'Mitzis Hochzeit' ist die Geschichte der eigensinnigen wie charmanten Martina Ernestina von und zu Waldhausen, genannt Mitzi. Sie wächst in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts als jüngste Tochter auf dem elterlichen Gut in Ostpreussen auf. Nach dem Tod ihres Vaters entfremdet sie sich von der Familie und flüchtet ins wilde Berlin der 20er Jahre, wo sie in Toms Bar als Mundharmonika spielende Chansonsängerin schnell Karriere macht. Sie begegnet FZ, dem Künstler, der sie zeichnet und – sich in sie verliebt. Sie begegnet Stephan Blei, Sohn jüdischer Fabrikanten, der gerade als Journalist beim Berliner Abendblatt angeheuert hat – und sich in sie verliebt. Sie begegnet dem Journalisten Hans Warnke, der – sich in sie verliebt. Denn Mitzi hat nicht nur ihren eigenen Kopf, sie ist auch ausnehmend schön. Einen der drei Männer heiratet sie, einer verrät sie, einer hält ihr für immer die Treue und rächt sie. Doch bis dahin vergehen Jahre. 'Mitzis Hochzeit' ist daher nicht nur ein intensives, ein berührendes, fast musikalisches Buch über das, was uns zu Menschen macht: Die Liebe – in all ihren Facetten, Widersprüchen und Unmöglichkeiten. Und die ewige Suche nach der Wahrheit. Es bietet auch einen detailgetreuen Einblick in die deutsche Epoche von 1900 bis zum Ende des II. Weltkrieges.
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Kurz nach Mitzis zweitem Geburtstag ereignete sich ein einschneidendes Erlebnis. Mitzi war es gelungen, Johanna zu entwischen und allein zu den Pferdeställen zu gehen. Dort pflanzte sie sich vor dem Kutscher auf, deutete gebieterisch auf Helga, ein Shetland-Pony, und sagte:"Reiten! Mitzi reiten!"Der Kutscher blickte entsetzt auf die kleine Person hinunter und sagte:"Fräulein Mitzi, das geht nicht!"Mitzi war es bei Johanna gewohnt, ihren Willen durchzusetzen. Sie stampfte wütend mit dem Fuß auf und wiederholte:"Reiten! Mitzi will auf Pferd!"Keiner der beiden hatte bemerkt, dass Gustav-Wilhelm in den Hof gekommen war und die Szene belustigt beobachtete. Nun trat er näher und lachte laut, so dass sein Bart zuckte. Mitzis Schwestern hatte er auf Pferde gesetzt, als sie vier Jahre alt waren. Beide hatten sich gefürchtet. Er selbst war drei gewesen, als er reiten gelernt hatte. Und nun wollte dieser weibliche Knirps von zwei Jahren unbedingt reiten lernen! Er bückte sich, schwang Mitzi in die Luft und lachte erneut, als er ihr strahlendes Gesicht sah und sie jauchzen hörte."Na Kleine, du willst reiten?""Ja, bitte, bitte!"Sie strampelte vergnügt in Papas Händen. Gustav-Wilhelm stellte sie vorsichtig auf den Boden und sagte zum Kutscher:"Worauf wartet er? Fräulein Mitzi hat gesagt, dass sie Helga reiten möchte!"In wenigen Minuten war das Pony gesattelt, und eine überglückliche Mitzi saß auf dem Pferd, das der Kutscher vorsichtig um den Hof führte - zur Freude von Papa und zum Schrecken von Johanna, die ihren Zögling endlich wiedergefunden hatte.
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