Risiko-Geburt und erste Lebensjahre. Die Vojta-Methode 2004 256 S. illustrierter Pappband / gebundene Ausgabe Herbolzheim : Centaurus Verlag (Lebensformen, Band 3),
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Prof. Dr. Klaus Otto Nass, war bei der Europäischen Kommission in Brüssel und bei der Niedersächsischen Landesregierung tätig, u.a. als Staatssekretär. Er lehrt an der Universität Hannover europäisches und internationales Recht und ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen, u.a. des Buches Des ersten Sohnes frühe Jahre (erschienen bei DVA und dtv).
Zweites Lebensjahr, 3. März
Die diagonalen Ströme der Krankheit und Gesundung
Jeden Monat einmal fährt Berenike zur Praxis des Dr. Vojta an der orthopädischen Universitätsklinik in Köln. Im Fond unseres panzerartigen roten Volvo ist mehr oder weniger solide ihr Klappsitz befestigt, im Kofferraum der in seine Bestandteile zerlegte Kinderwagen verstaut. Tragetaschen und Beutel sind mit Keksen, Broten, Fläschchen voller Brei und Säften, aber auch mit Tüchern, Windeln, Waschlappen und Crêmes gefüllt. Ausgewähltes Spielzeug soll Abwechslung während der gut zweistündigen Fahrt auf der Autobahn verschaffen: Susi, die Steiffpuppe, das Bilderbuch, in dem Berenike schon Adler , Giraffe , Kikiriki und die Fische Wasser wiedererkennt, Stäbe und Kugeln, Baubau und ein piepsendes Gummischaf. Wichtiger als diese Gegenstände, ja Voraussetzung ihrer sinnvollen Verwendung bei 100 Stundenkilometern, ist die Begleitperson Céline, die neben dem Babysitz und inmitten der soeben beschriebenen Bagage Platz zu nehmen hat. Denn am Steuer sitzt Cornelia, die mutige Mutter der Patientin, und die achtet ausschließlich auf den Verkehr, allenfalls noch auf den Deutschlandfunk.
Gegen 11 Uhr fährt der Wagen in den engen Hof der Klinik, um auf einem Parkplatz zu halten, der für eine Kölner Wagennummer reserviert ist. In der Praxis das gewohnte Bild: Niemand wartet auf den im Gang aufgestellten Bänken, die Behandlung kann vorzeitig beginnen, da gerade jemand abgesagt hat. Berenikes Stimmung hatte sich bereits bei der Einfahrt in den Klinikhof schlagartig verfinstert, bereitwillig läßt sie sich ausziehen und bäuchlings auf den Übungstisch legen, wo sie allen freundlichen Aufforderungen zum Trotz nicht bereit ist, irgendeine spontane Bewegung zu machen.
Dabei hat sie Fortschritte gemacht seit dem letzten Mal. Anfang Dezember wohl hatte sie die ein halbes Jahr lang unterbrochenen Versuche wieder aufgenommen, sich auf die Beine zu stellen, an einem Stuhl, niedrigen Tisch oder an der Badewanne. Dabei zog sie ihren Körper nicht mit Händen und Armen hoch, sondern richtete sich erst mit dem einen, dann mit den anderen Bein auf in den Stand. Darin lag der Erfolg. Inzwischen steht Berenike fast ebenso oft wie sie krabbelt , sofern man das Ausgreifen der Hände und Nachziehen der Kniee so bezeichnen darf. Sie schiebt den Teewagen vor sich her, balanciert an Möbeln, Fensterleisten und am Badewannenrand und hat ihr besonderes Vergnügen daran, zu versuchen von einem Gegenstand zum anderen zunächst zu greifen und dann zu gehen. Doch ihre Beinchen sind noch dünn. So stark sie im Streck-Spasmus sind, so unzulänglich sind sie immer noch auf ihre verschiedenen Funktionen gewappnet: Beugen, Strecken, auf ihnen stehen, den Unterschenkel hin- und herbewegen und schließlich: gehen. Sie sind noch unterentwickelt trotz täglicher Gymnastik.
Wenn Berenike im Krabbeln innehielt, setzte sie sich bisher ausnahmslos aus der Kniebeuge nach hinten zwischen ihre Unterschenkel. Vor einigen Wochen begann sie Spaß daran zu haben, ihren Fuß aus dem Kniegelenk heraus im Halbkreis über den Boden nach vorne zu holen. Ein Bein nach hinten geknickt, eines nach vorne gestreckt, saß sie da, wiederholte wohl auch das Spiel, das ihr Freude zu machen schien. Inzwischen geht sie aus dem Kniesitz heraus mit erst dem einen, dann dem anderen Beine zum Langsitz über. In diesem Sitz allerdings ist ihr Rücken rund. Gerade sitzt sie nur, wenn ihre Beine nicht in der Waagerechten sind, sondern mindestens schräg, wenn nicht senkrecht herunterhängen können: im Kinderwagen z.B. So braucht sie nicht mehr im Wagen liegend die vorbeihuschenden Autos, Wauwaus und Kinder zu betrachten. Berenike sitzt im Kinderwagen.
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Anbieter: Thomas Emig, Altlandsberg, Deutschland
Hardcover. Zustand: Gut bis sehr gut. 1. Auflage. 255 pages with many b/w-illustrations. Bestandsnummer des Verkäufers 2019-013158
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