Beschreibung
2 n.n. + 558 S. Priv. Pp. der Zeit. Mit einer niederländ. Vorrede. In span. Sprache. Mit der gefalteten Karte (m. franz. Bezeichnungen) und 12 z. gr. Teil altkolorierten Kupferstichen (R. du Val, Fonbonne). Titel in rot und schwarz gedruckt, mit Druckervignette. - Seiten leicht gebräunt, tlw. geringfügig fleckig, Ebd. m. Gbrsp., m. kl. oberflächl. Fehlstelle im Einbandpapier, Karte m. kl. Einriss. - Für seinen fürstlichen Zögling - Duc de Bourgogne, Enkel Ludwig XIV. - schrieb Fénelon (wie schon so häufig Fürstenerzieher vor ihm, z. B. Bossuet) mehrere unterhaltende und zugleich belehrende Werke: zunächst eine Sammlung von Fabeln, sodann die Aventures d'Astinoüs (=die Abenteuer A.s) und die Dialogues de morts (=Totendialoge), vor allem aber den umfänglichen, 1694-96 verfassten Abenteuer-, Reise- und Bildungsroman Les Aventures de Télémaque, fils d'Ulysse (1733 in Deutsch erschienen als Die seltsamen Begebenheiten des Telemach). In diesem pseudo-historischen und zugleich utopischen Roman führt der Autor den jungen Sohn des Odysseus Télémaque und dessen Lehrer Mentor (in dem sich Minerva verbirgt und der sichtlich Sprachrohr Fénelons ist) durch diverse antike Staaten, die meist durch Schuld ihrer von Schmeichlern und falschen Ratgebern umgebenen Herrscher ähnliche Probleme haben wie das in Kriege verstrickte und verarmende Frankreich der 1690er Jahre. Er zeigt aber an einem Paradefall, wie sich diese Probleme dank der Ratschläge Mentors lösen lassen durch friedlichen Ausgleich mit den Nachbarn und durch Wachstum stimulierende Reformen, insbesondere die Förderung der Landwirtschaft und die Zurückdrängung der Luxusgüterproduktion. Der Télémaque, der ab 1698 in Abschriften am Hof zirkulierte, wurde sofort als kaum verschlüsselte Kritik am autoritären Regierungsstil König Ludwigs sowie an seiner aggressiven, kriegerischen Außenpolitik und seiner exportorientierten merkantilistischen Wirtschaftslenkung interpretiert. Fénelons größter Gegner am Hof, sein einstiger Förderer Bossuet, gewann nun die Oberhand, nachdem er ihn schon seit 1694 in scheinbar theologisch motivierte Querelen über den Quietismus gezogen und 1697 versucht hatte, eine Verteidigungsschrift Fénelons für Mme Guyon (die nach und nach zum Quasi-Staatsfeind avanciert und 1698 inhaftiert worden war) vom Papst verurteilen zu lassen. Anfang 1699 verlor Fénelon seinen Erzieherposten, und als im April sein Télémaque (zunächst anonym und ohne seine Zustimmung) im Druck erschien, wurde er vom Hof verbannt. Er zog sich zurück in sein Bistum Cambrai, wo er sich weiterhin als theologischer und politischer Autor betätigte und ein exemplarisches Regiment gemäß den Lehren seiner Figur Mentor zu führen versuchte. Fénelons Télémaque war im Frankreich des 18. und des 19. Jahrhunderts ein vielgelesenes Jugendbuch und gilt als ein wichtiger Markstein der beginnenden Aufklärung. (Zitat) - Hier eine frühe spanische Übersetzung dieses 1699 zum ersten Mal erschienenen Werkes Fénelons, noch vor der Deutschen. Bestandsnummer des Verkäufers 9437AB
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