Seine erste Schallplatte kaufte Dylan Jones mit elf, dann folgen mehr als drei Jahrzehnte, in denen es nichts anderes gibt als alle möglichen Popstars und ihre Musik: die Buzzcocks, die Beatles, die Sex Pistols, Prince, Roxy Music, Van Morrison, John Coltrane und Tausende andere. Sein Plattenspieler, sein Walkman und der CD-Player waren Jones’ engste Freunde. Und dann – kam der iPod. Dieser Fetisch, dieses teuflisch verführerische kleine Stück Hardware, die größte Erfindung des Pop nach der E-Gitarre, wie Bono sagt. Diese Verlängerung des Ich, dieser Speicher aller Musikerinnerungen, die geniale Jukebox, die nur die eigene Musik spielt, wo immer man ist. Jede Platte, zu der man je getanzt, geküßt, geweint hat – per Klick ist sie aus dem Cyberspace zurück im eigenen Leben. Dylan Jones schreibt – während er seine ganz persönliche Plattensammlung zusammenstellt – nicht nur ein »beeindruckendes Kaleidoskop der Musiktrends der letzten dreißig Jahre« (Daily Telegraph), sondern den Soundtrack zu seinem und unserem Leben.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Dylan Jones, 45, Chefredakteur von »GQ«, zuvor Redakteur bei »ID«, »The Face« und dem »Sunday Times Magazine«, Musikjournalist und Stilkritiker, ist in England der Mann für populäre Kultur. Er lebt in London und besitzt einen G3 40 GB iPod, einen iPod Mini sowie einen iPod Shuffle.
Ich bin eine Jukebox
»Ich heiße Dylan Jones und bin musikabhängig «
Einleitung Mein Zeigefinger drückt die linke Taste, und meine transparente Macally-Maus leuchtet rot auf. Ich öffne iTunes über die vertikale Taskleiste und gleite mit dem Mauszeiger über meine Bibliothek, eine Bibliothek, die im Augenblick 4399 Songs enthält (was 12,2 Tagen pausenloser Musik entspricht und 29,96 GB auf meiner Festplatte belegt).
Ich öffne eine CD-Hülle und lasse die CD in das Laufwerk meines PowerBook G4 gleiten. Sekunden später erscheint ein Symbol auf meinem Desktop, anderthalb Zentimeter groß, eine ziemlich genaue bildliche Darstellung einer Compact Disc: »Audio CD« steht darunter (obwohl mich das Icon eher an die Miniaturausgabe der guten alten Schallplatte erinnert). Ich bin zu Hause und habe mich nicht ins Internet eingeloggt mit der Breitband-Verbindung wird es wohl noch einige Wochen dauern, denn die British Telecom hat es noch immer nicht geschafft, ihre Telefonkabel und mein Modem zum problemlosen Datenaustausch zu bewegen.
Auf meinem Bildschirm öffnet sich eine Titelliste fünfzehn Songs, alles Beatles-Covers, eine der beiden Gratis-CDs, die ich zusammen mit dem Kauf eines Mojo-Magazins bekommen habe. Diese CD heißt Beatlemania/Volume 1, und ich werde mir nun The Cyrkles genialische, irgendwie seltsame (und scheinbar zufällig, aber eigentlich ganz bewusst verstimmte) Version von »I m Happy Just To Dance With You« herunterladen, einer Nummer, die Lennon and McCartney ursprünglich für den Film Yeah! Yeah! Yeah! geschrieben haben (ich halte die Version für genialisch und irgendwie seltsam, weil sie genau dann die Tonart wechselt, wenn man es am wenigsten erwartet was meine Theorie unterstützt, dass alle wirklich außergewöhnlichen Songs die Tonart wechseln, wenn man es am wenigsten erwartet).
Ich markiere den Song mit einem Mausklick, woraufhin er mit einem hellblauen, waagerechten, vier Millimeter breiten Band unterlegt wird, ziehe ihn dann mit gedrückter Maustaste in meine Bibliothek und starre, während der Song auf die Festplatte geladen wird, auf das Fenster am oberen Rand von iTunes. Das Ganze hat noch immer etwas Magisches, und während ich zusehe, wie sich der Ladebalken füllt, muss ich an all die Mission: Impossible-artigen Filme denken, in denen ein Computercrack verzweifelt versucht, eine Bombe in einer Aktentasche zu entschärfen, ehe auf seinem Laptop das Wort »UNTERBROCHEN« zu flackern beginnt. Fünfzehn Sekunden später »I m Happy« ist nur 1 Minute 58 Sekunden lang taucht der Song am unteren Ende meiner Bibliothek auf und wartet darauf, dass ich genauere Informationen eingebe. Nachdem ich das erledigt habe ich tippe Namen des Albums und Songtitel zuerst ein, damit sich der Song nicht bewegt, bevor ich fertig bin , springt er an den ihm rechtmäßig zustehenden Platz im Alphabet, Titel 4400, gespeichert und jederzeit abrufbar und von nun an fester Bestandteil meines Lebens. Ich fahre über die Titelliste und suche ihn keine Ahnung warum, weil er immer dort sein wird, wo er jetzt ist, so lange, bis er mir nicht mehr gefällt und ich ihn lösche , und natürlich ist er da und hat sich, eigentlich ganz passend, zwischen »Move On Up« von Curtis Mayfield und »You re The One For Me« von D Train ein gemütliches Plätzchen gesucht.
Mit einem Doppelklick mit der Maus starte ich den Song.
Und dann gehe ich auf Reisen, scrolle auf und ab durch die Bibliothek, auf der Suche nach Titeln, so wie ich früher in Plattenläden Langspielplatten durchgesehen habe, damals mit zwölf, einen Titel nach dem anderen, einfach nur um mich zu vergewissern, dass sie immer noch da sind. Und während ich vor mich hin scrolle, entdecke ich einen Song, den ich schon längst für gelöscht gehalten habe großartig! , eine Nummer von Groove Armada, die mir nicht mehr gefällt. Das bedeutet mehr Platz für neue Stücke, mehr Gigabytes für die CDs, die ich demnächst kaufen werde, für den Rufus-Wainwright-Song »Rebel Prince« vom Album Poses, den ich mit iTunes herunterladen werde. Ich klicke auf die rechte Maustaste und scrolle nach unten zum Feld »Löschen«, und nachdem mein PowerBook mich zweimal gefragt hat, ob ich diesen Song wirklich und ganz sicher aus meiner Liste und aus meiner Bibliothek entfernen will, ist er verschwunden, verbannt an jenen gottlosen Ort, den vermutlich alle unerwünschten MP3-Dateien zum Sterben aufsuchen. Nach dem Löschen ziehe ich weiter, scrolle nach oben, klicke mich nach unten, streife ziellos herum und ergebe mich der großen Liebe meines Lebens.
Jede einzelne Platte, die ich jemals besessen und behalten habe, befindet sich auf dieser Maschine von Alice Coopers »Elected« bis zu »Lola s Theme«, dem House-Klassiker von Shapeshifter. Die erste Platte habe ich gekauft, nachdem ich die Band bei Top of the Pops gesehen hatte, die andere nach einem Besuch in einem Nachtclub auf Ibiza. Mein ganzes Leben ist hier zu finden, 40 GB Speicher, dreißig Jahre Erinnerungen. Jeder Song, der mir je etwas bedeutet hat, ist irgendwo gespeichert und wartet an seinem Stammplatz darauf, dass er zum Tanz aufgefordert wird.
Ich springe willkürlich zwischen Fünfzigerjahre-Doo-Wop und alternativem Country aus den Neunzigern hin und her, zwischen Delfonics, Thorns, Creedence Clearwater Revival und den Pogues, als wäre ich an einem Flipper oder einem computergesteuerten Einarmigen Banditen. Ich bin eine Jukebox, und es ist ein tolles Gefühl.
Ich öffne einen Schrank in meinem Arbeitszimmer und hole mein PowerPod hervor, das weiße Kabel, mit dem ich iPod und PowerBook zusammenschließe. Als die Verbindung steht, beginnt der iPod mit dem Laden der neuesten Ergänzungen aus meiner Bibliothek, insgesamt 154 neue Songs. Ein paar Minuten später ist der Vorgang abgeschlossen, und mein iPod ist voll randvoll, aber stolz. Ich sehe mir das Gerät an, das vor mir auf dem Tisch liegt. Der iPod erinnert ein wenig an eine kleine Lautsprecherbox. Er ist weiß, rechteckig, ergonomisch, mit perfekt abgerundeten Kanten und einem blassblauen, fünf Zentimeter großen LCD-Bildschirm, der zwei Sekunden lang strahlend hell aufleuchtet, wenn ich eine der Tasten des iPod berühre (ich habe ihm das beigebracht, und er tut das, was man ihm sagt). Er besteht aus einem wirklich unglaublichen Kunststoff, einem kristallinen Copolyester-Werkstoff namens »Antarctica«, der aussieht wie das modernste Material, das je erfunden wurde.
Wenn das Licht langsam erlischt und wieder aufleuchtet, sieht es so aus, als wolle der iPod mir zuzwinkern, mich wissen lassen, dass er jederzeit einsatzbereit ist. Und er ist nicht nur einsatzbereit, sondern geradezu einsatzwillig. Seine riesige Bibliothek wartet nur darauf, durchblättert zu werden. Damit mein 3G iPod loslegt, muss ich nur einen Knopf drücken, dann den leicht erhöhten Rand in der Mitte des Scroll-Rads berühren, drehen, suchen, und dann durch die Songs weiterscrollen bis zu mal sehen, wie wäre es mit »A Man Needs A Maid« von Neil Young, vom Album Harvest, also aus der Zeit, als er James Taylor sein wollte und als ich meine Mum zu überreden versuchte, mir meine ersten ausgestellten Jeans zu kaufen. Mein iPod teilt mir mit, dass dies der erste Song von insgesamt 4400 möglichen ist (ich weiß das!) und dass, während ich dies hier tippe, bereits 1 Minute 22 Sekunden des Songs vergangen sind und das Stück verdammt! nur noch 1,41 Minuten, nein, 1,33 Minuten Restzeit hat. Ist das nicht unglaublich clever? Das ist eine Annehmlichkeit, über die ich nie wirklich nachgedacht habe, eine Annehmlichkeit, von der ich nie wusste, dass ich sie brauchte oder wollte , aber ohne die ich natürlich heute nicht mehr leben kann. Zumindest glaube ich, dass das so ist. Und so geht es mir mit dem iPod im Allgemeinen. So geht es mir mit meinem iPod (meinem intuitiven kleinen iPod), meinem PowerBook, mit meinen kultigen weißen Ohrhörern und einfach allem, was damit zusammenhängt meine Gefühle sind fast schon unnatürlich.
Der iPod hat sich in mein Leben...
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