicherweise zu Versammlungen der verhassten Sozialdemokraten ging. Als Gesetzgeber, als der sich Alfred Krupp fühlte, kam für ihn die Ordnung immer von oben (das hat sich bei seinem Nachfolger Gustav verhängnisvoll ausgewirkt), so dass politische Aktivitäten in der Fabrik verboten waren und er seinen Leuten riet: "Das Politisieren in der Kneipe ist sehr teuer, dafür kann man im Hause besseres haben." So wird der Fabrikherr zum Lehrer, der die Seinen ermahnt: "Genießet, was euch beschieden ist. Nach getaner Arbeit verbleibet im Kreis der Eurigen, bei den Eltern, der Frau und den Kindern und sinnt über Haushalt und Erziehung. Das sei euere Politik, dabei werdet ihr frohe Stunden erleben. Aber für die große Landespolitik erspart euch die Aufregung. Höhere Politik erfordert mehr Zeit und Einblick in die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist." Brave Kruppianer wollte Krupp haben. Als Urenkel Alfried Krupp 1953 nach sechs Jahren Haft wieder in die Firma eintrat, sein optimistischer Aufbauwille Direktoren erstaunte, bat er aufs zerstörte Werksgelände. Da fragte er den, den er gesucht hatte, einen alten kritischen Sozialdemokraten, ob es zu schaffen wäre. "Na klar, wir sind doch Kruppianer!

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