Roland Wanner ist Maschineningenieur FH und Diplom-Wirtschaftsingenieur. Er ist schon seit über 15 Jahren im Projektgeschäft tätig. Zuerst 5 Jahre als Projektleiter und nachher mehrere Jahre als Projektcontroller und Projektportfolio-Manager im Maschinen- und Anlagenbau. Seit mehr als 6 Jahren arbeitet er als Projektmanagement-Spezialist und Projektportfolio-Manager im Versicherungsbereich.
Auszug aus dem Vorwort
Es gibt kaum ein Aufgabengebiet im Projektmanagement, bei dem Bedarf, Akzeptanz und Praxis derart stark voneinander abweichen wie beim Risikomanagement. Dafür gibt es verschiedene Gründe, über die Sie in diesem Buch mehr erfahren. Ein wichtiger Punkt ist, dass viele Projektbeteiligte etwas Wesentliches nicht erkannt haben: Projekte scheitern an Risiken! Diese Aussage scheint auf den ersten Blick banal, ist jedoch für viele Projektbeteiligte gar nicht so offensichtlich. Bei genauerer Betrachtung würden Sie erkennen, dass es Risiken waren, die Ihr Projekt in Schieflage brachten oder in die Katastrophe steuerten. Es waren Risiken, die man nicht erkannt, ignoriert, nicht ernst genommen, unterschätzt, oder einfach vernachlässigt hat. Das folgende kurze Beispiel zeigt die Wirkung von gutem, wirkungsvollem Risikomanagement eindrücklich.
Weit weg im Fernen Osten
Nehmen wir an, Sie sind Projektleiter für den Bau einer kleinen Chemieanlage in China, mit einem Auftragswert von 30 Mio. Euro. Bei Vertragsabschluss wurde eine Vertragsstrafe von 100'000 Euro pro Tag vereinbart, wenn das Projekt den Übergabetermin überschreitet. Bei der Übergabe muss die Anlage das Produkt in der entsprechenden Qualität, über eine bestimmte Zeitdauer produziert haben. Im Terminplan haben Sie wegen der Vertragsstrafe ein paar Tage Reserve eingeplant. Wenn bei diesem Projekt etwas Unerwartetes passiert, was grösseres Ausmass hat, dann kann es für Ihr Unternehmen sehr teuer werden.
Bei der ersten Inbetriebnahme der Anlage hat Ihr Techniker festgestellt, dass ein wichtiges Messgerät, welches den ganzen Produktionsprozess steuert, falsch verdrahtet ist. Dies ist weiter nicht problematisch – die Verdrahtung wird korrigiert. Eine Stunde später bemerkt Ihr Techniker, dass die falsche Verdrahtung einen Kurzschluss verursacht hat und die internen elektronischen Komponenten des Messgerätes beschädigt hat. Eine Reparatur auf Platz ist nicht möglich. Das Gerät muss deshalb ersetzt werden. Die Lieferfrist beträgt 4 Wochen – die Lieferung nach China nicht eingerechnet. Dadurch wird der Übergabetermin mindestens um 6 Wochen überschritten. Können Sie sich vorstellen, was diese Terminüberschreitung Ihr Unternehmen kostet?
Sie als Projektleiter überwachen die Inbetriebnahme in China und nehmen die Hiobsbotschaft Ihres Technikers entgegen. „Das hat uns gerade noch gefehlt, eine echte Katastrophe!“ Sofort greifen Sie zum Telefonhörer und rufen besorgt Ihren Teilprojektleiter Peter an, der für die Steuerung zuständig ist. „Peter, was machen wir jetzt?“ „Kein Problem, ich schicke Dir ein Gerät via DHL zu. Das dauert jedoch 3 Tage“. Sie sind sprachlos und staunen? Wie ist das möglich?
Peter ist für die Risiken und Massnahmen im Bereich Steuerung zuständig. Bei der Identifikation der Risiken wurde ein möglicher Ausfall dieses sehr wichtigen Gerätes erkannt. Die Wahrscheinlichkeit wurde zwar als sehr gering eingestuft, die möglichen Auswirkungen jedoch als sehr hoch. Als vorbeugende Massnahme hat Peter beim Lieferanten bereits vor 2 Monaten ein Ersatzgerät bestellt. Es steht beim Lieferanten bereit; dies hat Peter vor 1 Woche noch überprüft. Es wird in der nächsten Stunde sofort vom Lieferanten via DHL verschickt. Wäre das Risiko nicht eingetreten, hätte man das Gerät bei einer anderen Chemieanlage brauchen können. Wenn es bis dann veraltet gewesen wäre, hätte man das 20'000 Euro teure Gerät dem Kunden in China günstig als Ersatzteil verkauft. Was wäre aber passiert, wenn dieses Risiko gar nicht identifiziert worden wäre? Welcher Schaden für das Projekt und das Unternehmen wäre daraus entstanden? Der Aufwand für die Risikoanalyse hat sich hier bestimmt mehr als gelohnt.
Warten Sie nicht bis zur nächsten Projektkrise!
Die nächste Projektkrise kommt bestimmt. Bleiben Sie nicht untätig, sondern betreiben Sie Vorsorge durch aktives Risikomanagement! Risiken gehören zu Projekten wie die Luft zum Atmen. Gleichwohl werden Risiken gerne ignoriert. Man bewegt sich in der Illusion einer Sicherheit von Zahlen und Planwerten, auf deren Basis alles den besten Eindruck macht. Hinzu kommen kurzfristige Einzelinteressen, Politik und Begehrlichkeiten – alles Dinge, die den freien Blick auf die tatsächlichen Gegebenheiten verstellen. Und wenn der Druck gross genug ist, will von Risiken erst recht niemand mehr etwas wissen. Zu schnell gerät man in die Rolle des Bedenkenträgers. „So etwas passiert ab und zu“, lautet oft der Standardkommentar. Das klingt nach unabänderlichem Schicksal. Als ob Erfolg oder Misserfolg eines Projektes irgendwie vorbestimmt sind. Risiken entstehen nicht von selbst, sondern haben Ursachen. Sie kündigen sich meistens an, und man kann etwas gegen sie tun. Risiken und Chancen managen bedeutet also nicht, auf zufällige Ereignisse planlos reagieren und ansonsten abwarten was passiert. Es heisst vielmehr systematisch und aktiv nach Risiken zu suchen und dann entsprechende Massnahmen zu ergreifen.
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
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