Rock-Klassiker, Bd. 2 : Rory Gallagher - Public Enemy.
Sprache: Deutsch
Verlag: Stuttgart : Reclam, 2003
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- Gebraucht

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- Titel
- Rock-Klassiker, Bd. 2 : Rory Gallagher - Public Enemy.
- Autor
- Kemper, Peter:
- Verlag
- Stuttgart : Reclam
- Veröffentlichungsjahr
- 2003
- Zustand
- Gut
- Einband
- Taschenbuch
- Sprache
- Deutsch
- ISBN-10
- 3150300274
- ISBN-13
- 9783150300275
- Artikelgewicht
- 280 Gramm
- Verkäuferkataloge
- 509 Musik
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Vulgär und verwundbar, verehrt und vereinsamt, rebellische Rock-Emanze und hingebungsvolle Blues-Braut: Ihre knapp vierjährige Karriere war voller Widersprüche und pendelte zwischen den Extremen. "Live fast, love hard, die young", lautete die Maxime, und ihr Alltag kreiste um die drei großen B: Bühne, Bourbon, Bett. Janis Joplin (geb. 19. November 1943 in Port Arthur, Texas) verfolgte zeitlebens ihre Vision von "Ekstase als Lebensstil". Dabei revoltierte sie gegen konventionelle Weiblichkeitsideale und wurde zum ersten selbstinszenierten "Bad Girl" der Rockmusik - als noch niemand von Madonna Ciccone träumte. Janis huldigte der kruden Hippie-Philosophie eines "singing as fucking and fucking as liberation". Wie keine weiße Rocksängerin vor und nach ihr machte sie ihre körnige Stimme - wie Glassplitter auf Samt - zum Medium einer schamlosen Expressivität. Immer war ihr Gesangsstil maßlos, hocherotisch und nach Befriedigung lechzend. "Get It While You Can" forderte sie voller Lebenshunger, beleidigte mit ihren melodischen Schreien den ehrwürdigen Blues und verfluchte sich dabei in ihrer Gier nur selbst. Janis Joplin war ihr Leben lang unglücklich und zählt heute neben Jimi Hendrix und Jim Morrison zu jenem Triumvirat von Tragik-Rockern, die vor der Zeit verstarben. Einem Reporter der "Los Angeles Times" vertraute "Pearl" - so ihr Spitzname - auf dem Höhepunkt ihrer Karriere an: "Sicher, ich könnte mich etwas mehr in Acht nehmen, gesünder essen, mehr schlafen, weniger rauchen, aufhören zu saufen usw. Vielleicht würde ich dann ein paar Jahre länger leben. Aber zum Teufel, wofür? Mensch, ich möchte lieber zehn Jahre 'superhypermost' leben, als siebzig zu werden und in einem verdammten Sessel vor dem Fernseher zu enden. Man lebt jetzt, wie soll man da warten?" Eric Burdon hatte sicher Recht, als er nach dem überraschenden Drogentod der stets risikobereiten Sängerin klarstellte: "Ich glaube, Janis starb vor allem an einer Überdosis Janis." Ihr Lebensstil auf des Messers Schneide, immer hart an der Kante zum Kollaps, zeigte sich bereits in der Pubertät. Sie wuchs in Port Arthur auf, einem texanischen Ölnest mit Hafen, staubig und trist. Hier wehrte sich schon die vierzehnjährige Janis erfolgreich gegen das Klischee vom braven 'Texas Girl'. Durch ihren exzessiven Erfahrungshunger hatte sie sich ihrer Umgebung, ihren Geschwistern und Freundinnen früh entfremdet. In der Schule wurde sie als "hässliches dickes Entlein" verspottet. Anstatt den bürgerlichen Lebensidealen der Eltern nachzueifern - der Vater arbeitete im Management der Texaco Canning Company, die Mutter im Sekretariat einer Wirtschaftsfachschule -, verbrachte die heranwachsende Janis die meiste Zeit vor dem Plattenspieler. Schwarze Sängerinnen wie Bessie Smith oder Odetta hatten es ihr angetan. Ihren endgültigen Ausbruch aus dem behüteten Mittelklasse-Komfort erklärt sie durch eine musikalische Schockerfahrung: "In meiner Jugend spielten sie dauernd diesen Fünfziger-Jahre-Mist im Radio, nur dieses ganze 'doo-woop'-Zeug. Es bedeutete rein gar nichts. Als ich dann das erste Mal den Blues von Leadbelly hörte, erschlug er mich fast wie ein Blitz." Nur mit einem weißen T-Shirt und Blue Jeans ausgerüstet, riss sie mit siebzehn zum ersten Mal von zu Hause aus, um in Clubs von Austin und Houston als Country-&-Western-Sängerin zu jobben. Doch der Fluchtpunkt ihrer Sehnsucht war das Hippie-Paradies Kalifornien. 1963 trampte Janis nach San Francisco und beeindruckte mit ihrer rauen Stimme, die über drei Oktaven mühelos hinausreichte, in den Strandbars der Bay Area. Für kurze Zeit schrieb sie sich an verschiedenen Colleges der Westküste ein - an der University of Texas hatte man sie zuvor zum "hässlichsten Mann auf dem Campus" gewählt - und kassierte nebenbei noch Arbeitslosenunterstützung. "Ich befand mich damals in einem heillosen Durcheinander!", bemerkte sie später zu diesen 'wilden Jahren'. Völlig orientierungslos geht Janis Joplin 1966 nach Texas zurück, um es ein letztes Mal mit den gutbürgerlichen Lebensidealen zu versuchen. Sie macht Heiratspläne, studiert fleißig und hört mit dem Singen auf. Doch die guten Vorsätze scheitern schnell, zumal sie die Warnung ihres Vaters im Ohr hat: "Unverschämte und zügellose Menschen haben in Texas nichts verloren!" Janis will sich noch im selben Jahr der Band 13th Floor Elevators anschließen, als sich der Möchtegern-Manager Chat Helm aus San Francisco an die Sängerin erinnert, die einmal auf einer Party aus Jux die Stimme von Odetta so großartig nachgeahmt hatte. Helm wohnt im Flower-Power-Zentrum, dem Haight-Ashbury-Bezirk, und wirkt für einheimische Bands als eine Art Berater und Organisator. Er kennt drei begabte Gitarristen, Peter Albin, Sam Andrew und James Gurley, die dringend eine Sängerin suchen, um sich vom Rest der Bay-Area-Bands abzuheben. Obwohl Janis, von Helm nach Frisco zurückgeholt, mit Rockbands kaum Erfahrung hatte, spürt sie intuitiv, dass diese Band in ihrem Rücken all die Frustration aus ihr heraustreiben würde. Mit David Getz am Schlagzeug nennt sich die Gruppe jetzt Big Brother & The Holding Company. Sie spielt einen stark durch Gitarrenimprovisationen geprägten Hippie-Blues, der bisweilen in eine Art "Psychedelic Soul" umkippt. Verantwortlich für solche kathartischen Steigerungen ist der eruptive Gesang Janis Joplins: Ihr Auftritt auf dem Monterey Pop Festival 1967 gleicht einem leibhaftigen Vulkanausbruch. Hechelnd, schreiend und kreischend zermalmt sie die Stücke. Ihre Arme schlagen dabei wild durch die Luft, die Beine zucken, der ganze Körper windet sich in alle Richtungen. Janis hat erkannt: "Vor einer Rockband kann man nicht leise singen. Man muss einfach alle Kraft in seine Stimme legen und den ganzen Körper einsetzen, der Beat stößt dich einfach vorwärts, man muss sich bewegen, tanzen, kann nicht stillstehen. Von Otis Redding habe ich gelernt, wie man einen Song vor sich hertreibt, anstatt über ihn hinwegzugleiten." Das Publikum in Monterey ist schockiert und hingerissen. Die Zeitungen überschlagen sich in der Beschreibung dieses "incredible singin' chick" und charakterisieren Janis als "eine Mischung aus Dampfmaschine, Bessie Smith, einem Öhlbohrturm und Bourbon Whiskey" ("Cashbox"). Sie selbst beschreibt ihren Durchbruch in Monterey später mit den Worten: "Es war wie ein Rausch. Ich wurde immer lauter und wilder. Alles um mich herum machte mich an, alles war plötzlich sinnlich, vibrierte und war irre." In ihr fand die These des französischen Philosophen Roland Barthes von der "Rauheit der Stimme" ihre Bestätigung: "Die Rauheit ist der Körper in der singenden Stimme." Dennoch gelang es zunächst nicht, diese Energie auf Platte zu bannen. Das Debütalbum Big Brother & The Holding Company Featuring Janis Joplin (1967) bei dem kleinen Chicagoer 'independent label' "Mainstream Records" war von miserabler Soundqualität. Doch schon mit der zweiten Produktion - Bob Dylans Manager Albert Grossman und CBS/Columbia Records hatten sich mittlerweile der Gruppe angenommen -, dem Album Cheap Thrills (1968), wird die Präsenz von Janis Joplin übermächtig. Der berühmte Gänsehaut-Schrei in Big Mama Thorntons Klassiker "Ball And Chain", die süße Qual im selbst geschriebenen "Turtle Blues" oder ihr fahles Flehen in Gershwins "Summertime" - sie zieht hier alle Register ihres Ausdrucksvermögens. Sie paart das Bauchgefühl von Bessie Smith mit der Phrasierungs-Finesse von Aretha Franklin und verfolgt beide Frauen mit der Furie von James Brown. Cheap Thrills - der ursprünglich geplante Titel Dope, Sex And Cheap Thrills musste auf Druck der Plattenfirma entschärft werden - wurde noch aus einem anderen Grund zu einem Manifest der Hippie-Ära: Der Zeichner Robert Crumb hatte mit seiner schamlosen Pop-Art das Cover verziert und einer neuen Form des Underground-Comics den Weg geebnet. Das Album belegte acht Wochen lang den ersten Platz der LP-Charts und spielte in wenigen Monaten eine Million Dollar ein. Doch schon bald überstrahlte Janis...
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