Heute ist Edgar Allan Poe (1809-1849) nicht nur einer der bekanntesten amerikanischen Autoren des 19. Jahrhunderts, sondern er gilt auch als Erfinder der modernen Kurzgeschichte, Meister des sublimen Grauens und Vater der Detektiverzählung.

Zu seinen Lebzeiten und den Jahren nach seinem frühen Tod wurde ihm in seiner Heimat USA diese Anerkennung jedoch verwehrt. Das Bild des trunksüchtigen, mittellosen Schriftstellers mit nur mäßigem literarischem Erfolg änderte sich erst durch seine Wertschätzung in Europa. Durch Charles Baudelaire und Stéphane Mallarmé, die zahlreiche Werke Poes übersetzten, wurde der amerikanische Schriftsteller in Europa berühmt und so auch in den USA als bedeutender Autor gewürdigt.

Poe zählte zu den ersten amerikanischen Autoren, die nur vom Schreiben lebten. Sein literarisches Werk umfasst Erzählungen, Gedichte, Satiren, Essays, literaturwissenschaftliche sowie naturwissenschaftliche Abhandlungen und mit Die Abenteuer des Gordon Pyms auch ein Prosawerk. Zu seinen stilprägenden Erzählungen gehören u.a. Der Untergang des Hauses Usher und Das verräterische Herz. Mit Der Doppelmord in der Rue Morgue und seiner deduktiv arbeitenden Detektivfigur Dupin schuf er die moderne Detektivgeschichte. Aber auch sein lyrisches Werk ist von großer Bedeutung: seine Gedichte Der Rabe und Die Glocken sind die ersten bedeutenden Gedichte Amerikas in der Weltliteratur.

Poe beeinflusste jedoch nicht nur die Kriminalliteratur und die Entwicklung des Horrorgenres, er prägte maßgeblich den Symbolismus und Autoren wie Jules Verne, Arthur Conan Doyle und H.G. Wells.

1849 fand man Poe im Delirium in den Straßen von Baltimore. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er am 7. Oktober 1849 im Alter von nur 40 Jahren verstarb. Sein tragischer Tod und die ungeklärten Umstände seines Todes sorgen noch heute für allerlei Spekulationen.