* 3. August 1943
- Nach dem Abitur März 1963 (Gymnasium Andreanum in Hildesheim) Empfehlung zur Studienstiftung des Deutschen Volkes (nicht wahrgenommen).
- Studium der Fächer Philosophie, Biologie, Latein je im Hauptfach (für das Lehramt an Gymnasien) 1963-1969/70 an der Uni Marburg/Lahn.
- In Philosophie besuche ich die mir besonders imponierenden Lehrveranstaltungen des Altkantianers Klaus Reich, der mein Interesse an den Vorsokratikern weckt.
- Schriftliche Arbeit zum Philosophikum im Fach Philosophie 1966 (bei Wilhelm Luther): ‚Gerechtigkeit und Freiheit bei Platon, mit besonderer Berücksichtigung der Politeia‘.
- Praktische Staatsexamenarbeit in Biologie: ‚Licht- und elektronenmikroskopische Untersuchungen zur Struktur der Ruhekernchromosomen von Prorocentrum micans‘; Prüfungsthema in Philosophie: Kants KrV. - Staatsexamina in allen drei Fächern.
- Dem mir in seinem bohrenden philosophischen Interesse besonders imponierenden Klaus Reich (ehemals Nazi-Gegner, aber eine Zielscheibe der Marburger Studentenrevolte) lege ich im fortgeschrittenen Verlauf meines Studiums mit Blick auf eine mögliche Promotion jene meine Platon-Arbeit vor. Sein Urteil: „Sie ist kein Beinbruch“; aus seinem Mund ist das nicht entmutigend. Was mich aber irritiert, ist sein anschließender kleiner Vortrag über den Unterschied zwischen dem Philosophen als d e m von „den Vielen (pollói)“ sich abhebenden „E i n e n (héis)“.
- Auf Grund meines Biologie-Studiums halte ich schon damals das philosophische Leib-Seele-Problem (und Farben-Problem!) für wissenschaftlich und praktisch fundamental, wenn auch extrem schwierig. Kant scheint mir dazu besonders studierenswert zu sein. So verbinde ich ein mühsames Studium der KrV mit dem Besuch einschlägiger Veranstaltungen des Reich-Schülers Lüder Gäbe, damals Privatdozent. An meinem Promotionswunsch zeigt sich Gäbe - auch auf Grund meines eigens angefertigten schriftlichen Versuchs über das Bewusstseins- und Freiheitsproblem - sehr interessiert. Doch zu meiner Überraschung und Enttäuschung hält er das Leib-Seele-Problem, das damals an deutschen Universitäten überhaupt nicht diskutiert wird, für "obsolet"; empfiehlt stattdessen eine Arbeit über Schelling.
- Referendarexamen im Dezember 1971 in Bremen. Schriftliche Examensarbeit über eine Unterrichtseinheit zum philosophischen Freiheitsproblem. (Studienassessor 1972 in Karlsruhe; s.u.).
- Während meiner Referendarzeit stoße ich in einem Sammelband zu "Philosophie und Kybernetik" (Hrsg.: Karl Steinbuch, Simon Moser, TU Karlsruhe) auf eine einschlägige Erörterung des Fink-Schülers Ernst Oldemeyer (Karlsruhe). Er unterstützt mein Interesse am Leib-Seele-Problem.
- Doch in Oldemeyers universitätsphilosophischem: naturwissenschaftlich-empiristisch-sprachgebrauchskritischem Umfeld erweist sich in meinem Eingangsreferat zum philosophischen Freiheitsproblem, das sehr unsicher im Vortrag ist (i. Ggs. zu einem späteren zweiten Referat) mein dualistischer Standpunkt als akademisch so gut wie indiskutabel ("Bühnentheorie des Bewusstseins"; man denke auch an Ryles/1949 einflussreiches Vexierbild vom Geist in der Maschine). Andererseits erhalte ich von Lenk den wertvollen Hinweis auf die so genannten ‚Identitätstheorie‘ Herbert Feigls 1958 sowie auf Wittgensteins „Sprachlehre“ ((die damals in Deutschland kaum Resonanz hat, wohl aber bei Lenk und Gebauer, die sie sprachkonstruktivistisch und gegen den pauschal verstandenen dualistischen Bewusstseinsbegriff gerichtet interpretieren. Aus meiner heutigen Sicht ist die Wendung zur phänomenalen Welt ein zentraler Teil der von Wittgenstein angestrebten Problemlösung)). Ich komme zudem in den Genuss eines 2½jährigen Graduierten-Stipendiums.
- Heirat im Dezember 1972 (Sylviane Fauchereau, *Paris; Scheidung 1983).
- Während meines Promotionsstudium haben die Karlsruher Seminar- und Gastvortragsangebote weder einen Bezug zum Dualismus-Problem noch zu Husserls Phänomenologie. Aus nachträglicher Sicht habe ich den Eindruck: Die diesbezügliche Beweislast liegt auf Grund der damit verbundenen theoretischen Schwierigkeiten ganz bei deren Vertretern. Es triumphiert dagegen der fundamentaltheoretische Exklusivitätsanspruch 'der' Naturwissenschaft (Biologie); eine kaum zu überschätzende Rolle dabei spielt die moderne theoretische Physik mit ihren extrem unanschauliche Konzepten zur Struktur des Universums (ihr einschüchternder Einfluss lässt sich z.B. in Hannah Arendts 'Vita activa' sehr schön nachlesen). – All das verschließt mir damals quasi den Mund. In diesem Sinne trifft Wittgenstein mit seinem frühen Schweigegebot einen wichtigen Zug der Lage der Philosophie, das er später, als ihm Zweifel an seiner PU-These von einer auf eine "Tröpfchen Sprachlehre" kondensierten "ganzen Wolke von Philosophie" kommen, neu aufgreift und modifiziert: in seiner intern-philosophischen Gruß-Empfehlung „Lass Dir Zeit!“.
- Promotion in Philosophie an der TU Karlsruhe 1975. Dissertation mit dem von mir selbst
gestellten und ausgearbeiteten Thema: ‚Das parallelistische Fehlverständnis des Physischen und des Psychischen‘. Darin zeige ich den inneren logischen Widerspruch des psychophysischen Parallelismus, einschließlich des Epiphänomenalismus, auf und weite diese Widerlegung auf Feigls und W.Sellars‘ Theorien aus, die etwas irreführend als ‚Identitätstheorien‘ bezeichnet werden und so den von mir aufgewiesenen verkappt-dualistischen Charakter und umgekehrt den eigentlich identitätstheoretischen Charakter der strikt physikalistischen (materialistischen) oder biologisch-funktionalistischen Theorie des Bewusstseins verdecken.
- Meine Hoffnung, an dem Thema akademisch weiterforschen zu dürfen, erfüllte sich nicht.
- 1976-2006: Gymnasiallehrer in Bremen.
- Publikation der überarbeiteten Dissertation 1977. Darin weite ich meine Parallelismus-Widerlegung weiter aus: auf die verdeckt-parallelistische Struktur der Theorie Kants. Entprechend betone ich nun, was noch heute, erst recht damals, ein wissenschaftliches Sakrileg („horribile dictu“) ist: Mein Nachweis innerer Widersprüchlichkeit des Parallelismus impliziert eine Durchbrechung des hirnphysiologischen Determinismus durch unser (intuitiv-)begriffliches Denken. Dazu Ernst Oldemeyer in einem Brief (sicherlich auch im Sinne Hans Lenks): „Da haben Sie ja die Katze aus dem Sack gelassen."
- Meinen genannten Forschungsresultaten in Fachzeitschriften Nachdruck zu verleihen, erweist sich als äußerst schwierig. Erst 1983 gelingt es mir, einen Aufsatz über praktische Vorzüge eines modifizierten dualistischen Leib-Seele-Interaktionismus in der Zeitschrift 'Philosophie und Theologie‘ (!) unterzubringen (S.1-33).
- In meinen extrem vorbereitungsintensiven) schulischen Philosophie-Kursen der Oberstufe betone ich die primär vergleichend-begriffliche Begründung des Dualismus (weitere Schwerpunkte: frühe Kulturgeschichte, moderne Wissenschaftstheorie, Freiheit-Determinismus; Einführung zu Marx). Dass ich trotz meiner Promotion keine mich selbst überzeugende Leib-Seele- und Erkenntnistheorie anzubieten habe, die der mir gründlich vertrauten modernen (Molekular- u. Evolutions-)Biologie Rechnung trägt, belastet mich.
- Ein Lichtblick in dieser Zeit ist für mich, was ich als Entdeckung erlebe: meine Formulierung des Konzepts der notwendig (= begrifflich zwingend) tautologischen oder zirkulären Kerndefinition der Grundfarben und anderer Objektqualia-Typen. Gleichwohl werden einschlägige Aufsätze von Zeitschriften wiederholt abgelehnt.
- Robert Spaemann verhilft mir zu einem diesbezüglichen Durchbruch bei der Zeitschrift für philosophische Forschung (1990), wofür ich ihm unendlich dankbar bin. Ebenso vermittelt Spaemann die Annahme meines Vorsokratiker-Aufsatzes bei den „Perspektiven der Philosophie" (1990, 1991). Er fragt mich denn auch bei meinem Besuch in München, ob ich mich nicht bei ihm und Lenk habilitieren wolle, was ich erfreut bejahe. Es kommt aber auch zu Irritationen seinerseits, was mein nun entschiedenes Vorhaben einer Habilitation ganz nach Karlsruhe verlagert (Lenk, Oldemeyer). Unser fachlicher und menschlicher Kontakt vertieft sich aber in wechselseitiger Aufrichtigkeit weiter.
- Zwei Aufsätze zu Descartes und seiner gegenwärtigen Diskussion erscheinen dank der Vermittlung Lenks in der Grazer Zeitschrift ‚Conceptus‘.
- Habilitation in Philosophie an der TU Karlsruhe 1992. Habilitationsschrift: ‚Phänomenale Realität und Erkenntnis‘. In Karlsruhe erhalte ich zwar die facultas legendi, nicht aber die venia legendi. Im Zuge meiner Umhabilitationsgesuche bei den Universitäten Oldenburg und Hamburg halte ich f r e i vorgetragene Referate zu meinem Konzept der Objektqualia mit ihren geschichtlichen Hintergründen, in Oldenburg mit anschließender erfolgreicher Diskussion; in Hamburg scheitert die Diskussion gleich am Anfang, als ich mit der ganz anders gearteten Qualitätskategorie des Aristoteles konfrontiert werde.
- Von 1996 bis 2002 führe ich während meiner Bremer Schultätigkeit Studierende der Bremer Uni erfolgreich zum Kleinen Latinum. Neben vier Jahren Oberstufen-Unterricht im Fach Biologie am Alten Gymnasium gehört dieser Uni-Unterricht zu den für mich interessantesten Jahren meiner Lehrerzeit.
- Nach meiner Pensionierung publiziere ich weitere Bücher zur inneren Verbindung von Geistes- und politischer Geschichte: 2007, 2008, 2009, 2012, 2016.
- 29 SKIZZEN zu den Resultaten dieser Arbeit in Form von Anzeigen in INFORMATION PHILOSOPHIE (Hrsg. Peter Moser) von Heft 4 / 2018 bis Heft 4 / 2021. Eine weitere KURZSERIE von Skizzen in den Heften 1-4 / 2022.
- Abschließend seien hier die folgenden Wendungen Kants zitiert; treffen sie doch prägnant den Kern des trotz Kant bis heute herrschenden Materialismus in der theoretischen Philosophie: "seelenloser Materialismus" (KrV, B 421); "freche und das Feld der Vernunft verengende Behauptungen des Materialismus" (Proleg. § 60).
- Buch 2024/25: "Philosophiehistorisch orientierte Fudamentalanalyse der Welt und ihrer Geschichte. Eine Skizze". Lit-Verlag