Inhaltsangabe
Wenn sie die Methoden der Gesundheitsversorgung und die damit in Verbindung stehenden Handlungen rechtfertigen, sprechen Politikerinnen und Politiker oft davon, dass das deutsche Gesundheitssystem eines der besten der Welt sei. Diese Anerkennung würde sogar stimmen, wenn man sich gedanklich in das Ende des 19. Jahrhunderts hineinversetzt.
Als Otto von Bismarck 1883 die Kranken- und Unfallversicherung in Deutschland einführte, galt das Solidaritätsprinzip als wesentliche Orientierung für die Gesundheitsversorgung. In der Folgezeit stieg die Komplexität des Gesundheitssystems zunehmend an. Das Aufkommen weiterer Versorgungsdisziplinen führte zu einer umfassenderen Versorgung der Betroffenen und zur Verdrängung der ärztlichen Autorität. Spätestens mit dem Einzug der privaten Krankenversicherungen und dem Aufstieg des Gesundheitsmarkts wurde eine Machtposition erschaffen, die uns alle besorgniserregend herausfordert.
Es sind nicht nur die Patientinnen und die Patienten, die an der Über- oder Unterversorgung leiden, sondern die gesamte Gesellschaft. Ständig steigende Krankenkassenbeiträge, eine Primärversorgung, die an die industrielle Fließbandproduktion erinnert und die Digitalisierung, die vor dem Datenschutz flieht, stehen an der Spitze dieser Misere. Doch damit ist es nicht genug, denn die Konsequenzen dieser Entwicklungen wirken sich zudem auf die Mitwelt aus, die den ökologischen Fußabdruck mit zunehmender Härte zu spüren bekommt und uns postwendend antwortet.
Die derzeit polarisierenden Fragen lauten also:
- Wie können Fachpersonen der ärztlichen Medizin, der Physiotherapie und der Pflege im Gesundheitssystem richtig handeln?
- Worauf sollten Patientinnen und Patienten achten, um vernünftig versorgt zu werden?
Dieses Buch liefert Antworten darauf sowie gründlich recherchierte Erklärungen über die Funktionsweise des Gesundheitssystems und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Mit einem Geleitwort des Allgemeinmediziners Harald Kamps Das Gesundheitswesen hat Fieber! Müssen wir uns Sorgen machen? Ja, ein überhitztes Gesundheitswesen ist nicht gesund für kranke Menschen. In einem Gesundheitswesen, das immer mehr machen will, weil immer mehr möglich ist, wird das Angebot verwirrend. Patientinnen und Patienten nehmen dankend jeden Vorschlag für eine weitere Diagnostik oder Therapie an. Es soll nichts unversucht bleiben. Von diesem Überangebot an Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten profitieren am meisten die gesunden Kranken, also die Kranken, die gesund genug sind, von einem Facharzt zum nächsten zu gehen. Aber: immer mehr von derselben Medizin macht krank – besonders die kranken Gesunden, die verzweifelt versuchen ihren Blutdruck, ihre Cholesterinwerte in den Griff zu bekommen.
Wir müssen uns aber auch Sorgen machen um die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten. „Wir wollen Menschen helfen, gesund zu werden“ ist Motiv für Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Ärztinnen, ihre Ausbildung zu beginnen. Sie wollen auf Augenhöhe den kranken Menschen begegnen und wollen auf Augenhöhe mit den anderen Profis zusammenarbeiten. Schon bald werden sie erdrückt von den Hierarchien eines Krankenhauses, werden sie ernüchtert von der Arroganz einzelner Ärzte, werden sie erschöpft von den vielen Überstunden und den Vorgaben der Controller, die mehr Effizienz vorschreiben – denn diese machen sich Sorgen, ob das von ihnen betreute Gesundheitswesen auch genug Profit erwirtschaftet.
Verschaffen digitale Lösungen dem erschöpften Gesundheitswesen eine Linderung aktueller Probleme? Es ist ein Fortschritt, wenn Rezepte digital in der Apotheke verarbeitet werden können. Es ist ein Vorteil, wenn verschreibende Ärzte wissen, welche Medikamente andere Ärztinnen bereits verschrieben haben oder aus wichtigen Gründen meiden. Es ist erleichternd, wenn...
Mehr Informationen zu Andreas Alt finden Sie hier: www.andreas-alt.com
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.