Johnny Carter ist ein begnadeter Jazzmusiker, ein avantgardistischer Pionier neuer Stilrichtungen. Doch seine Genialität hat ihren Preis: So unnachgiebig er nach dem perfekten Jazz sucht und die reine, absolute Musik verfolgt, so rücksichtslos zerstört er sich selbst auf dieser Suche ...
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Dédée rief mich am Nachmittag an, um mir zu sagen, daß es Johnny nicht gut gehe, und ich bin sofort ins Hotel gegangen. Seit einigen Tagen wohnen Johnny und Dédée in einem Hotel in der Rue Lagrange, in einem Zimmer im vierten Stock. Es genügte ein Blick auf die Zimmertür und ich wußte, daß Johnny sich in der größten Misere befand; das Fenster geht auf einen fast schwarzen Hinterhof, und schon um ein Uhr mittags muß man Licht anmachen, wenn man Zeitung lesen oder sich im Spiegel betrachten will. Obgleich es nicht kalt war, fand ich Johnny in eine Wolldecke eingewickelt, in einen schäbigen Sessel gezwängt, aus dem überall gelbliche Wergwolle herausquoll. Dédée ist gealtert, und das rote Kleid steht ihr gar nicht gut; es ist ein Kleid für die Arbeit, für die Bühnenbeleuchtung; in diesem Hotelzimmer hatte es die widerliche Farbe von geronnenem Blut. "Kamerad Bruno ist so treu wie schlechter Mundgeruch ", sagte Johnny als Begrüßung und zog die Knie hoch, um sein Kinn darauf zu stützen. Dédee schob mir einen Stuhl hin und ich holte ein Päckchen Gauloises aus der Tasche. Ich hatte ein Fläschchen Rum mitgebracht, doch ich wollte es nicht zeigen, bevor ich mir von dem, was hier los war, ein Bild gemacht hatte.
Ich glaube, was mich am meisten störte, war die nackte Glühbirne, die wie ein ausgerissenes Auge an einem Kabel voller Fliegendreck von der Decke herabhing. Nachdem ich ein- oder zweimal in ihr Licht geblickt hatte, wobei ich mir die Hand als Schirm vor die Augen hielt, fragte ich Dédée, ob wir die Lampe nicht ausmachen und mit dem Licht auskommen könnten, das durch das Fenster kam. Johnny verfolgte meine Worte und Bewegungen mit zerstreuter Aufmerksamkeit, wie eine Katze, die einen unverwandt anblickt, doch der man ansieht, daß sie mit ganz was anderem beschäftigt ist; daß sie etwas anderes ist. Schließlich stand Dédée auf und schaltete das Licht aus. Bei dem, das uns blieb, einer Mischung aus Grau und Schwarz, sahen wir uns besser. Johnny zog eine seiner langen, mageren Hände unter der Wolldecke hervor und ich spürte die schlaffe Wärme seiner Haut. Dann sagte Dédée, sie wolle uns einen Nescafé machen. Es freute mich, daß sie wenigstens noch eine Dose Nescafé hatten. Wenn einer noch eine Dose Nescafé hat, sage ich mir immer, ist seine Lage nicht völlig aussichtslos; er kann noch eine Weile durchhalten. "Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen", sagte ich zu Johnny. "Mindestens einen Monat." "Warum mußt du immer die Zeit zählen", antwortete er mir schlechtgelaunt. "Der erste, der zweite, der dritte, der einundzwanzigste. Allem gibst du eine Nummer, du. Und die hier ist genauso. Weißt du, warum sie wütend ist? Weil ich das Saxo verloren habe. Im Grunde hat sie recht."
"Aber wie konntest du es bloß verlieren?", fragte ich ihn, obgleich ich wußte, daß es eben das war, was man Johnny nicht fragen konnte. "In der Metro", sagte Johnny. "Ich hatte es sicherheitshalber unter den Sitz gelegt. Es war ein herrliches Gefühl, in der Metro zu fahren und zu wissen, daß ich es unter meinen Beinen hatte, da war es sicher. "Er hat es erst gemerkt, als er hier die Treppe hochstieg ", sagte Dédée mit etwas rauher Stimme. "Und ich mußte dann wie eine Verrückte losrennen, um es denen von der Metro und der Polizei zu melden." Aus dem Schweigen, das folgte, konnte ich schließen, daß die Mühe vergebens gewesen war. Doch Johnny begann zu lachen, sein ihm eigenes Lachen, bei dem er weder Zähne zeigt, noch die Lippen bewegt. "Irgendein armer Tropf versucht jetzt, einen Ton aus ihm herauszukriegen", sagte er. "Es war eines der miserabelsten Saxos, das ich je gehabt habe; man merkte, daß Doc Rodríguez darauf gespielt hatte, es war an der Seele völlig verbeult. Als Tute an sich war es nicht übel, aber Rodríguez ist fähig, selbst eine Stradivari zu ruinieren, wenn er sie bloß stimmt." "Und kannst du dir kein anderes beschaffen?" "Das versuchen wir gerade", sagte Dédée. "Sicher hat Roy Friend eins. Das Dumme ist, daß Johnnys Vertrag ..." "Johnnys Vertrag", äffte er sie nach, "Was heißt hier Vertrag. Spielen muß man, und damit basta, aber ich habe kein Saxo und auch kein Geld, mir eins zu kaufen, und den Jungs geht es nicht anders."
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: acceptable. Ausreichend/Acceptable: Exemplar mit vollständigem Text und sämtlichen Abbildungen oder Karten. Schmutztitel oder Vorsatz können fehlen. Einband bzw. Schutzumschlag weisen unter Umständen starke Gebrauchsspuren auf. / Describes a book or dust jacket that has the complete text pages (including those with maps or plates) but may lack endpapers, half-title, etc. (which must be noted). Binding, dust jacket (if any), etc may also be worn. Bestandsnummer des Verkäufers M03937793208-B
Anzahl: 2 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten. / Describes the average WORN book or dust jacket that has all the pages present. Bestandsnummer des Verkäufers M03937793208-G
Anzahl: 9 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: very good. Gut/Very good: Buch bzw. Schutzumschlag mit wenigen Gebrauchsspuren an Einband, Schutzumschlag oder Seiten. / Describes a book or dust jacket that does show some signs of wear on either the binding, dust jacket or pages. Bestandsnummer des Verkäufers M03937793208-V
Anzahl: Mehr als 20 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: as new. Wie neu/Like new. Bestandsnummer des Verkäufers M03937793208-N
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: ANTIQUARIAT Franke BRUDDENBOOKS, Lübeck, Deutschland
8° Gebundene Ausgabe. Zustand: Sehr gut. 1. Auflage. 96 S. Aus dem Span. übers. von Rudolf Wittkopf Das Buch ist in sehr gutem, sauberen Zustand. Gebundenes Buch mit Original-Schutzumschlag. ISBN: 9783937793207 Due to new EU packaging regulations, we are currently unable to ship to many EU countries. Shipping to Germany, the Netherlands, Ireland, Finland, and the Baltic states is possible. Deliveries to border-based parcel lockers or cross-border parcel forwarding services remain possible. Shipping to all countries outside the EU also remains possible. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 299. Bestandsnummer des Verkäufers 674423
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Preiswerterlesen1 Buchhaus Hesse, Hückeswagen, Deutschland
Zustand: Neu. 1., Aufl. 95 Seiten Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 220 0,0 x 0,0 x 0,0 cm, Gebundene Ausgabe. Bestandsnummer des Verkäufers 18459
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Preiswerterlesen1 Buchhaus Hesse, Hückeswagen, Deutschland
Zustand: Neu. 1., Aufl. 95 Seiten Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 220 0,0 x 0,0 x 0,0 cm, Gebundene Ausgabe. Bestandsnummer des Verkäufers 16425
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Hamelyn, Madrid, M, Spanien
Zustand: Good. : Der Verfolger es una obra del reconocido autor Julio Cortázar, publicada por Süddeutsche Zeitung en Múnich. Este libro forma parte de una colección que presenta una selección de obras literarias destacadas. Sumérgete en la prosa cautivadora de Cortázar y explora los temas y personajes que lo han convertido en uno de los escritores más influyentes del siglo XX. EAN: 9783937793207 Tipo: Libros Categoría: Literatura y Ficción Título: Der Verfolger Autor: Julio Cortázar Idioma: de Formato: Tapa dura. Bestandsnummer des Verkäufers Happ-2025-07-15-2301d22b
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Wimbauer Buchversand, Hagen, NRW, Deutschland
Pp.m.Schutzumschl. Zustand: Gut. 95 S. ; 24 cm Schutzumschlag fehlt, Buch: Kanten gering bestossen /// Standort Wimregal CHO-80.204 ISBN 9783937793207 WITHIN THE EU: shipping only to GERMANY and AUSTRIA due to the new EPR regulations. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 176. Bestandsnummer des Verkäufers 333232
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Ammareal, Morangis, Frankreich
Hardcover. Zustand: Bon. Ancien livre de bibliothèque avec équipements. Tome 21. Livre reconditionné de bibliothèque. Ammareal reverse jusqu'à 15% du prix net de cet article à des organisations caritatives. ENGLISH DESCRIPTION Book Condition: Used, Good. Former library book. Volume 21. Refurbished library book. Ammareal gives back up to 15% of this item's net price to charity organizations. Bestandsnummer des Verkäufers I-352-119
Anzahl: 1 verfügbar