"Es ist eine weltweit anerkannte Wahrheit, dass ein alleinstehender Mann im Besitz eines ansehnlichen Vermögens auf der Suche nach einer Frau sein muss." Jane Austen formuliert hier nicht nur eine zeitgenössische Wahrheit, sondern auch das Grundkonzept ihrer Romane. Denn ebenso wie ein alleinstehender Mann in ihren Geschichten notwendigerweise eine Frau suchen muss, ist die Verheiratung ihrer Töchter für Eltern ein selbstverständliches Anliegen.

So fasst auch Mrs. Bennet die vorteilhafte Verheiratung ihrer Töchter als Lebensaufgabe auf. Bei immerhin fünf Töchtern im heiratsfähigen Alter kein bescheidenes Unterfangen. In Austens berühmtestem Roman Pride and Prejudice, mit dem deutschen Titel Stolz und Vorurteil, macht sie mit ihrem Anliegen allen Beteiligten das Leben schwer. Vor allem da die beiden Ältesten, die Hauptfigur Elizabeth und ihre Schwester Jane sich in den Kopf gesetzt zu haben, nur aus Liebe zu heiraten. Als dann der reiche Mr. Bingley und sein Freund Mr. Darcy auftauchen, beginnt das Verwicklungs-Karussell sich zu drehen...

Mit ihren Romanen hat Jane Austen etwas erreicht, das nur wenigen Schriftstellern vorbehalten ist: Ihre Bücher werden von Lesern auf der ganzen Welt begeistert gelesen, gleichzeitig gelten ihre Werke aber auch als niveauvolle Literatur. Die 1775 geborene Engländerin ist anerkannt für die subtile Ironie und Lebendigkeit ihrer genau beobachteten Gesellschaftsporträts. Diese Authentizität macht Jane Austen auch für diejenigen interessant, die normalerweise nicht zu Romanzen greifen würden.

Dennoch ist der literarische Rang der Schriftstellerin bis heute umstritten: Die Handlung ihrer Romane, von Northanger Abbey, Emma, Gefühl und Verstand bis zu Stolz und Vorurteil, ist einfach zu populär. Schauplatz ist die Welt des englischen Landadels, dem Austen auch selbst angehörte. Erzählt wird von großer Liebe, stolzen Männern und jungen Frauen, die versuchen, ihren Gefühlen und den Verpflichtungen ihres Standes gerecht zu werden. Die vielen Verwicklungen entfalten und lösen sich auf rauschenden Bällen und pikanten Teekränzchen in den altenglischen Herrenhäusern des Adels.

Die zahlreichen und erfolgreichen Verfilmungen der Romane von Jane Austen machen die Grande Dame der englischen Literatur auch heute, mehr als 150 Jahre nach ihrem Tod, populär und aktuell. In Mansfield Park wird das Leben Fannys geschildert, einem Mädchen einfacher Herkunft, das bei seinen reichen Verwandten aufwächst und sich in einen Sohn des Hauses verliebt. Für den Film wurde diese ernstere Erzählung mit biographischen Einsprengseln aus Austens Leben gewürzt. Das Happy End, das Austen Fanny und ihren anderen Hauptfiguren meist in Form einer glücklichen Eheschließung zukommen lässt, blieb in ihrem eigenen Leben ein Wunschtraum. Die Pfarrerstochter blieb unverheiratet, bis sie mit 32 Jahren an einer Krankheit starb. Die Charaktere, die sie schuf, manche liebenswert, manche mit beißender Ironie gezeichnet, sind bis heute unvergessen.

Katharina Meyer

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