Als Mathilda den Himmel malen mußte, damals, im ersten Schuljahr, verwendete sie so viel schwarze Farbe, daß ihr Himmel der letzte war, der trocknete. Ihre Lehrerin weigerte sich, Mathildas Himmel an die Wand zu hängen, weil er die Kraft eines Gewitters hatte, das überzugreifen drohte auf die fröhlich blauen Himmel der anderen Kinder. Sie konnte sich nicht erklären, woher die Finsternis kam, glaubte, das Bild sei ein Ausdruck tiefster Ängste, und bat Mathildas Eltern zu einem Gespräch. Mathildas Vater schaute sich den Himmel an und fand, die Lehrerin mache sich unnötig Sorgen. Er wies auf ein wasserblaues Rechteck, in der Mitte des Bildes, groß wie eine Briefmarke. Sehen Sie, sagte er, da ist der Himmel, und er ist blau, wie alle anderen. Und weil die Lehrerin skeptisch blieb, fügte er hinzu: Meine Tochter wohnt unterm Dach, ihr Bett steht unter einem Fenster. Verstehen Sie? Für Mathilda ist der Himmel ein Rechteck.
Mathilda hatte den Himmel gemalt, wie sie ihn sah: ein Ausschnitt im Schatten der Zimmerwand, durch den nachts, bei klarem Himmel, der Mond leuchtete und tags so oft die Wolken durchzogen. Ein Himmel hinter Glas, mit Kanten und vier Ecken.
Es war das einzige Fenster im Dachgeschoß, und seit Mathilda denken konnte, lebte sie in diesem Raum mit den schrägen Holzwänden, der stets ein wenig zu dunkel war und im Sommer ein wenig zu stickig. Und wenn sie im Bett lag, auf dem Rücken, hatte sie ein Stück vom Himmel für sich allein. Ihrem Himmel fehlte die Weite, die Unendlichkeit, so eingeengt verlor er seine Wirkung, und deshalb hatte die Lehrerin ihn nicht erkannt in diesem kleinen Rechteck, das damals im Klassenzimmer keinen Platz bekam und seitdem an der schrägen Holzwand neben dem Fenster hing. Ihr Vater war der einzige gewesen, der das Bild verstanden hatte. Er hatte den Himmel entdeckt, wo alle anderen nur schwarz sahen.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Als Mathilda den Himmel malen mußte, damals, im ersten Schuljahr, verwendete sie so viel schwarze Farbe, daß ihr Himmel der letzte war, der trocknete. Ihre Lehrerin weigerte sich, Mathildas Himmel an die Wand zu hängen, weil er die Kraft eines Gewitters hatte, das überzugreifen drohte auf die fröhlich blauen Himmel der anderen Kinder. Sie konnte sich nicht erklären, woher die Finsternis kam, glaubte, das Bild sei ein Ausdruck tiefster Ängste, und bat Mathildas Eltern zu einem Gespräch. Mathildas Vater schaute sich den Himmel an und fand, die Lehrerin mache sich unnötig Sorgen. Er wies auf ein wasserblaues Rechteck, in der Mitte des Bildes, groß wie eine Briefmarke. »Sehen Sie«, sagte er, »da ist der Himmel, und er ist blau, wie alle anderen.« Und weil die Lehrerin skeptisch blieb, fügte er hinzu: »Meine Tochter wohnt unterm Dach, ihr Bett steht unter einem Fenster. Verstehen Sie? Für Mathilda ist der Himmel ein Rechteck.«
Mathilda hatte den Himmel gemalt, wie sie ihn sah: ein Ausschnitt im Schatten der Zimmerwand, durch den nachts, bei klarem Himmel, der Mond leuchtete und tags so oft die Wolken durchzogen. Ein Himmel hinter Glas, mit Kanten und vier Ecken.
Es war das einzige Fenster im Dachgeschoß, und seit Mathilda denken konnte, lebte sie in diesem Raum mit den schrägen Holzwänden, der stets ein wenig zu dunkel war und im Sommer ein wenig zu stickig. Und wenn sie im Bett lag, auf dem Rücken, hatte sie ein Stück vom Himmel für sich allein. Ihrem Himmel fehlte die Weite, die Unendlichkeit, so eingeengt verlor er seine Wirkung, und deshalb hatte die Lehrerin ihn nicht erkannt in diesem kleinen Rechteck, das damals im Klassenzimmer keinen Platz bekam und seitdem an der schrägen Holzwand neben dem Fenster hing. Ihr Vater war der einzige gewesen, der das Bild verstanden hatte. Er hatte den Himmel entdeckt, wo alle anderen nur schwarz sahen.
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