Der Quereinsteiger: Roman - Hardcover

Kloubert, Rainer

 
9783932245619: Der Quereinsteiger: Roman

Inhaltsangabe

2003 232 S. Hardcover Berlin, Elfenbein Verlag,

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Rainer Kloubert, geboren 1944 in Aachen, studierte Rechtswissenschaften und Sinologie in Freiburg, Tübingen, Hongkong und Taiwan. Er war u. a. Sprachlehrer an der Militärakademie in Taiwan, Dolmetscher bei einem chinesischen Wanderzirkus und Anwalt in Taipeh. Seit 1979 lebt er in Peking - zunächst als Universitätslektor, jetzt als Repräsentant eines deutschen Unternehmens.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Liza, so heißt die chinesische Buchhalterin aus Singapur, ist bei der gleichen weltweit tätigen Unternehmensberatung angestellt, bei der auch Frau Unterstörzer vor ihrer Heirat beschäftigt war. Sie ist das erste Mal in China und behandelt die lokalen Angestellten hochnäsig von oben herab. Oder tut sie es, weil sie dauernd erkältet ist? Eine Kleenex-Schachtel liegt die ganze Zeit neben ihr. Während sie meine Sekretärin verhört und in Belegen blättert, tippt sie blind die Zahlen ein, eine störende Gewohnheit, auf die sie aber sehr stolz zu sein scheint. Für einen Monat braucht sie nur eine Viertelstunde. Zwischendurch wischt sie sich die Nase ab, die so feucht und rosa wie ein Schweinerüssel ist. Wie Wang mit ihnen fertig wird? Gleich sein erster Zug ist eine brillante Eröffnung. Er leidet, ich sagte es schon, an nervös bedingten chronischen Zahnentzündungen, die in China nicht behandelt werden können. (Leiden der Zähne und des Gemüts gelten in China nicht als Krankheiten.) Aufenthalte in Hongkong, die ein Heidengeld kosten, sind jedes Mal die Folge. Sein Schachzug? Er lässt sich am Tag der Ankunft der Revision einen Eckzahn ziehen, der ohnehin fällig gewesen wäre. Was folgt, ist eine bühnenreife Vorstellung. Liza aus Singapur übersetzt schniefend. Mit blutigen Lefzen, ein Taschentuch gegen die dicke Backe gepresst, steht er den drei beeindruckten Revisoren gleich am ersten Tag Rede und Antwort. Ein wahres Muster an konfuzianischer Pflichterfüllung und Opferbereitschaft. Zu guter Letzt sperrt er noch sein Maul auf, hält es gegen das Licht und führt ihnen sein Gräberfeld vor – und die blutige Lücke, noch immer dick geschwollen wie eine Knospe. Der Geifer läuft ihm die Kinnladen hinunter. Er schließt die dunkle Höhle wieder, langsam und wölfisch, greift in seine Tasche und zeigt ihnen den Eckzahn, der vor ein paar Stunden noch fest verwurzelt darin saß – das Gesicht zu einem furchterregenden Lächeln verzogen. […]

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