Gardner, Csikszentmihalyi & Damon zeigen, wie Spitzenleistung im Beruf mit persönlichen und humanen Überzeugungen verbunden werden können. In ausführlicher Darstellung und in intensiven Gesprächen mit Forschern, Gentechnologen, Redakteuren, Journalisten und Moderatoren entwerfen sie ein Modell, das im 21. Jahrhundert den Anforderungen gerecht wird und verantwortungsvollem Handeln entspricht. Ob als Sachbearbeiter oder als Managerin, immer wichtiger wird die Verantwortung für das eigene Handeln. Die stärkste Triebfeder im Arbeitsleben ist nicht das Geld, sondern die Selbst-Verpflichtung, gute Arbeit leisten zu wollen. Sogar unter den schwierigen Bedingungen erhöhter Anforderungen kann jeder Berufstätige verantwortungsvolle Spitzenleistungen erbringen. * Good Work - Modell: Drei renommierte amerikanische Psychologen entwerfen eine Vision für die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts, wie Spitzenleistungen mit ethischen Überzeugungen verbunden werden können. * Good Work - Mission & Vision: Was wollen Sie in Ihrem Leben wirklich erreichen? Für welche Vision setzen Sie sich wirklich ein? * Good Work - Spitzenleistungen und Verantwortung: Ausführlich dargestellt an zwei brisanten Berufsfeldern - Genforschung und Journalismus. Gespräche mit Forschern und Journalisten. * Good Work - für jeden: Wie jeder Berufstätige seine Spitzenleistung erbringen kann, ohne seine Überzeugungen in der Firmengarage parken zu müssen. *** Ebenfalls bei Klett-Cotta erschienen: Howard Gardner: - Abschied vom IQ - Intelligenzen Mihaly Csikszentmihalyi: - Flow. Das Geheimnis des Glücks - Flow im Beruf - Kreativität - Lebe gut! - Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben - Die außergewöhnliche Erfahrung im Alltag
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
- Howard Gardner, der Theoretiker der vielfältigen Intelligenzen, überwand die Fixierung auf den IQ und integrierte den EQ vor Coleman in seine Erforschung der menschlichen Persönlichkeit. - Mihaly Csikszentmihalyi ist der Meister des Flow, weltweit der Nestor der Leistungs- und Glücksforschung. - William Damon ist einer der bedeutenden Entwicklungspsychologen in den USA.
Kapitel 1
Good Work in schwierigen Zeiten
Zu allen Zeiten war es für viele Menschen wichtig, »Gute Arbeit« zu leisten. Genauso hat es aber auch schon immer Menschen gegeben, die ihre Arbeit zwar tadellos erledigen, für deren Folgen aber wenig Verantwortung übernehmen. Die Menschen, die nach unserer Definition »Gute Arbeit« leisten, sind sicherlich zunächst einmal alle Experten in einem oder sogar mehreren Berufen. Doch zugleich streben sie nicht nur nach Geld oder Ruhm oder wählen im Konfliktfall den Weg des geringsten Widerstandes, sondern sie denken auch über ihre Verantwortung und die Folgen ihrer Arbeit nach. Im Idealfall versuchen sie, so zu handeln, daß ihre eigenen persönlichen Ziele, ihre Familien, Freunde und Kollegen, aber auch das, was sie als ihre Mission oder ihre Berufung empfinden, die Institutionen, denen sie angehören, und schließlich die Welt in einem weiteren Sinn ganz unbekannte Menschen, nachfolgende Generationen und, im weitesten Sinn, der ganze Planet oder Gott Respekt und Rücksicht finden!
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Natürlich kann niemand ständig all diese Verantwortlichkeiten gleichzeitig im Blick behalten. Wie der sprichwörtliche Tausendfüßler, der erklären soll, wie er seine Beine beim Laufen koordiniert, würde auch ein »Guter Arbeiter« dies während seiner alltäglichen Arbeit unpraktikabel und möglicherweise kontraproduktiv finden. Und doch bleiben jedem, der »Gute Arbeit« in unserem Verständnis leistet, diese Punkte implizit ständig präsent, und von Zeit zu Zeit wendet er sich ihnen auch explizit zu.
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Journalismus und Genforschung: Ein lehrreicher Kontrast
Journalismus und Genforschung sind Musterbeispiele für Berufsfelder, die ständig neue Herausforderungen bieten. Als wir mit unserer Untersuchung begannen, wie Journalisten und Genforscher an ihre jeweilige Arbeit herangehen, entdeckten wir, daß sich die Experten in diesen Bereichen in einem Aspekt unterschieden, den wir so nicht erwartet hätten. Genforscher erleben zur Zeit eine Phase, in der ihr Beruf außergewöhnlich anregend ist und sämtliche für ihren Forschungsbereich relevanten Kräfte an einem Strang ziehen. Die breite Öffentlichkeit, die Aktionäre der Gentechnologiefirmen und die Wissenschaftler selbst streben ein gemeinsames Ziel an: jedem mehr Gesundheit und ein längeres Leben zu verschaffen. In krassem Gegensatz dazu berichteten uns die Journalisten, sie arbeiteten in einer Zeit, in der ihr Berufsbild durch Unruhe und Zweifel stark in Mitleidenschaft gezogen sei und die relevanten Kräfte alles andere als an einem Strang zögen, sondern sogar teilweise diametral auseinanderstrebten. Viele Journalisten haben das Gefühl, sie sollten sich mehr Zeit für die Recherche eines komplexen Themas nehmen, aber das Publikum giert nach Klatsch und Tratsch und nach Skandalen, während die Verlagsleitung vor allem an höheren Gewinnen im nächsten Quartal interessiert ist.
Zu Zeiten also, wenn alle Beteiligten harmonisch zusammenwirken, scheint »Gute Arbeit« etwas relativ Unproblematisches zu sein. Ist dies jedoch nicht der Fall, wird sie zur Belastung. (Diese beiden Zustände, die wir auch mit alignment und misalignment bezeichnen, werden wir im Kapitel 2 noch genauer untersuchen.) Und so präsentierten sich uns Genforscher und Journalisten in einem nicht erwarteten Ausmaß als sehr unterschiedlich gestimmte Berufsgruppen: Im Bereich der harmonischen Genforschung erschien es relativ unproblematisch, Gute Arbeit zu leisten; im Journalismus dagegen, wo alle Kräfte in verschiedene Richtungen streben, konnten wir durchgängig eine Bedrohung der »Guten Arbeit« nachweisen. Dennoch darf man aus dieser Beobachtung keine einfachen Schlüsse ziehen. Eine allzu offensichtliche Harmonie der Kräfte (alignment) kann unempfindlich gegen störende Faktoren machen, etwa für bestimmte Bedrohungen der Guten Arbeit, die unter der Oberfläche lauern. Tatsächlich gibt es!
heute in der Genforschung erhebliche Gründe zur Beunruhigung: vom Verwischen der Grenzlinie zwischen der nicht gewinnorientierten akademischen Grundlagenforschung und der gewinnorientierten Forschung in Unternehmen bis hin zur Neigung, die mit der Gentherapie und dem Klonen von Organismen verbundenen Risiken zu leugnen. Umgekehrt kann aber auch eine deutliche Disharmonie der Kräfte (misalignment) in einem Berufszweig letztendlich ihr Gutes haben: Ein solches Ungleichgewicht bringt die Gefahren für Gute Arbeit ans Licht und kann alle Beteiligten in die Lage versetzen, erfolgreich für das zu kämpfen, was für sie das Wesen ihres Berufes ausmacht, hohe Standards anzustreben und ihre eigene Identität zu stärken. Der Journalismus kann gerade dadurch, daß die Verwerfungen in seinem Bereich offensichtlich werden, durchaus an Stärke gewinnen.
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