Satprem wurde 1923 in Paris geboren. Den besten Teil seiner Kindheit verbrachte er auf Segelfahrten vor der bretonischen Küste. Mit zwanzig wurde er wegen Widerstandsaktivitäten von der Gestapo verhaftet und verbrachte anderthalb Jahre in deutschen KZs. Körperlich und seelisch zutiefst erschüttert, reiste er nach seiner Befreiung nach Indien, um einen Posten in der französischen Kolonialregierung in Pondicherry anzutreten. Dort begegnete er Sri Aurobindo, der verkündet hatte: "Der Mensch ist ein Übergangswesen". Daraufhin verließ er seinen Posten und begab sich auf eine Reihe von Abenteuern, die ihn nach Südamerika und Afrika führten, bevor er 1953 nach Indien zurückkehrte. Er wanderte als Sannyasin durchs Land, bis er sich schließlich dem Werk von Mutter und Sri Aurobindo widmete.
Als Mutters Vertrauter zeichnete er siebzehn Jahre lang ihre Erfahrungen auf und dokumentierte ihre Suche nach einer Veränderung im Bewußtsein der Zellen, die zu einer anderen Sicht des Todes führte.
Aus dem 1. Kapitel: Verneinung oder Verwandlung der Materie?
«Ihr einziger Wille gegen das kosmische Gesetz» Sri Aurobindo
Könnte diese wahre Schwingung, dieser unscheinbare Hintergrund der Wahrheit die lügenhafte Schwingung ersetzen, so würde der Welt eine ungeheure Veränderung widerfahren - eine unvorstellbare Veränderung, weil wir uns das Einfache nicht vorstellen können. Wir können uns Feen, Götter und alle möglichen grandiosen Komplikationen oder Super-Maschinen vorstellen, und in der Tat verbringen wir die meiste Zeit damit, neue Komplikationen zu erfinden, die unsere alten Komplikationen vereinfachen sollen - doch das, was keiner Maschinen bedarf, was einfach fließt wie die Quelle... Eine Quelle ist in jeder Sekunde neu. Etwas, das seinen Weg entsprechend seinem Wahrheitsgefälle findet und das seinen Weg durch die einfache Kraft seines Seins nimmt. Sein bedeutet die «Fähigkeit», in jeder Sekunde das zu sein, was man ist: ein Apfelbaum, eine Gazelle, ein Gesang mit diesem oder jenem Klang, der einfach singt. Der Mensch, dieses menschliche Zwischenstadium, bedeutete die Fähigkeit, das zu sein, was man nicht ist, und weil das nicht wirklich möglich ist, war es eine Fähigkeit der Unwirklichkeit in einer Festung der Unwirklichkeit - allerdings fliegt uns die Unwirklichkeit nun ganz einfach ins Gesicht. Doch die wirkliche Welt, die plötzlich wirkliche, ent-täuschte... helle Welt? Jene Noch-nicht-Erstickten, die plötzlich transparente Augen öffnen... zu Millionen. Das ist sehr schwindelerregend. Das ist fürchterlich wunderbar! Es mag auch sehr komisch sein, doch was ist es? Eine Welt, in der auf einmal alles kommuniziert - denn das machte die Festung aus: nichts kommunizierte. Eine Welt, in der man in jeder Sekunde alles Nötige weiß, genau im erforderlichen Ausmaß, wie der Vogel, ganz einfach. Man weiß alles, was man nicht wußte, weil die Festung die Mauer des Nicht-Wissens bildete. Als erstes werden dann sämtliche Schulen einstürzen. Es bleiben nur die weite Schule des Lebensspiels und vielleicht Schulen für Körperübungen oder besser für körperliches «Bewußtsein.» Kein Vollstopfen der Schädel mehr, weil es keine Festung mehr zu stopfen gibt: der große offene Schloßpark der Welt. Und jeder ist das, was er ist: das ergibt viele verschiedene Melodien; und weil es nicht mehr notwendig ist, den Nachbarn zu berauben, um die eigenen Kammern zu füllen, nicht mehr notwendig, einen falschen Lebensunterhalt zu verdienen, um sich nebenher ein schönes Leben zu machen, braucht man nichts anderes mehr zu sein als das, was man ist. Das bedeutet mit einem Schlag den Zusammenbruch jeglichen Wettbewerbs, es muß einem nicht "gelingen", dem Nachbarn gleichzutun. Und alle Menschen, alle Länder, alle Vereinigungen (wenn man noch das Bedürfnis hat, sich zu vereinigen) brauchen nichts anderes zu sein als das, was sie sehr freudig sind, denn zu sein bedeutet die Freude, das zu sein, was man ist, rein und ohne Zusätze oder Abträge. Und ohne Grenzen. Es gibt nichts zu erobern! Außer sich selbst, immer schöner, immer offener, immer mächtiger. Denn man «kann» auch alles, was man nicht kann: Nur die Festung bildete die Mauer des Nicht-Könnens - übrigens sehr weise (man könnte sagen: automatisch), weil wir diese Macht sofort eingesetzt hätten, um dem Nachbarn den Hals umzudrehen und alles zu verdrehen, wie gewohnt. Doch hier, in dieser ent-täuschten Welt, erfordert es keine Moral, keine Gendarmen, keine Gerichte mehr: Es ist die automatische Macht dessen, was man «ist», und natürlich auch die Macht, das zu vollbringen, was man ist. Wo könnte es in dieser hellen Welt noch Betrüger geben? Wären sie noch möglich, so wären sie außerordentlich auffällig: verdreht wie ihre Gedanken, in Grau und Schwarz gekleidet wie die Ratten. Es gibt nichts über sie zu sagen: sie sind erkennbar, eindeutig, und hopp, verzieht euch! Aber das wunderbar Wahre ist, daß der Betrüger «von selbst» nicht mehr möglich ist - diese armen Betrüger, sie täuschen sich arg, machen sich große Illusionen, es dürstet sie nach allem, sie leiden, sie rackern sich ab, um das zu erbeuten, was sie nicht sind... jetzt «können» sie sich nicht mehr täuschen! Genau das ist es: eine Welt, in der man sich nichts mehr vormachen kann. Oder wird man sich das Gesicht wie ein Hampelmann anmalen? Es bleibt nur eine einzige Macht, und zwar «zu sein», mehr und mehr. Wer wird dann noch den Krebs wählen? Den eigentlichen Krebs, den der Lüge, der all die anderen Krebskrankheiten verursacht.
Also eine Welt ohne Ärzte, ohne Rechtsanwälte, ohne... die Liste unserer Komplikationen ist lang. Ohne Telefon, weil alles miteinander kommuniziert - auch das war die vermauerte Festung. Ohne Entfernungen, ohne Trennung, überall das Bewußtsein - es war die Festung der Unbewußtheit. Das Netz ist gewichen, man läuft, alles läuft. Kein Zittern mehr, keine Eile... Eile für was? Morgen ist vollkommen heute, jede Sekunde ist vollkommen das, was sie zu sein hat, neu wie die kleine Quelle. Eine außerordentlich einfache Welt... einfach wie die Wahrheit. Lediglich ein Riß im Schleier. Einige Millionen offener Blicke, die plötzlich innehalten und gemeinsam am Schleier ziehen.
Die Phantome werden sagen, das ist nicht möglich, weil für sie alles "nicht möglich" ist, außer dem Käfig, der ihre ganze Macht bedeutet, sei sie evangelisch, behördlich, wissenschaftlich, verfassungsgemäß oder ewig. Alle in einem Sack. Sie sind die Evangelisten des Todes, also hängen sie an ihm. Doch ein Punkt bleibt. Ein sterblicher Punkt: dieser Körper. Und dieser Punkt des Todes ist wie der Schlüssel der Lüge, oder der Schlüssel der Wahrheit, die diese Lüge verdeckt - denn in der Welt gibt es nur die Wahrheit, selbst die Lüge könnte nicht wirklich bestehen, wenn ihr nicht eine Wahrheit zugrundeläge. Das riesige Trugbild der Lüge übermalt eine unerschütterliche Wahrheit. Die Lüge blättert ab, die wahre Erde tritt hervor - das kann morgen geschehen, es ist nicht fern, es erfordert keine "Zeit" dazu: Die kleinen Bewußtseinsindividuen müssen lediglich den "einheitlichen Punkt" erreichen, so wie es im Mai 1968 fast geschah, nur ohne Kenntnis des Vorgangs, der Ursache oder der zugrundeliegenden Kraft. Das Amazonien ist hier, leuchtend, heiter, entschleiert. Ein ungeheurer, weltweiter Atem. Doch da bleibt dieser alte Körper - dieser alte Körper, der die Verwandlung bis heute durchgemacht hat, dieser alte Überrest des Tieres. Was soll mit ihm geschehen? Genau diesen Punkt erreichte Mutter.
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Kl.-8°, Softcover/Paperback. 267 S. Zwei eingeklebte Artikel auf Innenspiegel und Vorsatz. Wenige Bleistiftunterstreichungen und Markerhervorhebungen, ansonsten sehr gut erhalten. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 550. Bestandsnummer des Verkäufers 23173
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