Die Frau des Kartographen...: ...und das Rätsel um die Form der Erde - Hardcover

Whitaker, Robert

 
9783896672353: Die Frau des Kartographen...: ...und das Rätsel um die Form der Erde

Inhaltsangabe

Der Umfang der Erde, die Schwerkraft der Liebe

Hat je eine Frau mehr für die Liebe riskiert als Isabel Godin aus Peru? Mit 14 Jahren heiratete sie gegen den Widerstand ihres Vaters den französischen Kartographen Jean Godin, der als Mitglied einer Forschungsexpedition zum Äquator gereist war. Kurz nach der Geburt ihres gemeinsamen Kindes verscholl Jean Godin in Guayana. 19 unvorstellbar lange Jahre hörten die Eheleute nur gerüchteweise voneinander. Dann brach Isabel zu einer abenteuerlichen Reise durch den Dschungel und über den Amazonas auf, um endlich ihren Mann wiederzusehen – ein Abenteuer, das bis heute einmalig geblieben ist.

Eigentlich war Jean Godin nach Südamerika gekommen, um mitzuhelfen, ein wissenschaftliches Problem zu lösen: Welchen Umfang hat die Erde und welche Form? Gleicht sie eher einer Zwiebel, wie die Anhänger Newtons glaubten, oder ist sie am Äquator gleichsam eingeschnürt, wovon Descartes überzeugt war? Die Messungen, die Charles Marie de la Condamine 1735–45 unter abenteuerlichen Bedingungen im Andenhochland durchführte und an denen Jean Godin maßgeblich mitwirkte, lösten das Rätsel um die wahre Gestalt der Erde.
Während die meisten Expeditionsteilnehmer 1745 nach Frankreich zurückkehrten, blieb Jean Godin noch im spanischen Vizekönigreich Peru. Er heiratete Isabel Grameson, eine junge Frau aus der peruanischen Oberschicht. 1749 wollte auch er mit seiner jungen Familie nach Frankreich segeln. Um Frau und Kind unnötige Strapazen zu ersparen, vielleicht aber auch aus Abenteuer- und Forschungslust, erkundete er vorab allein den Weg zum fernen Hafen an der Ostküste. Politische Wirren hielten ihn fast 20 Jahre in der Wildnis von Guayana fest. Die vielen Briefe, die er und Isabel sich schrieben, erreichten nie ihr Ziel. Als dann auch noch ihr gemeinsames Kind starb, brach Isabel zu einer beispiellos gefährlichen Reise auf, um Jean endlich wiederzusehen: Mit Zofen und Dienern gelangte sie zum Amazonas-Strom, fand sich jedoch bald allein, ohne Nahrung, Waffen oder Kleider, im tiefsten Dschungel wieder. Nur die Sehnsucht hielt sie am Leben.


Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Robert Whitaker ist Wissenschaftsjournalist und erhielt für sein Buch MAD IN AMERIC A 2001 den National Association of Science Writers Award. Er lebte längere Zeit in Ecuador und fuhr selbst einen großen Teil der Strecke ab, die Isabel Godin auf sich genommen hatte.

Aus dem Klappentext

"Jede Episode dieses Buches eröffnet dem Leser neue profunde Einblicke und einzigartige Abenteuer."
The New York Times

"Das Abenteuer von Isabel und Jean Godin allein ist schon fesselnd genug, aber Whitaker erzählt noch weit mehr..."
Publisher's Weekly

"Ein echter Pageturner - Whitaker stellt menschliche Dramen ebenso überzeugend dar wie wissenschaftliche Sachverhalte."
The Sunday Times

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Vorwort

Vor über 25 Jahren habe ich mich in Ecuador verliebt. Ich hatte

unmittelbar nach meinem College-Abschluss eine Zeit lang in

dem abgelegenen Dorf Las Manchas an der ecuadorianischen

Küste gelebt. Vor dem Dorf errichteten meine Freundin und ich

an einem Fluss, der in den Pazifik mündet, auf Stelzen eine Bambushütte.

Am liebsten wären wir für immer dort geblieben.

Aber das konnten wir natürlich nicht. Die Wirklichkeit holte

uns ein. Dennoch sollte ich mich fortan immer nach Ecuador zurücksehnen.

Die Recherchen zu diesem Buch gaben mir Gelegenheit

zu einem Wiedersehen, und ganz schnell verliebte ich

mich bis über beide Ohren in dieses faszinierende Land und seine

bewundernswerten Bewohner.

Den Hintergrund zu meiner Darstellung von Isabel Godins

abenteuerlicher Reise durch den Amazonas-Urwald bildet die

Expedition von Charles-Marie de La Condamine. Für die Geschichte

Südamerikas hat sie eine ebenso große Bedeutung wie

die Expedition von Meriwether Lewis und William Clark für die

Erkundung des nordamerikanischen Kontinents. Acht Jahre lang

(1736-1744) durchstreiften La Condamine und elf Gefährten -

neun Franzosen und zwei Spanier - gemeinsam kreuz und quer

den Kontinent. Sie erforschten Gewächse und Mineralien, stiegen

in den Anden bis in Höhen hinauf, die noch kein Europäer

vor ihnen erklommen hatte, kartierten den Amazonas und - das

Wichtigste von allem - vermaßen mit einer damals unerreichten

Präzision in Äquatornähe einen Bogengrad des Meridians. Dieses

letzte Unternehmen sollte die Frage nach der genauen Gestalt

der Erde beantworten und so eine hitzig geführte Debatte been-

den: die zwischen den Newtonianern und den Cartesianern um

die Physik, die das Universum regiert. Im Laufe dieser Forschungsreise

verloren mehrere Teilnehmer ihr Leben. Einer wurde sogar ermordet,

ein anderer jedoch - Jean Godin - heiratete

eine Peruanerin namens Isabel Gramesón. Die Geschichte

dieser Ehe nahm einen schicksalhaften, dramatischen Verlauf; sie

wurde zu einer Legende der Liebe und des Überlebenswillens.

Aus schwer nachvollziehbaren Gründen hat diese Geschichte

in den Historienbüchern niemals ihren verdienten Platz gefunden.

La Condamines Expedition wurde in den Bänden zur Erforschung

Südamerikas meistens nur beiläufig erwähnt. In den

summarischen Berichten fielen viele Begebenheiten unter den

Tisch oder wurden entstellt nacherzählt. Dialoge wurden erfunden.

Ereignisse, die mehrere Jahre auseinander lagen, wurden

zur Steigerung der Dramatik zusammengelegt. Und so manches

Detail war ein Ergebnis der Phantasie. Legenden und Sagen nahmen

gewissermaßen den Platz der historischen Forschung ein. In

den letzten beiden Jahrhunderten wurden die wichtigsten Einzelheiten

der Geschichte der Isabel Godin schlichtweg falsch dargestellt.

Die Autoren stützten sich dabei stets ausschließlich auf einen

Brief Jean Godins an Isabel aus dem Jahre 1773. Natürlich ist

dieser Brief eine wichtige Quelle, aber man darf nicht übersehen,

dass seinem Verfasser wichtige Informationen fehlten, die sich in

den von den peruanischen Kolonialbehörden zusammengetragenen
Zeitzeugnissen finden. Diese Dokumente beleuchten Isabels

Geschichte auf eine andere, überraschende und auch sehr lebendige

Weise.

Bei den Recherchen zu diesem Buch habe ich mich auf eine

Vielfalt von Quellen gestützt. Die Tagebücher von vier Mitgliedern

der Expedition - von La Condamine, Pierre Bouguer und

den Spaniern Antonio de Ulloa und Jorge Juan - sind eindringliche

Augenzeugenberichte ihres achtjährigen Aufenthaltes in

Südamerika. Manche waren mir als englische Übersetzungen aus

dem 18. Jahrhundert zugänglich. Einige französische Dokumente

habe ich ins Englische übersetzen lassen. Hilfreich waren

zudem verschiedene Artikel aus dem Jahrbuch der französischen

Akademie der Wissenschaften Histoire et mémoires de l'Académie

Royale des Sciences aus dem 18. Jahrhundert.

Gut dokumentiert ist auch die Geschichte von Jean und Isabel

Godin. Der Großteil dieses Materials war allerdings in kaum bekannten
Zeitschriften verschollen. Eine dieser Quellen bildet Godins

Korrespondenz. Neben dem Brief an La Condamine von

1773 hatte er in seiner Zeit in Guayana von 1750-1773 häufig

seinen Freunden sowie Beamten und Ministern Ludwigs XV. von

Frankreich geschrieben. Einen Großteil dieses Materials hat der

französische Historiker Henri Froidevaux 1896 im Journal de la

Société des Américanistes de Paris veröffentlicht. Die Zeugnisse,

die von den peruanischen Behörden bei den Nachforschungen

zur "Tragödie Isabel Godins" von 1770 gesammelt wurden, er-

schienen 1970 in der ecuadorianischen Zeitschrift Archivo Nacional

de Historia. Die Übersetzung dieser Dokumente habe ich

selbst besorgt.

Verwertet habe ich zudem die Ergebnisse von Archivforschungen,

die einige Historiker in Spanien, Frankreich und Ecuador

zu der Expedition geleistet haben. Bei den biographischen

Daten zum frühen Leben und zur Familie Isabel Godins stützte

ich mich namentlich auf den ecuadorianischen Gelehrten Carlos

Ortiz Arellano. Seinen Schriften habe ich auch den Hinweis auf

die historischen Dokumente entnommen, die im Archivo Nacional

de Historia von Ecuador erschienen sind.

Um diese Geschichte lebendig darstellen zu können, habe ich

auf Isabel Godins Spuren schließlich auch eine Reise in den oberen

Einzugsbereich des Amazonas unternommen, und zwar im

Oktober, dem Monat, in dem auch sie einst losgezogen war. So

hoffte ich mich besser in die Ängste einzufühlen, die einen in dieser

Wildnis befallen können. Ich fuhr von ihrer Heimatstadt Riobamba

aus mit dem Fahrrad nach Puyo am Fuß der Anden und

paddelte in einem Einbaum von Canelos nach Andoas. Diese in

vielerlei Hinsicht unvergessliche Erfahrung vergrößerte meine

Hochachtung für Isabel Godin.

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