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Selbstmord ohne Hut: Dreizehn Shanghai-Moritaten - Hardcover

Kloubert, Rainer

 
9783932245237: Selbstmord ohne Hut: Dreizehn Shanghai-Moritaten

Inhaltsangabe

Glückliche Mörder, mißlungene Hinrichtungen, ein zerbissener Hodenstrang und ein zerfetzter Buddha – das waren nicht nur triviale Schlagzeilen und Randglossen in chinesischen Gazetten der Jahrhundertwende, sondern erzeugen auch heute noch lustvolle Gefühlsreize des Grauens. Geheimnisvoll-groteske Schauergeschichten stehen hinter den Shanghai-Moritaten von Rainer Kloubert, der als moderner Zeitungssänger die Tradition der einst moralischen Lieder umkehrt: immer in der Absicht zu belustigen, keinesfalls zu belehren. Der unbekannte, eigene Ton seiner kurzweiligen Sensationsminiaturen weist Kloubert neben den Bänkelsängern und ihren literarischen Nachahmern einen einzigartigen Rang zu.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Rainer Kloubert (geb. 1944) studierte Rechtswissenschaften und Sinologie. Er war u. a. Sprachlehrer an der Militärakademie in Taiwan, Dolmetscher bei einem chinesischen Wanderzirkus und Anwalt in Taipeh. Er ist Repräsentant eines deutschen Unternehmens in Peking.

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Selbstmord ohne Hut Die Polizei stellt Nachforschungen an über einen Selbstmordfall ein Unbekannter der irgendwann in der Nacht in die Fluten sprang der rätselhaft und mysteriös erschien wie auch der Mond der ihn beschien rund und blau wie ein Aquamarin auf dem Hut eines Mandarin Ein Fremder in einem glänzenden Smoking einen Seidenschal um den Hals geschlungen mietete eines abends im Mai das Hafengeläut war gerade verklungen in der Hitze die schwer wie Blei über dem Hafen von Shanghai hing und auf der Stadt mit ihrem Geschrei gegen elf Uhr an der Kiukiang Mole dem Ladeplatz für Bunkerkohle einen Sampan um nach Pootung zu fahren er erbot sich die Fahrt im voraus zu zahlen In der Nähe des Brückenkahns nahm der Mann seinen Hut vom Kopf der schief und verwegen auf ihm saß legte ihn mit seinem Schirm dem Seidenschal den er abgestreift hatte und einem Schein über zwanzig Dollar auf die unruhig schwankende Bank schaute auf seine Armbanduhr Uhren die man am Handgelenk trägt gehen immer etwas zu spät schritt dann an das Schanzkleid des Kahns während der Boden schon unter ihm wankte als ob er von dort den Schein des Mondes der gleißend über dem Wasser hing und der Fähre zu folgen schien aus der Nähe bewundern wollte klatschte noch einmal laut in die Hände mit einem Schrei der sich langsam schloß und sprang dann in die Wellen hinein wie zu einem Stelldichein wo auch der Mond sich taumelnd bewegte als der Fremde immer noch lebte bevor er wieder zur Ruhe kam um den noch immer schaukelnden Kahn in den dunklen und spiegelnden Wogen auf denen ein Postschiff den Hafen verließ als ob das ganze nach Plan verlief wie in einem Abschiedsbrief Der Fährmann und die Besatzung des Kahns die mit dem Rudern innehielten als ob sie Nebenrollen spielten starrten erschrocken in die Fluten nach einer Spanne von zwei Minuten hörte man das Postschiff tuten Er hatte vermutlich Gewichte bei sich da er so rasch und spurlos verschwand in den Taschen des glänzenden Smokings die ihn nach unten gezogen hatten nach dem Sprung über seinen Schatten Anhaltspunkte wer er denn war oder die Umstände die ihn bewegten diesen schwierigen Schritt zu tun eigentlich schien er ganz opportun wurden bis heute nicht gefunden sieht man von einer Geschäftskarte ab die in dem Band seines Hutes steckte der auf dem Sitz immer noch lag neben dem Schal der silbern glänzte und den Namen Lidderdale trug vorne auf seinem Sitz am Bug über den eine Welle schlug vergilbt und an den Ecken verbogen als sei die Karte ihm noch gewogen zuvorkommend und wohlerzogen

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