Die Rache der Sith 1. Aufl. 448 Seiten HC Random House Entertainment, ERSTAUSGABE
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Matthew Stover, geboren 1962, lebt von seinem vielseitigen Talent: Er ist nicht nur einer der hoffnungsvollsten Autoren der amerikanischen Science-Fiction-Szene, sondern ebenso erfolgreicher Schauspieler, Theaterproduzent und Bühnenautor. Der leidenschaftliche Gelegenheits-Barkeeper wohnt mit der Künstlerin Robyn Fielder in Chicago.
Anakin und Obi-Wan
Flakfeuer blitzte auf allen Seiten. Noch lauter als das Prasseln von Splittern am Cockpit und das Knurren des Sublichttriebwerks waren das Fauchen und Dröhnen der knapp am Sternjäger vorbeirasenden Strahlen, die aus den Turbolasern der nahen Großkampfschiffe stammten. Manchmal führte der spiralförmige Sturzflug so nahe an destruktiver Energie vorbei, dass die energetischen Druckwellen den Sternjäger zur Seite warfen. Wenn das geschah, prallte der Kopf des Piloten an die Stützen des Sessels.
Derzeit beneidete Obi-Wan Kenobi die Klone - sie hatten wenigstens Helme.
"R4", sagte er über die interne Kommunikation, "kannst du was mit den Trägheitskompensatoren anstellen?"
Der Droide in der linken Tragfläche des Sternjägers pfiff etwas, das verdächtig nach einer menschlichen Entschuldigung klang. Die Falten fraßen sich tiefer in Obi-Wans Stirn. R4-P17 hatte zu viel Zeit mit Anakins exzentrischem Astromech verbracht; er übernahm R2-D2s schlechte Angewohnheiten.
Neues Abwehrfeuer schlug ihm entgegen. Er griff in die Macht und suchte nach einem sicheren Weg durch die Schrapnellschwärme und zischenden Netze aus Partikelstrahlen.
Es gab keinen.
Er biss die Zähne zusammen und steuerte den Sternjäger um eine weitere Explosion herum, die imstande gewesen wäre, die Panzerung wie die Schale einer überreifen ithorianischen Sternenfrucht platzen zu lassen. Er hasste diesen Teil. Er hasste ihn.
Das Fliegen war für Droiden bestimmt.
Es knackte in den Cockpitlautsprechern. "Es gibt keinen Droiden, der besser fliegen könnte als Ihr, Meister."
Die neue Tiefe in der Stimme überraschte ihn noch immer. Die ruhige Zuversicht. Die Reife. Erst in der letzten Woche schien Anakin ein Zehnjähriger gewesen zu sein, der ihn mit Fragen über die erste Form des Lichtschwertkampfs bedrängt hatte.
"Entschuldigung", brummte er, zog den Sternjäger nach unten und wich dadurch einem weiteren Turbolaserstrahl aus, der in einem Abstand von nur einem Meter vorbeigleißte. "Habe ich das laut ausgesprochen?"
"Selbst wenn das nicht der Fall wäre ... Ich weiß, was Ihr denkt."
"Tatsächlich?" Er sah durchs transparente Cockpitdach und stellte fest, dass sein früherer Padawan kopfüber flog, wie ein Spiegelbild - ohne den Transparistahl zwischen ihnen hätten sie sich die Hände schütteln können. Obi-Wan lächelte. "Ein neues Geschenk der Macht?"
"Nicht der Macht, Meister. Erfahrung. Das denkt Ihr immer."
Obi-Wan hoffte noch immer, etwas vom alten großspurigen Grinsen Anakins in seiner Stimme zu hören, aber das war nie der Fall. Seit Jabiim nicht mehr. Vielleicht sogar seit Geonosis.
Der Krieg hatte es aus ihm herausgebrannt.
Dann und wann versuchte Obi-Wan nach wie vor, seinem früheren Padawan ein echtes Lächeln zu entlocken. Und Anakin versuchte, darauf zu reagieren.
Sie bemühten sich beide, so zu tun, als hätte der Krieg sie nicht verändert.
"Ah." Obi-Wan löste eine Hand vom Steuerknüppel des Sternjägers und deutete nach vorn. Ein blauweißer Lichtpunkt teilte sich in vier laserstrahlgerade Spuren von Ionentriebwerken. "Und was schlägt deine Erfahrung in Hinsicht auf die herankommenden Tri-Jäger vor?"
"Wir sollten nach rechts ausweichen!"
Obi-Wan leitete das Manöver ein, noch während Anakin sprach. Aber da Anakin kopfüber flog, führte der Schwenk nach rechts sie beide in unterschiedliche Richtungen. Die Kanonen der Tri-Jäger zerrissen das All zwischen ihnen, und ihre Zielerfassung war schneller als die beiden Sternjäger.
Ein akustisches Warnsignal kam vom Display: Die Sensoren von zwei Droiden hatten den Ortungsfokus auf ihn gerichtet. Die beiden anderen nahmen sich vermutlich den zweiten Sternjäger vor. "Anakin! Schnappkiefer!"
"Genau mein Gedanke."
Sie fegten an den Tri-Jägern vorbei und flogen in Ausweichspiralen. Die Droidenschiffe nahmen die Verfolgung auf und änderten so abrupt den Kurs, dass lebende Piloten auf der Stelle tot gewesen wären.
Das Schnappkiefer-Manöver war nach den scherenartigen Mandibeln der Schlitzspinne von Kashyyyk benannt. Die Droidenschiffe näherten sich von hinten, und ihre Strahlblitze flackerten durchs All, als die beiden Jedi ihre Schiffe synchron rollen und dann dicht unter einem riesigen Kreuzer der Republik aufeinander zurasen ließen.
Für gewöhnliche menschliche Piloten wäre dies Selbstmord gewesen. Wenn man den Sternjäger des Partners bereits sieht, der mit einem ansehnlichen Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit heranjagt, sind menschliche Reflexe viel zu langsam, um noch reagieren zu können.
Aber diese beiden Piloten waren keine gewöhnlichen Menschen.
Die Macht bewegte Hände an den Steuerknüppeln, als die beiden Sternjäger aneinander vorbeirasten, Bauch an Bauch, nahe genug, um sich gegenseitig Lack abzukratzen. Tri-Jäger Waren die modernsten Raumdroiden der Handelsföderation. Doch selbst die elektronischen Reflexe ihrer Droidengehirne waren für dies zu langsam: Einer von Obi-Wans Verfolgern raste einem Verfolger Anakins entgegen. Beide verschwanden in einem Glutball. (...)
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