Zeichen und Differenz bei Jacques Derrida und Niklas Luhmann: Dekonstruktion und Systemtheorie im Vergleich
Sprache: Deutsch
Verlag: Diplomica, 2015
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Dieser Artikel ist ein Print on Demand Artikel und wird nach Ihrer Bestellung fuer Sie gedruckt. Als zwei der wichtigsten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts haben Jacques Derrida und Niklas Luhmann erheblich zur westlichen Philosophie, Geistes- und Sozialwissenschaft beigetragen. Ein Vergleich ihrer Ansaetze in Bezug auf ihr Verstaendnis der Begriffe Ze.
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- Titel
- Zeichen und Differenz bei Jacques Derrida und Niklas Luhmann: Dekonstruktion und Systemtheorie im Vergleich
- Autor
- Reichmann, Michael
- Verlag
- Diplomica
- Erscheinungsjahr
- 2015
- Zustand
- New
- Einband
- Kartoniert / Broschiert
- Sprache
- Deutsch
- ISBN-10
- 3959348231
- ISBN-13
- 9783959348232
- Abmessungen
- 0.9 x 22 x 15.5
- Verkäuferkataloge
- Geisteswissenschaften/Kunst/Musik
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Kapitel Differenzbegriffe im Vergleich:
Formkalkül vs. Différance:
Über die Differenzauffassungen bei Derrida und Luhmann lässt sich sagen, dass sie, obwohl sie aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen kommen, gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. Derrida bezieht sich größtenteils auf den von Saussure entwickelten linguistischen Begriff der Differenz, der sich besonders im Zeichenbegriff des letzteren etabliert. Die différance macht dabei das Denken von Differenzen ohne positive Einheiten oder Identitäten möglich. Die Differenz wird somit selbst zu einer Einheit. Bei Luhmann ist der Differenzbegriff der Mathematik entlehnt. Wie weiter oben gezeigt, übernimmt Luhmann weitestgehend den Formkalkül des Mathematikers George Spencer Brown. Der Formbegriff bei Spencer Brown ist ebenfalls durch eine Ablehnung positiver Einzelglieder gekennzeichnet. Mit dem Imperativ "Triff eine Unterscheidung" (Spencer Brown 1997, 3), wird der Identitätsbegriff auf eine Differenz verschoben. Keine Seite der Unterscheidung ist denkbar ohne die andere Seite, von der sie unterschieden wird.
Wie kann man die beiden Differenzbegriffe jedoch vergleichen? Armin Nassehi (1995) hat in einem Aufsatz mit dem Titel "Différend, Différance und Distinction - Zur Differenz der Differenzen bei Lyotard, Derrida und in der Formenlogik" ebenfalls die Frage behandelt, wie sich die unterschiedlichen Differenzauffassungen bei Derrida und in der Systemtheorie vergleichen lassen. Als einen dritten Vergleichsaspekt hat er außerdem das Differenzdenken Lyotards dazu genommen. Jedoch ist diese letzte Geste Nassehis für die weiteren Ausführungen nur von marginalem Interesse, so dass im Folgenden hauptsächlich die Argumente bezüglich des Formkalküls und der différance nachvollzogen und kritisch betrachtet werden.
In seinem in vier Teile gegliederten Vergleich geht Nassehi ähnlich wie die vorliegende Arbeit vor. Zunächst werden die Differenzbegriffe der einzelnen Autoren rekonstruiert, um sie dann im letzten Teil mit dem Titel "Differenzen der Differenzen" auswertend zu vergleichen. Dabei kommt Nassehi bezüglich der différance zu dem Schluss, dass sie den Formkalkül zwar nicht ganz aber in großen Teilen erfassen könne. Derridas différance könne nur vorsichtig andeuten, dass alles sinnhafte Geschehen, alles Kommunizieren und Bezeichnen mit der Handhabung von Unterscheidungen zu tun habe, die eine bezeichnete und eine unbezeichnete Seite haben und nicht nur von der Differenz von Bezeichnung und Bezeichnetem geprägt würden. Insofern versteht Nassehi den Formkalkül als eine Radikalisierung der différance, der in der Perspektive Derridas nur eine bestimmte Form, nämlich die Form des Zeichens, formuliere.
Letztlich macht Nassehi den Unterschied zwischen différance und Formkalkül an der unterschiedlichen Ausgangsdifferenz fest. Dabei betrachtet er die différance bereits unter dem Aspekt, dass sie selbst eine Form darstellt. Die Form der différance werde, so Nassehi, durch die beiden Seiten - also durch die Unterscheidung - Abwesenheit/Anwesenheit konstituiert, wobei es die Abwesenheit sei, die Anwesenheit bezeichne und damit zur Abwesenheit gezwungen werde. Die Form der Form basiere dagegen auf der Unterscheidung Unterscheidung/Bezeichnung und verweise auf eine Paradoxie, die wiederum den operativen und selbstreferentiellen Charakter aller Formgebung offenbare. In der Konsequenz schreibt Nassehi dem Formkalkül einen universalistischen Anspruch zu, den die différance durch ihr exemplarisches Arbeiten nicht erreichen kann.
Aus Nassehis Vergleich muss man also schließen, dass der Formkalkül quasi das Differenzdenken, welches die différance beschreiben soll, absorbiert, dass also der Formkalkül die différance mitmeint und sogar noch weit darüber hinausgeht. Marcus Hahn (1996) bemerkt in diesem Zusammenhang, dass die Absorption der différance im Formkalkül voreilig getroffen wird. Er weist deswegen darauf hin, dass die d
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letzte Aktualisierung: 23.10.2019